Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1858)
- Date
- 1858-12-20
- Page
- Seite 723 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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7ss einerntete. Möge der Himmel die Eltern in Stand setzen, die hoffnungsvolle Blüthe dieses Kindes zur völligen Reife entfalten lassen zu können. Selbst aus solchen wenigen Notizen geht hervor, welch ein regeS Streben nach allen Seiten hin sich auch bei uns kund giebt. Schließlich will ich noch meinen hierländischen Glaubensbrüdern einen Wunsch an's Herz legen, der nicht blos ein frommer, sondern auch bald zur Wirklichkeit werden möge. Niemand wird in Abrede stellen wollen, daß das Bedürfniß des ausgeklärten Judenthums, wie es jetzt in Deutschland, Frankreich und England zur allgemeinen Geltung gekommen, auch bei unS zur Beachtung und hinlänglichen Würdigung zu bringen, ein allgemein gefühltes ist. Wer weiß es nicht, daß viele Leiden, die man über uns verhängt, nicht blos Bosheit und Haß, sondern auch Vorurtheil und Unwissenheit zur Quelle haben; und welche Wunden schlägt nicht erst Aberglauben und Unwissenheit sich selbst und wühlt in seinem eigenen Busen! Um aber Vorurtheil, Aberglaube und Unwissenheit zu zerstreuen, müßte man Bclehrungsmittel anwenden, die, populär und allgemein faßlich, den wahren Geist der jüdischen Religion, sowohl seinen eigenen Bekennern als auch Denen, für die er einiges Interesse haben könnte, in seiner ganzen Reinheit und Erhabenheit darzustellen geeignet wären. Man müßte ein Bild entwerfen, daß sowohl dem Juden als Nichtjuden zeigen könnte, was der Jude durch die hohe Sittlichkeit und Moral seiner göttlichen Religion schon geworden, und noch werden könnte! Zu diesem Behufe wäre eS sehr zu wünschen, daß eine der hervorragenden Capacitäten bei uns ein Organ in's Leben rufe, das in der Landessprache, nach Innen wie nach Außen, die geistigen Interessen des Judenthums vertreten könnte. — Daß es bei uns an einer solchen Kraft, die an der Spitze eines solchen Unternehmens stehen könnte, nicht gebricht, hat die neueste Zeit genügend bewiesen. Auch würde ein solches Organ den jüngern Lehrern, die sämmtlich der russischen Sprache mächtig sind, ein willkommenes Feld zur literarischen Thätigkeit eröffnen, und die Folgen davon höchst segensreich sein. Unsere hohe humane Regierung, die zu jedem gemeinnützigen Unternehmen bereitwillig ihre hülfreiche Hand bietet, würde sicherlich diesem Vorhaben ihre hohe Genehmigung nicht verweigern. Der Leserkreis eines solchen Blattes würde, wenn eS sich nur tüchtig bewährte, immer mehr sich ausbreiten, da die Landessprache mit jedem Tage mehr Verbreitung unter unS findet. Die Tendenz desselben müßte rein literarisch sein, und die Aufklärung unseres Volkes sich zur Aufgabe machen. Italien. Magdeburg, im December. (Privatmitth.) Die preußischen Gemeinden haben auf ihr Gesuch an den Prinz-Regenten die ablehnende Antwort erhalten, daß Preußen auf diplomatischem Wege in der Mortara-Angelegenheit nichts zu thun vermöge. (ES war dies vorauszusehen, schon im Allgemeinen, und dann so spät!) Aus Carls ruhe wird unS geschrieben, daß das dortige Rabbinat im Verein mit dem Synagogenrathe sich an den Oberrath gewendet, daß dieser an die großherzogliche Regierung die Bitte richte, sich in der Mortara-Angelegenheit zu verwenden. (Für alle solche Demonstrationen hätte man dankbar sein müssen, wenn sie gleich Anfangs geschehen wären.) Aus Florenz wird geschrieben, daß der Vater Mortara mit seiner Frau und sieben Kindern daselbst angelangt sei, um sich nach Frankreich zu begeben und dort niederzulassen. (Mögen ihm viele, mögen ihm alle Glaubensgenossen aus jener Gegend bald folgen!) Frankreich. Paris, im December. (Privatmitth.) Vor Kurzem fanden hier und in den andern Consistorialsprengeln Neuwahlen zu den israelitischen Consistorien statt, und es ist eine wahrhaft erfreuliche Wahrnehmung, wie groß die Theilnahme an diesen Wahlen war. In Straßburg votirten von 4402 eingeschriebenen Wählern 3589, in Paris von 1976 gaben 801 ihre Stimmen ab, in Colmar von 3300 Wählern 2500, in Nancy von 1391 stimmten 765, in Marseille von 490 votirten 297, in Bayonne von 318 stimmten 221 rc. Man sieht, daß außer Paris die Thätigkeit für die Wahlen eine überwiegende war, und dies giebt immerhin einen günstigen Rückschluß. — Wenn auch die Discussion über die Mortara-Angelegenheit zu Ende gebracht worden, so ist hiermit doch die DiScussion über religiöse Fragen nicht geschwunden, sondern wird einerseits vom blniverg, andererseits von der kresss mit vielem Nachdruck fortgesetzt. Auf die Artikel der letz- 52**