Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 49 (29.11.1858)
- Date
- 1858-11-29
- Page
- Seite 680 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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680 in der Entwickelung eines Jeden besonders stark hervortrelenden Gegensätze deS Bösen und Guten, wie uns auf der einen Seite Alles in der schönsten Vollkommenheit, in Fülle und Reichthum begrüßt und andererseits wir nichts als Ohnmacht, Armuth und Elend erblicken; wie uns da Licht, Freiheit, Freude und Heiterkeit entgegentreten und dort nur Knechtschaft, Trauer und Finsterniß sich uns darstellen; kurz, wie da ein Wachsthum gesegnet emporsprießt, das uns Leben, Math und Begeisterung einflößt und dort Alles wüste und leer als Beweis eines Fluches zu uns nichts als von Tod und Verwesung spricht— diese ausfallenden Gegensätze, die man unter den Namen „Böses und Gutes" kennt, waren es, die die Menschen früh zum Nachdenken über die Ursache und den Ursprung dieser so schroff einander entgegengesetzt sich gestaltenden Erscheinungen anhielten. Hierzu trat noch der oft vorkommende Widerspruch im Leben, daß gerade das B öse die Gerechten und Frommen verfolgte und das Gute — in den Wohnungen der Frevler und Sünder sich aufhielt. Dieses in Verbindung mit dem Frühern brachte die Völker des Alterthumö auf die Idee, daß es mehrere, im Wollen und Vollbringen einander sich gegenüberstehende Gottheiten giebt, die stets im Kampfe unter sich leben und die Welt leiten. So waren es zunächst die Griechen und Römer, die über jedes Land und jede Gegend, jede Stadt und jedes Dorf, ja selbst über jedes Haus und jede Familie eine andere Gottheit gesetzt sich dachten, wo jede zum Schutze und Beistand der Ihrigen in einem fortwährenden Kampfe mit den andern sich befindet und nur, wenn sie unterliegt, kann Verderben über ihre Schützlinge eintreten. Die Perser nach der Lehre des Zoroaster glaubten an zwei von Anfang der Schöpfung gleichmäßig neben einander herrschende entgegengesetzte Mächte als Gottheiten, von denen die eine Ormuzd, der Herrscher des Lichtes und des Guten, und die andere Ahriman, der Herrscher der Finsterniß und des Bösen, genannt wurde. Auch das Judenthum konnte in Betreff obiger Erscheinungen nicht mit Stillschweigen verharren — die Geschicke wechselten zu oft, es hatte selbst manchen harten Wechsel erlebt, ertragen, und es mußte sich über die Ursache derselben, sv es den falschen Folgerungen der Feinde überhaupt * * *), die ein je¬ Bänden nicht höher als 5 Thaler zu stehen kommen wird. Anmeldungen können bei mir oder in jeder öffentlichen Buchhandlung, auch bei der Buchhandlung: Oskar Leiner in Leipzig, der die Commission des Werkes übernahm, erfolgen. Dr. H. *) Siehe weiter unten den Artikel: Abtrünnige. des Unglück als ein Zeichen der Verstoßung von Gott betrachteten, Vorbeugen wollte, aussprechen. Das Judenthum wurde gleichsam zu einer Erklärung herausgefordert, es gab dieselbe ab, aber im schroffen Gegensatz zu dem Heidenthum. Das Böse und Gute, so sprach es oft in seinen Lehren und Sprüchen aus, stehen in keiner unmittel-" baren Beziehung zu Gott, es sind blos mittelbare Aeußerungen seines Willens, die in Folge der Uebung der Tugend oder des Lasters eintreffen. Gott schuf die Wesen, die an und für sich weder absolut gut, oder absolut t öse genannt werden können. Sie werden erst je nach dem Gebrauch und der Anwendung von Seiten des Menschen entweder gut, wenn sie gut und richtig gebraucht werden, böse, wenn deren Anwendung schlecht und falsch war. Der Mensch selbst und nicht Gott ist die ursprüngliche Quelle des Bösen und Guten; so lautete die das Heidenlhum negirende Lehre des Judenthums. Von dem Augenblicke, so heißt es, da Gott auf Sinai die Worte aussprach: Siehe, ich lege Euch heute vor den Segen und den Fluch (5 M. 1l, 36.), — kommt aus dem Munde des Höchsten weder das Böse, noch das Gute (Klage!. 3.). Das Böse erfolgt von selbst als Folge der bösen Handlung, und das Gute von selbst über Die, welche das Gute üben. *) Die Liebe des Allvaters jedoch, so wird Diesem hinzugefügt, die das Wohl seiner Geschöpfe will, offenbarte dem Menschen auf Sinai Lehren und Gesetze, die uns den Weg zum Guten betreten lehren, aber die Befolgung derselben uns allein überlassen mit der Mahnung: wähle das Leben und das Gute (5 M. 30, 15.).2) Nicht allein, so heißt es wörtlich, daß ich ihnen zwei Wege vorlegte, zeigte ich mich gegen sie weit über die Grenzen der Billigkeit, ich sagte ihnen: wähle das Leben! 3) Wie sie diesen Satz bewiesen, diese Lehre besprachen, welche Folgerungen sie für das Leben daraus zogen — das soll jetzt der Gegenstand unsrer Betrachtung sein. Und so sind es fünf Fragen, die hier aufgeworfen und beantwortet werden. Diese sind: a) Was man unter „Böses und Gutes" versteht? 1i) Der Ursprung des Bösen und Guten, e) Was das Böse aus uns macht? ll) Wie dasselbe bekämpft w erden soll? e) Welche Schlußbetrachtungen sich uns aus diesem ergeben? Wir beginnen mit der Beantwortung der ersten Frage: Was man unter „Böses und Gutes" *) Midr. rabb. und Tanchuma zu: ft&n. 2) Ibid. 3) Ibid.