Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 49 (29.11.1858)
- Date
- 1858-11-29
- Page
- Seite 679 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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679 Poris, 18. November. Die „A. A. Z." von heute schreibt: „Der Univers ist über die Zulassung der Juden in die Generalräthe Algeriens in wahrer Verzweiflung.— Die Union ereifert sich über die neueste kaiserliche Verordnung, wonach auch Juden in die Generalräthe Algeriens gewählt werden können." — W i r haben weder Etwas gegen die „Verzweiflung" des Univers, noch gegen die „Ereiferung" der Union. Die„Vvff. Ztg." giebt etwas Näheres über den Artikel des Univers, nämlich Folgendes: „Das Univers erhebt stch mit vieler Energie gegen die Stelle des Berichtes, wo gesägt ist, daß „die Gleichheit der verschiedenen Glaubensbekenntnisse vor den französischen Gesetzen unbedingt und vollständig ist." DaS Univers erklärt dieses für falsch. Ihm zufolge sind die verschiedenen Religionen nach dem französischen Gesetze frei oder vielmehr anerkannt und die Individuen gleich. Die verschiedenen Glaubens- . bensbekenntnisse sind, wie es behauptet, aber weder frei, noch anerkami t, noch gleich. Es führt die Worte des Kaisers Napoleon in RenneS an, worin derselbe sagte, „Frankreich wolle eine Regierung, die laut erkläre, sie beschütze die katholische Religion, indem sie die Freiheit der übrigen anerkenne." Die Religionsfreiheit sei aber, wie das vnivers weiter sagt, sehr verschieden von der absoluten Gleichheit aller Glaubensbekenntnisse. Eine Regierung, die diese letztere proclamire, kündige einfach die HerrschaftdeS Atheismus an. Frankreich, sei es aber keineswegs gleichgültig, 0 b cseine christliche, jüdische, mohamedanische oder mormonifche Regierung habe. ES habe Louis Philippe nichts genützt, daß er sich den letzten Voltairianer genannt habe und die Frau seines Erben eine Protestantin gewesen sei. „WeUn — meint eS — „die Herrscher nicht wissen, wo Gott ist, wo sollen ihn dann die Völker suchen? " Dieser Artikel, der, wenn auch auf sehr versteckte Weise, dm Prinzen Napoleon, der den Bericht abfaßte, und den Kaiser, der ihn guthieß, tadelt, hat in den officiellen Kreisen und besonders im Palais Royal große Sensation gemacht. Was besonders auffiel, ist wieder die drohende Sprache des Univers, das schon mehrere Male zu verstehen gab, daß der Kaiser die Protection der römischen Geistlichkeit und ihrer Partei verlieren wird, wenn er fortfährt, dem Werke derBekehrung Frankreichs, daS 1851 begann, Schwierigkeiten entgegen zu setzen." — Der Univers mag aber noch so fein unterscheiden. Nach dem Gesetz wird der ganze israelitische Cultus, seine Synagogen, seine Geistlichen, seine Vorbeter und Lehrer vom Staat erhalten, und unter der Regierung deS Kaisers Louis Napoleon selbst ist das Budget deS israelitischen Cultus bereits von 180,000 zu250,000 Frcs. gestiegen. Vor diesem Factum fallen alle Sophismen zu-- sammen. Rußland. Wilua, im Oktober. (Schles. Ztg.) Unter den zahlreichen Beweisen von der toleranten und milden Gesinnung des Kaisers ist offenbar einer der schönsten der Besuch, welchen er auf seiner letzten Reise der Rabbinerschule in Wilna abstattete. Die Schüler wurden in ihren einzelnen Classen versammelt, die der Kaiser durchging, um sich von den Leistungen der Zöglinge zu überzeugen. Einen derselben, der ein Gedicht in deutscher Sprache aus Anlaß des feierlichen Ereignisses verfaßt hatte, rief der Kaiserzusichund belobte und ermunterte ihn; dannsprach er seine Zufriedenheit mit den Leistungen und der Ordnung der Schule auS und bemerkte endlich zu dem Inspektor, den jüdischen Lehrern und mehreren andern angesehenen Juden, welche sich hier versammelt hatten: „DieS sind Eure Kinder; liebet sie; sie werden Euch und dem Kaiser nützlich sein." AlS der Jnspector der Schule dem Kaiser berichtete, daß die Erbauung eines neuen SchulhauseS beabsichtigt sei und daß der General-Gouverneur Nasimoff den Wünschen deS Schulvorstandes sehr freundlich entgegengekommen sei, wandte sich der Kaiser zu dem General, dankte ihm und sagte: „Es wäre sehr zu wünschen, daß die verschiedenen Behörden immer so Hand in Hand miteinander gingen. Dann könnte vieles Schöne gethan werden." Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Die Lehre vom Bösen und Guten nach dem Talmud und den Midraschim, von vr. I. Hamburger, Rabbiner.*) Böses und Gutes, Die in der Natuc der Gegenstände im Allgemeinen, wie in der Schöpfung und Gestaltung der Wesen im Einzelnen; die in der Geschichte der Menschheit im Ganzen, als auch die *) Diese Abhandlung bildet einen Artikel des Werkes: rman«, real-eneyclopädisches Wörterbuch der Hagada, das jetzt als Fortsetzung des „Geist der Hagada" in fünf Lieferungen ü 15 Bogen gr. 8. für den Preis von einem Thaler erscheint, so daß das ganze Werk ans drei 49 **