Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1858)
- Date
- 1858-12-20
- Page
- Seite 722 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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bewahranstalt, auf dem Felde der Ehre, überreicht wurde. Zu gleicher Zeit hat daS Comitö das lebensgroße Portrait des Herrn Wertheimer der Anstalt geschenkt. Als dieses bei der Feierlichkeit enthüllt wurde, bekränzten zwei Zöglinge der Anstalt daS Bild. Nachdem die Adresse von dem Comitemitgliede Herrn Winterstein verlesen war, antwortete Herr Wertheimer tief ergriffen und bewegt, und dankte für die ihm gewordene Auszeichnung. In edler Bescheidenheit wieS er, nächst GotteS Beistand, auf die Mithülfe seiner Herren Collegen und der wackeren Frauen-Vorsteherinnen. (Unter diesen befindet sich auch die edle Gattin des Herrn Wertheimer.) Zugleich machte derselbe die erfreuliche Mittheilung, daß die hochherzige Frau Elise Herz, Edl. v. Lämel, eine Stiftung von 600 Thaler machte, deren Interessen dazu verwendet werden sollen, am Geburtstage des Gründers den Schülern dieser Anstalt ein Fest zu bereiten. Hierauf ergriff Herr Prediger Mannheimer das Wort und sprach den Segen in sinniger, herzerhebender Weise, und damit endete die schöne Feier. Ich füge den Wunsch hinzu ini»rr. Möge das Wirken des Herrn Wertheimer recht viele Nachahmer finden! — Wien, 9. December. (Privatmitth.) Wie ich höre, haben sich die verschiedenen orthodoren Fractionen (mit Ausnahme der sogenannten polnischen) vereinigt, eine Synagoge zu bauen. Wir gehören nicht zu Denjenigen, die irgend Jemanden die Seligkeit ab- oder zusprechen. Wir maßen uns nicht an, dem ewig waltenden Gotte in sein Richteramt einzugreifen. Wir bekennen es aber aufrichtig, daß wir diesen Schritt sehr bedauern. Weder der alte noch der neue Tempel giebt und bietet einem wahrhaft frommen Juden, der daS Judenthum kennt, Anstoß, und nachdem der neue Tempel dem Mangel an Raum abgeholfen hat, ist es sehr zu beklagen, daß diese Scheidung so klaffend wird. Wir wollen keine Kassandrarufe ertönen lassen; wir beten aber zu Gott, er möge daS köstlichste Kleinod der hiesigen Gemeinde, die Eintracht, ferner wahren. Den Männern hieben und drüben, die nicht aus Eigendünkel und nicht nach Launen handeln, rufen wir zu: Ueberleget wohl, was ihr thut. Die Geschichte des Goetheschen Zauberlehrlings sollten wir Herren nicht außer Acht lassen, oder um einen biblischen Ausdruck zu gebrauchen yn» rv«i&n ir» iwis. —. Der Kreuzerverein gab auch in diesem Jahre seinen Schützlingen am Chanuka ein Fest, und zwar ist die Zahl der Kinder drei hundert und zehn (175 Knaben und 135 Mädchen). Außer Backwerk, Obst u. s. w. erhielten die Knaben 70 Winterröcke, 36 Paar Hosen, 24 Westen, 60 Wolljacken, 108 Paar Schafwollstrümpfe, 100 Paar Stiefel, 108 Shawls, 175 Paar Handschuhe, 24 Hemden, 12 Halstücher. Die Mädchen erhielten 24 Mäntel, 64 Röcke und 64 Joppen, 60 Umhängtücher, 6 Schafwolljoppen, 30 Müsse, 50 Hauben, 135 Paar Handschuhe, 100 Paar Schuhe, 12 Hemden, 70 Schürzen, 100 Paar Strümpfe, 12 kleine Halstücher, 6 Sacktücher. Wo solche Zahlen sprechen, ist es wohl nicht nothwendig, Bemerkungen hinzuzufügen. Wie immer wurde das Fest mit einer religiösen Ansprache eingeleitet. Rußland. Aus Rußland, im December. (Privatmitth.) Die Kiewer Universität besuchen 50 Studenten jüdischer Confession. Für 8 von ihnen, die völlig unbemittelt sind, haben den vorigen Winter die Herren Ehrenbürger Günzburg, die Herren Banquiers Heilpriu und Horowitz in Berditchew, die Herren Kaufleute Rosenberg und Weinstein in Litomir und A. den Fond von 10,000 S.-R. geschaffen, dessen Zinsen diesen unbemittelten Studirenden zu Gute kommen sollen. Ein Act hochherziger Generosität, der aber bei diesen Herren nicht einzeln dasteht. — Auf der im Jahre 1857 in Kiew stattgehabten Ausstellung ländlicher Erzeugnisse hat ein mit Seidenzucht sich beschäftigender Jude, Namens Achselhorn, für die schönen Proben seines Kunststeißes die silberne Medaille erhalten. — Ein ehrendes Zeugniß für den Fleiß des Empfängers, wie für die humane Vorurtheilslosigkeit der Ertheiler. — Die 8jährige Tochter eines in Litomir ansässigen Kaufmanns entfaltete von ihrer zartesten Kindheit an ein solches glänzendes Talent zur Musik, daß dieselbe im vorigen Winter an einem Concerte des jungen talentvollen Pianisten Wagner Theil nahm, und von der ganM Versammlung eineS hohen Adels den rauschendsten Beifall