Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-12-20 · Heft 52 (20.12.1858) · p. Seite 721

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 52 (20.12.1858)
Date
1858-12-20
Page
Seite 721 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226093-3226146--17377-3246288
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

721 auch den Grund, warum dem, seit mehr denn zwei Jahren an der erwähnten Schule beschäftigt gewesenen jüdischen Lehrer Schwarz nunmehr — trotz der Verwendung deS Schulvorstandes — Seitens der königlichen Regierung zu Posen die Bestätigung versagt worden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 10. December. (Privatmitth.) Es ist ein schönes Zeichen der Zeit, wenn Männern Ehre gegeben wird, die Ehre verdienen. Es freut mich aus vollem Herzen, Ihnen ein solches Factum aus unserer Gemeinde mitzutheilen. Ich hatte schon wiederholentlich Gelegenheit, den Namen des Herrn Josef Wertheimer in meinen Correspondenzen zu nennen, und allerdings bietet sich oft die Veranlassung dazu dar, denn von ihm gilt das baa vr. Es geschieht nichts in der Gemeinde, wobei seine wohlthätige Wirksamkeit fehlen möchte. Herr Wertheimer wahrt aber nicht blos mit dem größten heiligen Eifer die Interessen der Gemeinde, deren Vertreter er ist, die Interessen unseres Volks, für das erlebt und wirkt, er hat Schöpfungen ins Leben gerufen, die sein Denkmal für alle Zeiten sein werden aere perennius. Es ist hier nicht der Ort, ausführlich die Biographie dieses wahrhaft edlen Mannes rnanr b» a,n:i yy> zu geben, es sei mir jedoch gestattet, einige Momente aus seinem Leben anzuführen. Herr Wertheimer ist der Schöpfer der Kinderbewahranstalten in Oesterreich. Große Kämpfe gingen der Schöpfung dieses höchst wohlthätigen Institutes voran. Im Jahre 1830 entstand die erste christliche Bewahranstalt in Wien, welcher er den Ertrag seines in zwei Auflagen erschienenen Buches, eine Uebersetzung von on inkants seliool widmete (das königlich preußische Ministerium empfahl dasselbe öffentlich zum Ankäufe auf Rechnung der Schulkassen). Nachdem an verschiedenen Orten im Kaiserstaate und außerhalb desselben in Preußen u. s. w. Kinderbewahranstalten errichtet wurden, begründete Herr Wertheimer die israelitische Kinderbewahranstalt hier in der Leopoldstadt. Unter Gottes Beistand gedieh diese Anstalt und im Laufe des vorigen Jahres wurde, wie bereits berichtet ist, das zu diesem Zwecke erbaute Gebäude eingeweiht. Herr Wertheimer begründete den israelitischen Handwerkervervin. Wir sind enthoben, über diesen Verein etwas zu bemerken. Hunderte von Zöglingen, als Gesellen und Meister in der alten und neuen Welt, verkünden sein Lob und segnen sein Andenken. Herr Wertheimer ist Vertreter der hiesigen Gemeinde, und als solcher hat er nicht bloS das Aufkommen und daS Gedeihen derselben mächtig gefördert, und insbesondere die Religionsschule, die zunächst in sein Reffort gehört, gehoben; durch feine sociale Stellung und seine persönliche Intervention, hat er die Interessen unserer Glaubensgenossen im Kaiserstaate mit vielem Muthe und Erfolge vertreten. Es handelt sich hier aber nicht bloö um einen Mann der That ->an bsa, sondern auch um einen Mann der Worte ü'ini b»ä. Ich will hier Nicht von seinen Dramen, die auch auf dem hiesigen Burgtheater aufgesührt wurden u. s. w., sprechen; ich erinnere aber an sein Werk, waS wohl kein Geschichtsforscher, der über Juden schreibt, übergehen wird: „Die Juden in Oesterreich." — Bedenkt man überdies, daß das Buch zu einer Zeit geschrieben wurde, wo das freie Wort geächtet und vervehmt war — und man wird diese Mannesthat, außer dem wissenschaftlichen Werthe des Buches, zu würdigen wissen. Außerdem trat Herr Wertheimer wiederholentlich schriftstellerisch für seine Glaubensbrüder auf. Wir verweisen in dieser Beziehung auf die Brochüre: „Die Stellung der Juden in Oesterreich", welche zur Zeit, als das Besitzrecht von Grund und Boden den Juden provisorisch entzogen wurde, erschien. Das „Jahrbuch für Israeliten" ist in weiten Kreisen verbreitet, und es ist unnöthig, weiter darauf einzugehen. Hier haben Sie einige Momente, wenn auch nür sehr skizzenhaft dargestellt, der gesegneten Wirksamkeit dieses hochverdienten Mannes. Um diesem Manne nun ein Zeichen der Anerkennung zu zollen, bildete sich ein Comite und entwarf eine Adresse, die in lapidarischem Style die Verdienste des Gefeierten hervorhebt. Vier Hundert Gemeindemitglieder — und eS wäre wohl die ganze Gemeinde bereit gewesen, dieselbe zu unterschreiben — unterschrieben diese Adresse, welche in prachtvoller Ausstattung mit sinnigen Emblemen verziert, Herrn Wertheimcr in Gegenwart der Elite der Gemeinde und anderer hervorragender Cekebritäten in der Kin- 52*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.