Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 52 (20.12.1858)
- Date
- 1858-12-20
- Page
- Seite 718 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226093-3226146--17374-3246285- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
718 23. Tischri, der 17. TammuS auf den S. desselben Monats, der S. Ab auf den 7. und 10. Ab verlegt; Chanuca, Hoschanatag, die zweiten Festtage, Kaddisch und die üblichen Tefilla'S gestrichen." Zeitungsnachrichten. Deutschland. AuS dem Großherzogth. Baden, 1. December. (Abwehr.) Der Bericht über ein Lehrerjubiläum in Nr. 43 d. Bl. nimmt Veranlassung, die badischen .Rabbiner deshalb zu tadeln, daß sie ihr — angeblich — eigentliches Feld vernachlässigen, und in die Gemeinde-Verhältnisse nicht eingreifen, wenn sie nicht dazu veranlaßt werden, oder nicht ausweichen können. Wir wollen nicht zweifeln, daß der Correspondent in Aufrichtigkeit und guter Absicht sich ausgesprochen habe, allein er ist offenbar in mehrfachem Jrrthume, und wir müssen ihm Folgendes zu bedenken geben: 1) Sind die badischen Rabbiner verordnungsmäßig wirklich nur angewiesen, sich des Religionswesens anzunehmen; wenn sie daher in andere Gemeinde-Verhältnisse nicht eingreifen, so handeln sie pünktlich nach ihrer Vorschrift. 2) In gegenwärtiger Zeit, da daö Gespenst der Hierarchie auch unter den Juden so furchterregend spukt, und jede vom Geistlichen ausgehende Anregung so gern alS Ausfluß geistlicher Herrschsucht gedeutet wird, ist es gewiß auch vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit aus gerathener, daß die Rabbiner wirklich aller Einmischung in die Gemeinde-Verhältnisse, so lange sie auSweiche.n können, sich enthalten. 3) Darum vernachlässigen aber die badischen Rabbiner ihr „eigentliches" Feld keineswegs; sie sind vielmehr in Wahrheit vom reinsten Eifer für die Verwirklichung der höchsten Ideen deS JudenthumS beseelt, wirken nach Zeit, und Ortöverhältniffen für die Bildung ihrer Gemeindeglieder, so wie für deren Armen- und Krankenanstalten, und die Läuterung des Gottesdienstes ist vielleicht nirgends so weit gediehen, alS in vielen badischen Synagogen. Dagegen müssen wir zugeben, daß die badischen Rabbiner in den sogenannten öffentlichen israelitischen Schulen wirklich sehr wenig wirken können, weil die christlichen Geistlichen die Schulinspection auSüben, und eS vielen Lehrern mehr darum zu thun ist, den Ansprüchen derselben, als denen der Rabbiner zu genügen. Leider führt dies zuweilen zu einer Spannung zwischen Rabbinern und Lehrern, und dann sind es aber eben diese, welche, ganz anders als der Correspondent in Nr. 43, jegliches Eingreifen der Rabbiner in die Gemeinde-Verhältnisse zu Hintertreiben beflissen sind, was ihnen um so leichter wird, wenn sie Gemeindeschreiber sind, und hierdurch Gelegenheit finden, die Eifersucht der Synagogen-Räthe gegen die Rabbiner aufzustacheln. Unter solchen Umständen wird es aber kein Billigdenkender den Rabbinern verargen können, wenn sie sich zurückziehen und den Frieden wahren. AuS dem Badischen, im December. (Privatmittheilung.) Mit großer Spannung sieht man den Schriften des 4. Jahrganges des Instituts zur Förder israelitischen Literatur entgegen, welche hoffentlich den Schluß ihres vortrefflichen „Sarons" und der Geschichte des JudenthumS von I o st bringen werden. Wahrlich, weder die modernen Religionskatechismen, noch Predigten sind so geeignet, die Theilnahme für daS Judenlhum so zu beleben oder zu wecken, wie diese herrlichen Werke, welche so ganz den Stempel einer eben so belehrenden alS anziehenden Volksliteratur an sich tragen. In einer Zeit, wo die alten jüdischen Volksschriften unbrauchbar geworden, sind solche Schriften das einzige Bindemittel zur Belebung der Anhänglichkeit an den Stamm und den Glauben Israels*). Schott, Rabbiner. Kassel, 7. December. (Pr. Z.) DaS Kurfürstliche Landrathsamt zu Wolfhagen hält dermalen die *) Indem ich dem geschätzten Collegen für seine anerkennenden Worte herzlich danke, bemerke ich, daß daS vierte Jahr des Instituts den letzten Band des „Sarons" nicht bringen, überhaupt nichts von mir enthalten werde. Theils bin ich mit einer größer» poetischen Arbeit beschäftigt, welche dem vierten Bande einverleibt werden soll, theils bin ich es überhaupt müde, mich den Nachreden derUebelwollenven und Mißgünstigen auszusetzen. Es ist auch darum, daß ich auch mein größeres, umfassendes Religionswerk dem Institute nicht gebe, sondern mit der Baumgärtner'schen Buchhandlung Vertrag geschlossen habe. Was jene Leute aber betrifft, so werde ich mich nie Herbeilaffen, ihre Jnvectiven zu beantworten. Ich rufe ihnen nur zu: „Gehet hin, und machet es besser!" und ich bedauere nur, daß sie mich und die Welt — so lange hierauf warten lassen. 0r. PH.