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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-12-13 · Heft 51 (13.12.1858) · p. Seite 710

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 51 (13.12.1858)
Date
1858-12-13
Page
Seite 710 (sequence 14)
Language
German
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710 der bringt Hülfe der Welt?) Drei schöne Güter, so heißt es ferner, wurden Israel als Geschenke bestimmt und sämmtliche erhielt es nur durch Leiden. Diese find: die Gotteslehre, das heilige Land und das Jenseits?) Diese Betrachtung des Bösen und der Bestimmung desselben und seiner über uns einbrechenden Folgen war es, die die Talmudlehrer mit Kraft und Muth ausrüstete, daß fie das größte Ungemach freudig ertrugen, in dem Glauben, daß die Leiden nicht zu unserm Untergang und Vernichtung, sondern zur Erhebung und Aufrichtung unserer Menschenwürde, des Göttlichen und Heiligen — da find. Also treffen wir fie in der Unterredung in den größten und gefahrvollsten Augenblicken ihres Lebens bald mit Heiden, bald mit den vom Judenthume Abgefallenen, wo fie mit vieler Wärme und Scharffinn diese von ihnen stark angegriffene Glaubenslehre vertheidigten. Sieh her, welches schöne Roß mir mein Gott und welches Dir der Deinige beschied! so rief ein vom Judenthume Abgefallener, Namens Jakim, seinem Oheim Jose b. Joeser zu, dem er am Sabbath reitend begegnete, gerade als Jose zum Märtyrertod in Folge seiner unerschütterlichen Treue an Gott geführt wurde. Wenn es, antwortete er gelassen, also Denen ergeht, die das Göttliche verhöhnen, gewiß noch schöner und besser Denen, die treu sein Wort befolgen! Wek war wohl mehr als Du diesem ergeben? und warum dennoch dieses schreckliche Loos? wiederholte jener seine Frage. Das gerade, Abtrünniger, wollte ich Dir zurufen, enrgegnete der Andere. Wenn es also schlecht dem Gerechten ergeht, wie erst dem Frevler! 3) Eben so redete einst ein Abtrünniger, in der Gegenwart des Kaisers Hadrian den Talmudlehrer R. Josua b. Chananja mit den Worten an: „Da ist der Beweis, daß Ihr von Gott verstoßen seid!" und wies damit auf die Macht dieses Herrschers, dem Israel unterworfen war. „Nein", erwiderte der Angeredete, „da gerade ist der Beweis, wie Gott liebend und schützend seine Arme über uns ausbreitet und vor Vernichtung schützt!"4) Auf gleiche Weise soll N. Akiba dem römischen Statthalter Tinius Rufus auf die Frage: Wenn Gott die Armen liebt, warum giebt er ihnen nicht ihren Unterhalt? geantwortet haben: Damit wir durch die Spendungen an fie der Hölle entkommen, weil die göttlichen Strafen denen eines Vaters an seinem Sohn gleichen, die nicht die Vernichtung, sondern die Besserung *) Taanitt 5. 2) Berachoth 5. 3) Jalkut zu ftWi. 4) Chagiga 5. desselben bewirken wollen." *) Aehnlich treffen wir die Antwort des R. Chanina an einen Abtrünnigen, der ihm zurief: Seid Ihr nicht verworfen, wenn es heißt: ihre Unreinigkeit haftet an dem Saum ihres Gewandes (Klagel. 1.). Du vergissest, so entgegnen er, daß auch das göttliche Wort Dir sagt: Gott wohnt selbst in der Mitte ihrer Sündhaftigkeit (3 M. 16, 17.). * 2) Ueberfichtlich und faßlich zusammengestellt treffen wir den Gesammtinhalt dieser Lehren in folgender Betrachtung, die hier als Schluß dieser Abtheilung noch ihren Platz finden soll. Alles, so heißt es, was Gott schuf, wurde mit seinem Gegensätze erschaffen, zwei und zwei, damit wir die Weisheit Gottes erkennen und wissen, daß ein jeder Gegenstand Ergänzung durch den andern erleiden kann, so daß das Bestehen des Einen an das Andere geknüpft ist. Warum wird das Leben Leben, und der Tod Tod genannt? Weil ohne Existenz des Todes nicht die Lebenden lebend genannt und als Lebende erkannt werden könnten, was ebenfalls mit der Erscheinung des Todes der Fall ist, denn ohne Leben kennt man den Tod nicht. Eben so verhält es sich mit dem Streit und dem Frieden, mit der Thorheit und der Weisheit, mit der Armuth und dem Reichthum, mit dem Lichte und der Finsterniß u. s. w., damit wir das Eine von dem Andern zu unterscheiden verstehen und den Werth eines Jeden erkennen und beherzigen.3) Zwei Begleiter, so schließt der Midrasch diese Art von Betrachtungen, gab Abraham seinen Nachkommen, die es schützen und bilden sollten: die Uebung des Wohlthuns und des Rechts (1 M. 18—19.). Diesen gesellte Gott auch zwei Schutzengel: die Huld und das Erbarmen zu (5 M. 5—12.) und so geschah es, daß, sobald Israel jene zwei, das Wohlthun und das Recht, verlor, auch Gott seine beiden, die Liebe und das Erbarmen, zurückzog, aber so oft Israel sich aufmachte, mit Gott sich wieder aussöhnte und seine zwei Begleiter, das Wohlthun und das Recht, mitbrachte, hat auch der Allvater stets bereitwillig diesen zweien seine beiden Schutzengel, die Huld und das Erbarmen hinzutreten lassen unter dem schönen Rufe: Aus beiden Theilen lasset uns eine Krone verfertigen und fie auf das Haupt Israels setzen; denn also heißt es: Und ich verbinde mich mit Dir auf ewig, ich verbinde mich mit Dir mit Recht und Gerechtigkeit durch Huld und Erbarmen (Hosea 2, 19.).4) _—, (Fortsetzung folgt.) *) Baba bathra 10. 2) Joma 57 a. 3) Beth hamidrasch I. S. 10, 7—8. 4) Midr. rabb. 5 M. Abschn. 3.

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