Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1858)
- Date
- 1858-12-20
- Page
- Seite 720 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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720 Wies««. Diese gab sofort die einstweilige Erlaubniß zum diesjährigen gemeinsamen Gottesdienst u. s. w. und erliest unterm 10. November c. (I. IX 4528. Abth. d. Innern, gez. v. Goetz) die definitive Bestimmung, welche ungefähr lautet: „da in den älter« Strafanstalten unseres Departements Schweidnitz den jüdischen Gefangenen der gemeinsame Gottesdienst von jeher nicht nur an den Osterfriertagen, sondern auch an dem Neujahrs- und Versöhnungsfeste gestattet worden ist, und da auch in der hiesigen Strafanstalt dies bis jetzt zugelaffen worden ist, so mag eS hierbei um so mehr sein Bewenden behalten, als auch nach den zu unfern Acten gebrachten Ausführungen der jüdischen Gelehrten nicht sowohl die Osterzeit als gerade die NeujahrStage und der VerföhnungStag die heiligsten Festtage der Juden sind u. s. w." Aus Schlesien, 9. December. lPrivatmitth.) An der Spitze unseres heutigen Berichts möge eine Notiz Platz finden, die Sie, Herr Redacteur, und Viele Ihrer Leser gewiß sehr interessiren dürste. Der bisherige GerichtSasseffor Ferdinand Herrmann zu Groß- Glogau, ein Israelit, ist zum RechtSanwalt für den Kreisgerichtsbezirk Schweidnitz und zugleich zum Notar im AppellationSgerichlS - Departement BreSlau ernannt worden. Als Wohnsitz ist ihm die Stadt Freiburg angewiesen. Während deS letztverflossenen Sommer-Semesters hat s) die Realschule am Zwinger in BreSlau unter 691 Zöglingen 112 jüdische, b) die Realschule „zum heiligen Geist" ebendaselbst unter 460 Zöglingen 91 jüdische, e) die Realschule zu Neisse unter 284 Zöglingen 48 jüdische, 6) die Realschule zu Landshut unter 163 Zöglingen 11 jüdische, e) die Realschule zu Görlitz unter 418 Zöglingen 9 jüdische und f) die Realschule zu Grünberg unter 208 Zöglingen 5 jüdische aufzuweisen gehabt. Es sind demnach sämmtliche 6 Realschulen unserer Provinz überhaupt von 2222 Schülern und unter diesen von 276 Schülern jüdischen Glaubens frequentirt gewesen. Die Zahl der jüdischen Schüler hat also beinahe den achten Theil der Gesammt-Schülerzahl ausgemacht. Nach der neuen Städte-Ordnung vom 30. Mai 1853 ist der Monat November derjenige, in welchen die Ergänzungswahlen für die Stadtverordneten-Collegien fallen. Bei denjenigen Ergänzungs-Wahlen, welche nun in dem eben verflossenen Monat-November in den Städten hiesiger Provinz stattgefunden haben, sind fast allenthalben auch mehr oder weniger Bürger jüdischen Glaubens mit aus den Wahl-Urnen hervorgegangen. In Bre.Slau wurden indeß unter 38 neuen Stadtverordneten nur 5 Juden gewählt. Wie zu Ende des Jahres 1853, ist auch jetzt wiederum sämmtlichen KreiS-Behörden Seitens der Regierungen aufgegeben worden, — außer den allgemeinen statistischen Berichten — noch ganz besondere „Berichte über die gewerblichen und anderen Verhältnisse der Juden" einzureichen. Aus Pleschen im Großherzogthum Posen wird mitgetheilt (vgl. Br. Ztg. Rr. 571.), daß der neue jüdische Religionslehrer die Söhne der Juden schon vor dem zurückgelegten dreizehnten Lebensjahre confirmirt, und zwar in der Art, daß er selbst, einen, auf die Confirmation gar nicht bezüglichen, Vortrag hält und die Kinder alsdann wechselseitig ein Gedicht recitiren läßt. — Ist diese Notiz nur geeignet, Heiterkeit und Lachen zu erregen, so muß eine andere, ebenfalls von dorther gelangt, dagegen den größten Unwillen Hervorrufen. In Pleschen besteht nämlich — obgleich daselbst sehr viele und darunter auch sehr wohlhabende Juden wohnen, — keine besondere jüdische, sondern vielmehr nur eine combinirte evangelischjüdische Elementarschule. Warum sind aber an dieser nicht wenigstens zwei jüdische Lehrer angestellt, wie solches in Grätz der Fall ist, wo die jüdischen Kinder mit den katholischen combinirt sind? — Antwort auf diese Frage giebt eine Correspondenz aus Pleschen in der Br. Ztg. vom 20. v. M., in welcher ausdrücklich gesagt wird, daß seit Begründung der evangelisch-jüdischen Schule zu Pleschen Seitens der Judenschaft selbst der Zulassung jüdischer Lehrer stetS kräftig entgegengearbeitet worden. Hierin sei man, nach der erwähnten Correspondenz, so weit gegangen, daß man im vorigen Jahre in einem Schreiben an die königliche Regierung zu Posen sich also vernehmen ließ: „Als vor einigen Jahren die katholische Schulsocietät sich vom Schülverbande trennte, sind wir deshalb der evangelischen Confession angeschlossen geblieben, weil wir grundsätzlich keine jüdischen Elementarlehrer haben wollten, denn diese sind größtentheilS nicht religiös genug, so daß die Jugend schlechtes Beispiel nehmen könnte." — In solchem Gebühren sicht nun der Pleschener Correspondent der Br. Ztg.