Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1858)
- Date
- 1858-12-20
- Page
- Seite 724 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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724 teren mache ich Sie aufmerksam. Sie sind in schönem Geiste abgefaßt und haben in vielfachen Beziehungen eine frappante (Übereinstimmung mit Ihrem, in Ihren Vorlesungen über die „religiöse Idee" niedergelegten Ansichten. Ueber diese Vorlesungen hat neulichst Herr Königs Wärter einen sehr schönen Brief an den Redacteur der Archives israelites geschrieben, welchen dieser auch in seinem Blatte mitthcilte, und den Sie ei- .gentlich Ihren Lesern nicht vorenthalten sollten. Man ist daher auch auf die Veröffentlichung des zweiten TheileS Ihrer Vorlesungen („Die Religion der Gesellschaft") in der französischen Uebersctzung durch Hrn. Levy-Bing vielfach gespannt. Man hofft, sie noch während dieses Winters in Händen zu haben. Was übrigens den Univers betrifft, so habe ich Ihnen zwei Bemerkungen zu machen. Zuerst ist es höchst erfreulich, daß der katholische Klerus in Frankreich nun doch deS JocheS, welches Herr Veuillot aller Welt auferlegen will, und seiner maßlosen Wühlereien, mit welchen er die ganze Welt aufbringt, überdrüssig geworden, und mit Neujahr ein neues Blatt „I/union rvliligieuse“ herausgeben wird, das vom Univers ganz unabhängig sein wird. Alsdann, daß der Großsiegelbewayrer dem israelitischen Konsistorium die Erlaubniß zur Anklage des Veuillot wegen Diffamation der Juden nicht ertheilt habe. Es wird dies verschiedenartiger Beurtheilung unterzogen; jedenfalls aber ist bereits Herr Veuillot durch die öffentliche Meinung gerichtet, und das ist eine empfindlichere Strafe, als vom Gerichtshöfe verhängt werden kann. Die Meinungen und Urtheile des Univers haben sich durch ihre Stärke so abgeschwächt, daß Niemand mehr ein Gewicht auf sie legt, und sie bald Niemand mehr lesen wird. — Die Patrone des Monatsschriftchens Univers israelite, dieser Karrikatur deS großen katholischen Blattes, haben eine große Freude an dem Mandement der konstantinopolitanischen Rabbiner. Man sagt, sie wollten eine Petition vorbereiten, daß ihnen ebenfalls die Erlaubniß gewährt werde, Jedem, der eine religiöse Satzung Übertritt, die Bastonnade zu geben, und zu diesem Zwecke offene und geheime Ankläger zu bestellen. Sie lachen und halten es für ungereimt. Nun gut, wenn Jene es auch nicht thun, §o wünschen sie eS doch thun zu können. — Die Wahl Munks zum Mitglied des Instituts hat eine allgemeine Theilnahme und Billigung gesunden. Paris, im December. (Nach den Arch. isr. de Fr.) Durch Beschluß vom 15. November ist Herr Maurice Meyer, Professor bei der philosophischen Facultät zu Poitiers zum Jnspector der Primärschulen ernannt worden. Mit Unrecht haben die Journale bei dieser Ernennung die Worte „und insbesondere der israelitischen Schulen" hinzugefügt. Diese Ernennung war nicht von diesen Worten begleitet. Die israelitischen Elementarschulen haben nur den Unterricht in Religion und Hebräisch als etwas Besonderes. An den Rabbinen und den israelitischen Cantonaldelegirten ist es, diesen Theil des Unterrichts zu überwachen. Ein besonderer Jnspector für unsere Schulen hieße rückwärts gehen und in eine Sonderstellung gebracht sein, wie ehemals; dies will keinem Israeliten von gesundem Menschenverstände einleuchten. —. Die eingeborenen Israeliten Algeriens haben in Folge des bekannten Berichts und Decrets über die Berufung von Israeliten in den Generalcath eine Dankadresse an den Prinz-Minister gerichtet, in welcher sie die Freude aller eingeborenen Israeliten und die Aneiferung, in ihrem civilisirenden Fortschritt vorzugehcn, mit warmen Warten aussprechen. —. Eine statistische Uebersicht deS Departements des NiederrheinS giebt an, daß man in demselben einen Armen auf zwölf Bewohner rechnet, während bei der israelitischen Bevölkerung dieses Departements schon ein Armer auf acht Bewohner kommt. Die Archive» bemerken mit Recht, daß dies abermals ein Beweis für die Unrichtigkeit jener allgemeinen und immer wiederholten Annahme von dem Reichthum der Juden sei. Großbritannien. London, im December. Nach dem „Jewish Messenger“ sprach der Bischof von London in der letzten Sitzung der englischen Missionäre über das Quartier Petticoat laue, welches vorzugsweise von Juden bewohnt wird, und bemerkte ausdrücklich, daß dasselbe in sittlicher Beziehung die Quartiere Saint-GilleS oder Wapping, die ausschließlich von Christen bewohnt werden, bei Weitem übertreffe. Er fügte hinzu, daß die Herren Missionäre daher besser thäten, sich mit Dem zu beschäftigen, was in der Heimath vorgehe, als sich den Kopf mit Sorgen um das Ausland zu zerbrechen. —. Herr Lewis Ana, aus Jamaika jüngst zurückgekommen, und vor einigen Wochen in Scarborvugh verstorben, hat 20,000 Pfd. St. zur Errichtung und Unterhaltung einer israelitischen Schule in seiner Geburtöstadt Portsen vermacht. Nach dem Tode seiner Frau sollen diesem Legate noch 23,000 Pfd. St. hinzugefügt werden. Marokko. Tetuan. Zu Tetuan sind die Consuln von Spanien, Portugal und Neapel, so wie der Mecconsul von Frankreich Israeliten. Nach den letzten Erhebungen berechnet man die Zahl der Israeliten in Marokko auf 340,000.