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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-12-13 · Heft 51 (13.12.1858) · p. Seite 705

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 51 (13.12.1858)
Date
1858-12-13
Page
Seite 705 (sequence 9)
Language
German
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705 vorragen, dennoch das Bestreben sich zu äußern begann, den Wochenmarkt auf den Sabbath zu verlegen I Unser Herr Rabbiner hielt daher an dem Sabbath vor der in diesem Monat stattgehabten Ergängänzungswahl von 6 neuen Stadtverordneten eine sehr eindringliche Predigt, in welcher er die diesmalige Theilnahme an der Wahl ganz besonders als eine heiße religiöse Pflicht ans Herz legte. Die Theilnahme entsprach der Vermahnung, und es wurden unter den 6 neuen Stadtverordneten 3 Juden gewählt, so daß unser gegenwärtiges Stadtverordneten-Collegium aus 6 Juden, 6 Katholiken und 6 Protestanten besteht; ein Verhältniß, das zwar numerisch richtig ist, indem hier jede der drei Confessionen eine ziemlich gleiche Kopfzahl bildet. Allein dem Gewicht nach könnten die Juden eine größere Zahl Vertreter beanspruchen, da sie am meisten steuern und in Folge dessen mehr Wähler haben. Eö wurde jedoch ein solches Übergewicht nicht angestrebt. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 2. December. (Privatmitth.) Wie vorauszusehen war, hat die erste Wahl für die ausschcidenden Mitglieder des Vorstandes zu keinem Resultate geführt. Von den 1200 berechtigten Wählern erschien kaum der vierte Theil.*) Hinter dem Ofen und im Kaffeehause ist das Schimpfen leicht, wo es sich aber handelt einen Stimmzettel auszufüllen und denselben abzugeben, überläßt man den Erfolg dem Zufall. Es wird also eine neue Wahl vorgenommen werden müssen, da die Zahl der Wähler nicht genügend war. Sehr zu bedauern ist jedoch der definitive Rücktritt deS Herrn Vertreters Sichrovsky von seinem Ehrenamte. Seit dem Jahre 1817, also seit 41 Jahren, steht derselbe im Dienste der Gemeinde und er hat die verschiedenen Ehrenämter, die er bekleidete, zur Ehre und zum Ruhme der Gemeinde geführt. So sehr wir die Gründe seines Rücktritts zu würdigen wissen (Herr Sichrovsky fühlt nämlich seine Gesundheit seit einiger *) Wie schmählich, wenn auch nicht neu, diese Gleichgültigkeit bei Dorstandswahlen ist, brauchen wir nicht auszuführen. Ms Gegenbild stellen wir auf, daß, als am 7. November c. in Straßburg einige Mitglieder des israelitischen Conststoriums zu wählen Ware», auf 4402 Stimmberechtigte 3589 Wähler sich einfanden und ihre Stimmzettel abgaben! Redaktion. Zeit angegriffen), so läßt sein Austritt aus dem Vorstande eine bedeutende Lücke zurück. Wien, 25. November. Die A. A. Z. schreibt: Einen erfrenlichen Beweis von dem trotz alles HetzenS höchst verträglichen Geiste, welcher zwischen den verschiedenen Religionsgenoffenschaften herrscht, liefert der Umstand, daß unter den zur Herstellung des evangelischen Friedhofs Beisteuernden sich sehr viele Katholiken und Israeliten befinden, obwohl die Sammlunlungen sich nur auf Familien evangelischen Bekenntnisses erstrecken. Italien. Magdeburg, im December. Ueber die Mortara- Angelegenheit schreibt die „A. A. Z." aus Rom vom 19. November: „Die letzte Nummer der Civiltä Cattolica bringt eine ausführlichere Zusammenstellung der Angelegenheit Mortaras. Dürste gleich diese Zeitschrift nicht immer in ihrer ganzen Peripherie als getreuer Ausdruck der Anschauung und des präcisen Wollens der höchsten Instanz anzusehen sein, so kann sie doch im vorliegenden Fall als Sprachorgau der Principien gelten, nach denen in dieser Angelegenheit gehandelt werden sollte. Es ist daher auch von keiner Staatsschrift mehr die Rede; man scheint erst die Wirkung abwarten zu wollen, welche die Auseinandersetzung der Civiltä Cattolica machen und nicht machen wird. Unterdessen wurden hier vorgestern sämmtliche christliche Dienstboten, die sich bei jüdischen Familien vorfandcn, auf Verordnung des GeneralvicariatS weggenommen, wobei es zwischen den Sbirren und ihrem Gegenpart hier und da zum Faustkampf gekommen sein soll. Daß christkatholische Gläubige bei Juden in Dienst stehen, verbietet hier das Gesetz; doch hatten in den letzten Jahren Connivenz und eine mildere PrariS das Gesetz bei Seite gelassen. Die Dienstbo:en erhielten ein geistliches Monitorium, mit der Androhung strengerer Bestrafung, falls sie wieder bei Israeliten einträten." — Diese Vertreibung der christlichen Dienstboten betraf besonders die Bevölkerung eines Städtchens, Capadocia, aus welchem seit langer Zeit die jungen Leute eS lieben, bei jüdischen Familien in Rom in Dienst zu treten, und die nun sämmtlich nach ihrer Heimath zurückgeschickt worden sind, wo sie zusehen können, wo sie einen Lebensunterhalt finden. So erweist sich auch 51 *

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