Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1858)
- Date
- 1858-12-13
- Page
- Seite 702 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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7V2 lischt» Mifsionsgesellschaft hat Ref. in der hiesigen Zeitung einen Aufruf an die israelitischen Lehrer deS hiesigen KreifeS erlassen, dahin zu wirken, daß gedachte Ausgaben in den Synagogen beim Gottesdienste nickt gebraucht werden. — In Bayern Unterliegt namentlich die Provinzialpresse betreffs der Mortara-Angelegenheit der Cenfurbefchränkung; so wurde daS „Dürkheimer Wochenblatt" wegen eines der hiesigen Zeitung entnommenen Artikels confiScirt und die betreffende Nummer zur gerichtlichen Verfolgung übergeben. — Am 16. d. M. beanspruchte Herr Goldsmitt, Q. C. (d. i. tzusen's Council) in London für den Advocateneid vor den Gerichten, der ebenfalls lautet: „Ich schwöre vn the true laith of a Christian etc." die Mödificirung dieses EideS nach der Eidesbill deS Parlaments. — In einem trefflich stylisirten Artikel auS Galizien wird im „Hamagid" über die Hochzeitsjubel berichtet, welche allenthalben ertönten, da man sich beeilte, vor dem 1. November, von wo ab der Bräutigam in spe wenigstens 22 Jahr alt sein muß, inS Eheparadies zu gelangen. Preußen. Paderborn, 24. November. (Privatmitth.) Es dürfte allen Menschenfreunden angenehm sein, zu erfahren, daß daS jüdische Waisenhaus zu Paderborn für die Provinz Westphalen in seiner regsten Entwickelung unter Gottes Beistand begriffen ist. Mit der Aufnahme zweier Waisenknaben begonnen, stellt sich die Zahl derselben bis heute auf sechs heraus. So klein daS Werk zur Ehre Gottes auch begonnen, so wird es seine Wirksamkeit nicht auf eine enge Grenze beschränken; denn nur waS in gemeinnütziger Weise Gott zu dienen geschieht, daS schlägt Wurzel und wächst als kräftiger Stamm für alle Zeiten heran. — Mit Freuden nahmen wir daher die Aufforderung der ehrwürdigen Herrn Rabbinen Bodenheim aus Crefeld und Cahn in Trier entgegen, daß die Rheinprovinz an unseren Bestrebungen sich betheiligen solle und daß unser Institut ein Vaterhaus den armen Waisen beider Provinzen werde. Der Vorstand des Waisenhauses thut die erforderlichen Schritte bei den höchsten Behörden, und so liegt diese folgereiche Angelegenheit in allen ihren Theilen den Beschlüssen deS Königlichen Oberpräsidio zu Eoblenz zur Genehmigung vor. Der Wunsch der ehrwürdigen Herren Rabbinen ist aber auch der der achtbaren Gemeinden der Hauptstädte der Rheinprovinz, denn überall, wo ich war, wurden mir freiwillige Beiträge und gab sich die Stimmung dahin kund, daß der Beitritt ein dem Bedürfnisse entsprechender und mit Freuden begrüßter sei. AuS dem Wunsche dieser Vereinigung spricht sich der Geist deS Wohlthuns gegen unsere verwahrlosten und elternlosen armen Waisen nur zu deutlich auS, hervorgerufen durch das Mitgefühl für die Verlassenheit der Kinder, welche in kleinen Städten und Dörfern ohne Anregung und Anleitung zum Guten einem unglücklichen Dasein anheimfallen und die unter GotteS fernerm Beistände, somit einer bessern Zukunft entgegengeführt werden sollen. Unfern Glaubensbrüdern beider Provinzen spreche ich meinen tiefgefühlten Dank aus für die Gaben, welche sie dem Institute zu Theil werden ließen. Mögen diese noch weiter einer Anstalt zu Gute kommen, welche sich die Aufgabe gemacht hat, verwahrlosten Waisen ein Elternhaus zu sein, worin sie zu nützlichen Menschen gebildet werden, also eine der heiligsten Pflichten unsrer Religion zu erfüllen sich bestrebt. Auch den edlen Männern und Frauen im Auslande, in Cassel, Frankfurt am Main, Darmstadt, Mannheim, Stuttgart, Hannover u. s. w., werde hierdurch mein öffentlicher Dank für die Gaben der Liebe und Güte; möge der Herr sie segnen und in ihnen daS Bestreben erhalten, dahin die Gaben der Liebe auch ferner zu senden, wo solche zu wohlthätigen Zwecken verwendet werden. Die Männer aber, welche von dem Gefühl durchdrungen sind, der guten Sache weiter zu nützen und zu dienen, mögen den Glauben festhallen, daß unsere Anstalt zum Segen der Menschheit und des Staates gereicht, unberechenbar in der Tragweite ihrer moralischen Folgen. Fanny Nathan. —. ES liegt uns ein gedruckter „erster Bericht" dieses Waisenhauses vor, der bereits ein Capital von circa 6060 Thlrn. und die Aufnahme von 6 Knaben nachweiset. Möge es noch ferner so gedeihen, und den unermüdlichen Anstrengungen der Stifterin so wie deS Curatoriums entsprechen! Berlin, 2. December. (Privatmitth.) Am 21 stell November starb hier der besonders durch seine treffliche Ausgabe des Pharchischen msi “nnos bekannte jüdische Gelehrte, Herr Hirsch Edelmann, «m Alter von 55 Jahren.