Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 11 (7.3.1859)
- Date
- 1859-03-07
- Page
- Seite 160 (sequence 12)
- Language
- German
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den'«nMrzigtzn Widetffachern solcher eveln Stiftungen - zur Umstimmungihrer verkehrten Ansicht öder zu ihrer Beschämung- Men Mackern Menschenfreunden aber zur Stärkung ihres llobenSwerthen Eifers für danerhast gute Werke! ■iM.9äi. 'dieser Schrift aber «wird^ein Aktenstück aus dem Jahre 1826 der Oeffenttichkeit übergeben, welches mit meinem Schül-'Keben in enger Beziehung stcht- Md <zür Zeit Mich fowesentlich -'beschäftigte, daß ich davon mein -ferneres 'Verweilen A meinem Wirkungskreise abhängig machte. Gleichzeitig ist es eine Frucht der-dämaligeNUBerliner Zustände, so daß deren nähere Kunde die Geschichte der Berliner Gemeinde ergänzt. Da es für diese Geschichte nicht gleichgMjg erscheint, <zu wissen, wie,es gekommen, daß der Vorstand der dortigen Gemeinde, eine, sonst ganz unerhörte, j üdische-Schul-C.ommissi.on Mttew in der Hauptstadt des gebildetsten und für Schulwesen besonders thätigen Staates : errichtete und daß dieselbe andrerseits wie eine Fehlgeburt sofort Mieder verschwand, so halte ich es für angemessen y.. den ganze». -Hergang jper Mache; a x t e n - mäßig d a rz u st eil e n, damit aus jenem Dokument keine unrichtigen Schlüsse gefolgert werden. 2. C ultur-Z u sta n d e in dem ersten. Jahrzehend nach dem Frieden von 1815 und w,eiter hinaus. , Bekanntlich ging die Umbildung der deutschen Juden zunächst von Berlin aus, und Mendelssohn wird als der sichtbare Keim derselben mit Recht betrachtet. Es verstrichen indeß drei. Jahrzehende nach seinem Tode, ehe sie bis in alle Schichten der übrigens immer emporstrebenden, endlich 1812 gänzlich eingebürgerten Gemeinde eindringen konnte, so tief-waren dietraurigen Eindrücke des Mittelalters wirksam.' Es gab zwar eine Anzahl vorzüglich gebildeter Familien, welche sich, durch.Reichthum begünstigt, in den höchsten Kreisen bewegten, aber sie zogen sich vornehm zurück, und übten keinen Einfluß auf die Masse.. Die. meisten Gliedern derselben waren am Ende bereits zur Kirche übergetreten, oder im Begriffe, überzutxete». . Andere innerhalb - der Gemeinde wirkende Personen: -bestanden aus Autodidakten, welche besonders durch.die französische Philosophie sich aus: der Finsterniß herausgerungen * hatten, mit ihrer hebräischen Kenntniß Schöngeisterei trieben, jüngere Begriffe hebräisch niederfchrieben, in ihren Gesprächen gern hhilosophirten, auch wohl die erst spät gewonnene deutsche Ausdrucksweise anzuwendcn versuchten. Das Volk betrachtete diese theils als geschickte Leute, thejls als Abtrünnige. Wie gering noch die Begriffe von Bildung warendreist am. Besten : der- Zustand her S chu le n. Eine - schr zahlreich besuchie Schule stand unter der Leitung eines höchst unwissendm/ noch nicht des einfachsten deutschen Ausdrucks kündigen Leiters, den eben so Unwissende Gehülftn -unterstützten/ wenn wir nicht irren- Vis 1812; Eine anderebesser eingerichtete, hatte sich seit 1806 zu einer ^gewissen' Berühmtheit ekhoben, wiewohl der Vorsteher von klassischer Vorbildung keine Spur in sich trug; er ließ sich von den . besten Kräften unterstützen und fand Anerkennung. - Die' glücklichen -Erfolge des Krieges, aü welchem die Juden, von vielen Ausschließungsgesetzen befreit, mit Be^ geisterung sich betheiligt hatten, bewirkten eine mächtige Umwandlung des Geistes und - eine immer stärkere Sehnsucht, sich der Schlacken früherer Zeiten -zu entäüßern. Die - eben heranwachsende Jugend begann die Gymnasien und die sonstigen allgemeinen Schulen zu besuchen; und die Hoffnung auf eine gänzliche Umgestaltung ward-' jetzt immer lebhafter gehegt. - Bis zu -deren- Verwirklichung; stellte sich aber ein Verhältniß heraus, das wir nur mit dem:Worte Cad ricätur-Bildung bezeichnen können. Die: Zeit, in welcher die Minerven aus dem-Haupte Jupiters vollkommen gerüstet heraussprangen, war noch lange nicht abgeschlossen. So wie kurz zuvor neue Reiche über Nacht entstanden, und große Vermögen aus einigen Lieferungsgeschäften hervorgingen, wodurch Hütten sich in Paläste verwandelten und - arme Hausirer von Besternten und ordengeschmückten Staatsmännern besucht wurden, — fo waren arme Händler und Rabbiner zu C o n si st o r i a l- Räthen erhoben, unbedeutende- Romanleser von selbst - zu Predigern, ABCschützen zu Vorstehern von Schulen und Erziehungsanstalten geworden. Roch 1816 war ich Zeuge einer sehr ausführlichen Prüfung', die ein Schulamtscandidat mitmirzugleich- -zu bestehen hatte, welcher noch nicht die Stuft' eines-12jährigen Elementarschülers einnahm , und dennoch die Genehmigung zur Errichtung einer höhern -Bürgerschule in-Berlin erhieltdie jedoch nicht glückte. - r . - --O: Dies führt mich auf -die Wahrnehmung, daß das Wohlwollen und die humane Güte: der christlichen hoch gestellten- M ä n n er und : Fr an e n einen Theil der Schuld tragm, welche jene, noch in der Er-- innerung. eben so lächerliche, wie bedauerliche Verzer-' rung zu Wege brachte, welche oft genug Gegenstand der Satyre wurde. Es war dies eine natürliche Folge der eigenthümlichen Verhältnisse. Die reichen Häuser suchten eine Befriedigung ihres Ehrgeizes , - wie zum Theil auch jhres Strebens nach Einfluß darin., hochgestellte-