Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 51 (13.12.1858)
- Date
- 1858-12-13
- Page
- Seite 701 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7öi droffen wartet gleichviel der Begüterte oder Arme am Krankenlager des Glaubensgenossen, — oder bei Ster» befällen: mit gleicher Emsigkeit bestrebt sich der Reiche wie der Arme, dem Dahingeschiedenen die letzte uns gebotene Wohlthat zu erweisen, — oder bei Leichenbegängnissen : Keiner fehlt im wohlgeordneten Zuge, wenn ein Mitglied der Gemeinde nach seiner letzten Ruhestätte geleitet wird. Und wenn es heißt: einen Dürftigen oder besonders einen verschämten Armen unterstützen, wie gern und freudig steuert da ein Jeder sein Scherflein zur Linderung der Roth bei! — Der Rabbiner — Mitglied der Chebra — hält jeden Sabbath Nachmittags im Locale deS israelitischen Casinos einen religiösen Vortrag, dem jedes Mitglied der Chebra eifrig und mit Wohlgefallen zuhört. — Kürzlich wurde daS Stiftungsfest der Chebra in schöner Weise durch besondern Gottesdienst und durch ein gemeinschaftliches Festessen gefeiert; wie fröhlich saßen da in buntem Gemisch der Arme neben dem Reichen, als ob sie Brüder wären, frohgesinnt, einem Vereine anzugehören, dessen Zweck es ja ist und der uns in seinem Wirken ja immerfort zeigte daß wir Alle gleich sind und daß wir uns gegenseitig früher oder später, bedürfen. In diesem Sinne war auch der Kanzelvortrag in der zahlreich besuchten Syn-. agoge am Tage des Stiftungsfestes gehalten. Der Capitalfond der Chebra wurde in voriger Woche durch eine wohlthätige Handlung vergrößert. Es verstarb nämlich ein erst seit mehreren Jahren hier wohnendes Mitglied, Meier Goldschmidt früher wohnhaft in Grebenstein bei Cassel. Derselbe hatte sich durch seine Frömmigkeit und seinen tadellosen, gotteSfürchtigen Lebenswandel gar bald die Achtung aller Gemeindeglieder erworben und au seinem Begräbnißtage stellten seine beiden in Frankfurt am Main wohnenden Söhne, welche die Trauerzeit der rwaia hier verbrachten, der Chebra 100 Thaler als Legat zur Verfügung, wovon die Zinsen alljährlich den Armen zufallen sollen. Daß wir einen neuen jüdischen Todtenhof besitzen, in der Nähe der Stadt, anstatt des alten l'/r Stunden von hier entfernten, habe ich Ihnen bei Gelegenheit dessen feierlicher Einweihung berichtet. — Leider sind der frischen Grabeshügel auf diesem abw rvo schon viele! So erfreulich diese Mittheilungen über die religiösen Verhältnisse unsrer Gemeinde jedem frommen Israeliten sein müssen, eben so beruhigend sind auch deren industrielle und commercielle Zustände. Die meisten hiesigen Gemeindemitglieder sind wohlhabend, theilwcise reich; nur äußerst wenige nehmen Unterstützung an, wirklich Arme haben wir nicht. Die Geschäfte sind größtentheils blühend, alle Läden am Sabbath geschloffen. Neben großen Fabrikanten, welche entfernthin reisen lassen und welche viele Arbeiter beschäftigen, sind die Handwerker jüdischen Glaubens rührig und fleißig; manche hiesige Handlung genießt eines weitverbreiteten RufeS. — Dabei findet die größte Einigkeit unter allen Gemeindegliedern fortdauernd statt. Fern sind alle Gehässigkeiten oder Reibereien derselben. — Schließlich halte ich eS noch für paffend, auch dbS feit etwa 15 Jahren hier bestehenden jüdischen Casino- VereinS zu erwähnen, in welchem allabendlich Gelegenheit geboten wird, sich nach vollbrachten TageSmühen, fei eS am Spieltische oder im Lesezimmer, zuweilen auch die Jugend im Salon, zu zerstreuen; in wahrer altjüvischer Gemüthlichkeit findet daselbst die angenehmste Unterhaltung der stets zahlreich anwesenden Mitglieder statt. — Mögen diese Mittheilungen diejenige Aufnahme und Verbreitung in Ihrem geschätzten Blatte finden, wie sie solche verdienen und wünschen wir, daß recht oft ähnliche Schilderungen den Freund jüdischen Fortschritts erfreuen, besonders in einer Zeit, in der man leider so oft das Gegentheil von wahrhaft religiösem Leben wahrnehmen muß. I. I. P. Worms, 3. Dcccmber. lPrivatmitth.) Der Prediger der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr l)r. Lewpsohn, ist zum Rabbiner in Stockholm erwählt worden. Derselbe hat sich auch für seine „Zoologie deS Talmuds" der anerkennendsten Zuschriften aus dem Cabinet des Prinz-Regenten von Schweden, deS Königs von Sachsen, deS Großherzogs von Hessen und des Herzogs von Koburg zw erfreuen. Worms, 30. November. (Privatmitth.) Am 18ten d. M. Nachmittags, in derselben Stunde, in welcher vor einem Jahre die Schreckenskatastrophe in Mainz statlfand, hielt vr. Aub, Rabbiner daselbst, einen Dankgottesdienst in der dortigen Synagoge ab. — Mit Bezugnahme auf die in d. Bl. mitgecheilte tendenziöse Verfälschung in der Pentateuch-AuSgabe der eng-