Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1858)
- Date
- 1858-12-13
- Page
- Seite 708 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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7«8 Gemeinde trachten möge, Herrn Dr. Goldenblum für diese Anstalt noch recht lange zu erhalten und der gute Erfolg wird nicht auöbleiben. Warschau, im November. Ein Warschauer Jude, Lcsser Levy, hat die Erlaubnis zur Erwerbung von Grundeigenthum unter der Bedingung erhalten, auf jedem angekauften Gute 25 jüdische Familien zum Ackerbau anzusiedeln. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Die Lehre vom Bösen und Guten nach dem Talmud und den Midraschim, von vr. I. Hamburger, Rabbiner. (Fortsetzung.) Wir halten jetzt bei der Behandlung der dritten Frage: Was jedes Einzelne, das Böse wie das Gute, aus uns macht? Auch in der Beantwortung dieser Frage sind es zwei Seiten, auf welche die Weisen ihre Aufmerksamkeit hinlenkten. Nach zwei Richtungen hin galt es zu belehren und zu überzeugen, wie das Gute in allen Erzeugnissen und Erscheinungen des Lebens nur auf die Begründung und Befestigung unsres Wohls abzielt und wie dagegen das Böse nur nach dessen Vernichtung und Zerstörung strebt — einerseits, und wie dennoch die Schöpfung des Bösen nur durch uns zu dieser unheilvollen Sendung bestimmt wird, wie diese aus der Hand des Allvaters nur zur Begründung des Guten hervorging und wie dieselbe auch von uns also angewendet werden kann — andererseits mit der richtigen Schlußfolgerung, daß das Böse mit allen seinen Folgen — Unglück, Leiden — Verfolgung — nicht da ist, um uns der völligen Vernichtung Preis zu geben oder gar als Beweis, daß Gott uns aus immer verworfen und verstoßen — zu gelten, sondern nur, damit wir aus unsrer Betäubung, Verblendung geweckt werden, uns ermannen, zur Erkenntniß des Guten gelangen und zu demselben wieder zurückkehren — das ist der Gegenstand, den fie uns hier durch di.e vielen Lehren, Sprüche und Gleichnisse recht lebhaft vorführen. Besonders unterwerfen fie das Letzte — die Darstellung, daß Leiden kein Zeichen der Verwerfung, sondern gerade das der Liebe find, ausführlichen Erörterungen in besonders hierzu abgehaltenen Gesprächen. Es galt dies hauptsächlich der Bekämpfung derjenigen Ansicht, die in allen Unglücksfällen, die Israel getroffen, den Beweis der göttlichen Verwerfung finden wollte. Es waren dies die in den ersten drei Jahrhunderten nach üblicher Zeitrechnung von vielen Seiten häufig erfolgten Angriffe auf das fernere Bestehen des Judenthums und seiner Anhänger —- wie von den Römern und Griechen, den Anhängern des Evangeliums und den Gnostikern — die sämmtlich zur Begründung ihrer Herrschaft ihre Lehren gegen das Judenthum negirend austreten lassen und in der Zerstörung des Leibes desselben, nämlich des jüdischen Staatslebens — auch die Zerstörung seines Geistes erblickten. Das sind inr Allgemeinen die zwei Abtheilungen ihrer Lehren und Sprüche hier, wo fie auf der einen Seite warnend, mahnend und strafend guftreten und auf der andern ermuthigend und tröstend sprachen. Immer lasse Deine linke Hand den Frevler zurückweisen, aber Deine Rechte vergesse nicht, ihn Dir wieder zu nähern.l) — Diese von dem Talmud oft gebrauchte Lehre kann hier als Grundanficht, worauf alle übrigen Belehrungen und Gespräche sich gründen, gelten. Wir beginnen mit der ersten Abtheilung, wo sie warnend Nachweisen, wie das Böse es ist, so wir demselben anhangen, das unser Größtes und Schönstes zerstört und nicht eher ruht, bis daß unser Lebenslicht erloschen ist. Die Sünde, so heißt es, verstockt unser Herz.2) Der Zornige, so sprechen fie ferner, erhält nichts zum Lohne als Jähzorn, während der Gute die Früchte seiner Handlungen genießt. 3) Der Neid, die Begierde und die Ehrsucht bringen den Menschen von der Welt.4) Es giebt keine Leiden ohne Sünde, keinen Tod ohne Fehl, denn also heißt es: Die Person, welche sündigt, muß sterben (Jecheskel 24.)3 Sabbat 55. Zn Folge sieben Sünden tritt der Aussatz ein: über Verleumdung, Mord, Unzucht, Stolz, Raub und Neid.5) Am Schluß der Woche heißt es: So wir am Eintritt des Sabbath festlich aus dem Gebethause unsere Wohnstätte wieder aufsuchen, sind es zwei Engel — der des Guten und der des Bösen — die uns begleiten. Treffen wir bei unserem Eintritt in das Zimmer Alles in Ordnung und Ruhe — so ist es der Engel des Guten, der da freudig ausruft: wollte Gott, es werde also auch am kommenden Sabbath! — und der Engel des Bösen muß daraus auch gegen seine böse Absicht das Amen sagengeschieht es jedoch', daß *) Sanhedrin. 2) Siehe: Sünde. 3) Kidduzchin 4L 4) Aboth. 5) Siche: Aussatz.