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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-12-13 · Heft 51 (13.12.1858) · p. Seite 707

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 51 (13.12.1858)
Date
1858-12-13
Page
Seite 707 (sequence 11)
Language
German
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707 auf hinzuweisen, daß in Frankreich selbst unsre erbittertsten Gegner die Juden nicht als eine „fremde Nationalität" ansehen und ausgeben, was die deutsche Preffe hingegen noch so oft vorzubringen beliebt. Man muß dies constatiren, denn das Ilnivers könnte bei Gelegenheit, wo diese Auffassung weniger vortheilhaft für dasselbe wäre, auch einmal das Gegentheil behaupten. Paris, 7. December. Das so eben empfangene Decemberheft der Archives isra61ites bringt am Schlüsse folgende Zeilen: „Im Augenblick, wo wir unser Blatt unter die Presse bringen, erfahren wir mit wahrhafter Befriedigung, die sicherlich von allen unfern Lesern getheilt wird, daß unser achtbarer gelehrter Freund Herr S. Munk so eben, heute am 3. December, zum Mitglied der Acad6mie des Inscriptions et Beiles-Lettres ernannt worden ist." Rußland. Aus Polen, im November. Aus Warschau bringt der „Czas" die Nachricht, daß, einem begründet scheinenden Gerüchte zufolge, der Kaiser die gegenwärtigen Magistrate und Municipalbehördcn in Polen aufgehoben und bestimmt habe, daß alle diese Beamten von den Gemeindemitgliedern mit Stimmenmehrheit und auf drei Jahre gewählt werden sollen. Man hofft, daß durch diese Maßregel der bisherigen Bedrückung der Einwohner in pecuniärer Hinsicht werde ein Ende gemacht werden. Wenn auch diese Nachricht die Juden nicht speciell berührt, so müssen doch auch wir diese Maßregel mit wahrhafter Freude begrüßen, da die Juden in Polen noch viel mehr von den gierigen und fast autokratisch regierenden Stadtbehörden gepeinigt werden, als selbst das härteste Gesetz beabsichtigt und gestattet. Durch eine aus freier Wahl der Bürger hervorgegangene Municipalität, deren Regiment noch dazu auf drei Jahre beschränkt ist, wird den zahllosen kleinen Tyrannen das Garaus gemacht. Odessa, im November. (Privatmitth. Verspätet.) Das rege Leben und die Rührigkeit unter den hiesigen Israeliten giebt sich den'Erleichterungen zufolge, die man jetzt schon merklich spürt, auch hier überall kund, und was Wohlthätigkeitssinn unter unseren Glaubensgenossen betrifft, so nimmt Odessa gewiß den ersten Rang unter den jüdischen Gemeinden Rußlands ein. Wir wollen hier, wenn auch etwas verspätet, über eine Wohlthätigkeit berichten, die sowohl die größte Anerkennung verdient, als auch der Nachahmung werth ist. Es war nämlich im Frühjahre vorigen Jahres, als Herr vr. Goldenblum aus Breslau das Directorat der hiesigen jüdischen Armenschule übernahm. Er machte gleich eine durch ihre Wohlthätigkeit bekannte Dame, Madame Plattler, darauf aufmerksam, wie es durchaus nicht genügt, armen Kindern nur freien Unterricht allein zu geben, da sie die gehörige Aufmerksamkeit beim Lernen mit leerem Magen nicht haben können und wie die mitleiderregenden bleichen Gesichter dieser Kinder auch den Lehrern den Muth benehmen, diese zum eifrigen Streben und zu anhaltendem Fleiße anzuregen, und wie es daher wünschenswerth wäre, wenn die hiesigen jüdischen Damen sich der Sache annähmen und durch monatliche Beiträge die armen Kinder dieser Schule mit Nahrung versähen. Madame Plattler erklärte sich nicht nur bereitwillig zu einem monatlichen Beitrage, sondern fühlte sich verpflichtet, auch noch andere Damen hierzu aufzufordern, und gleich fanden sich Mad. Trachlenberg und Mad. Michalowski dazu bereit und brachten im Verein mit Herrn vr. Goldenblum eine solche Summe Geldes zusammen, die sie in den Stand setzte, täglich 70 Kinder mit Suppe, Fleisch und Kartoffeln und Brot zu beköstigen. Ebengenannte Damen und Herr vr. Goldenblum sorgten für die Einrichtung und leiten sie auch bis zur Stunde noch in bester Ordnung. — Am 1. Juli d. I. fand die erste Jahresfeier dieser Stiftung statt. Nachdem die Vorsteher und die Mitglieder der Commission dieser Schule mit ihren Frauen durch eine besondere Einladung in dem mit Blumen und Kränzen geschmückten Saal erschienen und Platz genommen, sangen sämmtliche Schüler ein Gebet, hierauf sprach ein achtjähriger Knabe ein von Herrn vr. Goldenblum verfaßtes und den obengenannten Damen gewidmetes Gedicht in deutscher Sprache, bann folgte wiederum Gesang und Deklamation. So einfach diese Feierlichkeit war, blieb doch Keiner der Anwesenden ungerührt und kein Auge thränenleer; und nachdem den Kindern das Mittagsmahl mit einer der Feier entsprechenden besondern Regalirung verabreicht wurde, verließen sämmtliche Anwesenden mit den freudigsten Gefühlen und vollkommener Befriedigung diese Anstalt. Zu wünschen bleibt noch übrig, daß die Odeffaer 51 **

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