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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-12-13 · Heft 51 (13.12.1858) · p. Seite 709

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 51 (13.12.1858)
Date
1858-12-13
Page
Seite 709 (sequence 13)
Language
German
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70j9 uns Alles in höchster Zerrüttung en'tgegentritt, so ist es der Engel des Bösen, der uns zuruft: es möge also auch kommende Woche angetroffen werden", — und der Engel des Guten muß trotz seiner guten Absicht dem dösen durch ein Amen beipflichten. *) Was uns hier nur angedeutet wurde, das wird klarer durch folgende Lehren bewiesen. Ein menschenfreundliches Ange, demüthiger Geist und eine anspruchslose Seele sind Kennzeichen der Schüler Abrahams. Dagegen sind ein mißgünstiges Auge, ein stolzer Geist und eine ungenügsame Seele Zeichen der Schüler des Bileam — des Bösewichts — (des Heidenthums). Aber was ist wohl der Unterschied, so schließt diese Betrachtung, zwischen den Schülern Abrahams mrt> denen des Bileam, des Bösewichts? Die Ersten genießen im Diesseits und erben im Jenseits, während Letztere die Hölle zum Besitz erhalten und in den Abgrund stürzen, denn also heißt es: Und Du, Ewiger, stößt sie in den Abgrund, die Blutgierigen und Falschen, sie erleben nicht die Hälfte ihrer Tage, ich vertraue Dir (55, 24.).* 2) Deutlicher tritt diese Lehre hervor, wie sie zur Warnung für die Sünden der Gegenwart, Bilder aus der Vergangenheit vor uns treten lassen, besonders aus der Zeit der Zerstörung und Auflösung des jüdischen Staates als Beweise, wohin wir durch die Herrschaft des Bösen gebracht werden. Von der Zeit an, so heißt es, da der Eigennutz in Jerusalem überhandnahm, mehrten sich Die, welche das Böse gut und das Gute böse nannten. Und von der Zeit, da man das Gute böse und das Böse gut hieß, füllte sich die Welt mit dem Ruft: Wehe! wehe!3) Nur in Folge des Neides und des gegenseitigen unverdienten Hasses wurde der Tempel im zweiten jüdischen Staatsleben zerstört. 4) Nur, weil sie sich nicht gegenseitig zurechtwiesen, einander sich nicht achteten und sich beschämten, mußte der Tempel Gottes zerstört werden.5 6 7) Vierzig Jahre vor der Zerstörung des Tempels traten mehrere Zeichen ein als Vorboten des nahen Unterganges. Das Loos „Für Gott" traf am Versöhnungstage nicht mehr in die rechte Hand, sondern in die linke; der rothe Faden, der sich sonst weiß färbte und Versöhnung anzeigte, blieb roth; das Licht an der Seite des Abends im Tempel erlosch und konnte nicht mehr leuchten, und endlich die Thore des Tempels wollten sich nicht mehr schließen und blieben auf. R. Jochannan b. Sakai f) Siehe: Engel. 2) Aboth Abschn. 5. 3) Sote 47. 4) Joma. 5) Siehe: Zerstörung des Tempels. sah, erkannte das Schreckliche dieser Zeichen und rief aus der Tieft seines Herzens die bedeutungsvollen Worte: Tem? pel, Tempel! wozu erst das Schreckliche Deiner Zeichen? wohl weiß ich es, daß Du der Zerstörung entgegengehst!!) Darum wiederholen sie oft mahnend: So Israel nach dem Willen Gottes handelt, geschieht es, daß die linke — etf gentlich strafende Hand Gottes, in eine rechte, die der Liebe sich verwandelt; doch so wir gegen den Willen des All? Vaters handeln, tritt das Entgegengesetzte ein. So lange sie den Willen Gottes übten, hieß es von ihnen: Siehe, er schläft und schlummert nicht, der Hüter Israels (Ps. 121.). — Der Ewige wird für Euch streiten (2 M. 14, 14.). — Doch anders lautete es über sie, wenn sie von ihm abfielen: Erwache, verlasse uns nicht auf immer (Ps. 44, 24.); und der Zorn des Ewigen entbrannte über Euch (5 M. 7, 4.); und er verwandelte sich ihnen zum Feind (Jesaia 63, 10.)2) Ausführlicher sind sie in ihren Lehren, wie das Unglück und die Leiden als Folgen des Bösen, so wir von denselben getroffen werden, keine Zeichen unserer Verwerfung von Gott, die auf unfern Untergang abzielen, sondern Beweise der Liebe sind, damit wir durch dieselben das Gute erkennen und zu ihm zurückkehren. Wem Gott wohl will, den sucht er durch Leiden heim, denn also heißt es: Der Ewige will die Zerknirschung des Kranken (Jesaia 53, 10./) Der Segen und der Fluch, so heißt es ferner, wurden deshalb Israel vorgelegt, um ihm anzuzeigen, welcher Weg gut ist, den er zu wählen hat/) Denn Du bist kein Gott, dem Frevel gefällt, bei Dir findet das Böse keine Stätte (Ps. 8, 8.) Da ist, so sprechen sie, die Lehre, daß Gott nicht die Schuld der Geschöpfe will, nach den Worten: So wahr ich lebe, spricht der Ewige, ob ich den Tod des Frevlers will, sondern nur, daß der Frevler von seinem Wandel zurückkehre und lebe (Jecheskel 18, 23./) Die Leiden find es daher nach dieser Lehre, die uns zur Erkenntniß des Guten bringen, und die Leiden vertilgen die Sünden des Menschen/) Die Leiden gehören nicht zu dem Bösen, sondern zu dem Guten, denn durch dieselben gelangen wir zu dem Leben im Jenseits/) Wer Schmerzen freudig empfängt, *) Joma. 2) Tanchuma zu 3) Berachoth 5. 4) Jalkut und Midr. rabb. zu rtfcn. 5) Tanchuma zu ^Tn. 6) Berachoth 5. 7) Midr. rabb. 1 M. Abschn. 3.

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