Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 49 (29.11.1858)
- Date
- 1858-11-29
- Page
- Seite 681 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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881 versteht? Wie das Judenthum in seiner bereits erwähnten Auffassung der Erscheinungen des Bösen und Guten im Allgemeinen im Gegensätze zum Heidenthume sich ausspricht, daß dieselbe in keiner unmittelbaren Beziehung zu Gott stehen, sondern nur als Folgen unsrer Tugenden und Laster eintreten, also eigenthümlich treffen wir es in der Erklärung, was man unter „Böses und Gutes" zu verstehen hat. Nicht die Gegenstände, wie sie scheinen und in dem ersten Augenblicke ihres Auftretens sich uns ankündigen, sondern was sie in der Folge werden, wozu sie sich entwickeln — ist nach ihm der richtigste Führer, dem wir uns bei der Beurtheilung des Bösen und Guten anzuvertrauen haben. Es giebt Gegenstände, die bei ihrer ersten Erscheinung sehr angenehm auf uns wirken und nach kurzer Zeit sich sehr böse gestalten, und eben so entgegengesetzt treffen wir Vieles, das uns erst bitter berührt und später als das Beste und Schönste sich bewährt. Böse ist daher nur Das, was auch in der Folge böse bleibt — und gut Das, was sich auch später als gut bewährt. Die Sünde, so heißt es, ist bei ihrem Auftreten süß, aber an deren Ende schmeckt sie bitter. *) Der Weg der Tugend erscheint dem Menschen erst voller Dornen, aber zuletzt wird er eben und gerade, dagegen treffen wir die Bahn zur Sünde am Anfänge geebnet und schön, aber am Ende voller Dornen und Disteln.^) Das Leben der Frevler hat erst die Ruhe und die Freudigkeiten, aber zuletzt die Leiden und Zerstörungen; das Entgegengesetzte sehen wir bei dem Gerechten.3) Eben so sprechen sie sich über die Zeichen aus, an denen wir das Böse zu erkennen haben. Die Verwundung ist die Ursache unsrer Genesung.*) Gott, womit er schlägt, damit heilt e*.5) Die Leiden sind geschaffen, damit wir durch diese zur Erkenntniß Gottes gelangen. Warum find die Augen Isaaks im Alter dunkel geworden? damit Jakob kommen und den Segen nehmen konnte — lautet deren Lehre.7) Die Stämme waren mit dem Verkauf Josephs beschäftigt, Jakob und Rüben hüllten sich über dieses Ereigniß in Säcke, aber Gott schuf dadurch den Befreier!^ Eben so sprechen sie, daß der Engel, der *)'Tanchuma zu: rwr Siehe: Sünde. 2) Ibid. 3) Siehe: Frevler. *) Midr. rabb. 2 M. Abschn. 20—23. 5) Pesachius 68. ß) Berachoth. Siehe: Leiden. 7) Siehe: Isaak. *) Midr. rabb. zu: nun. Bileam auf seiner Reise, Israel zu verfluchen — hindernd in den Weg trat — ein Engel der Barmherzigkeit gewesen, weil er ihn von den Strafen des Frevels retten wollte (Midr. rabb. zu: Balak). Demnach behaupten sie, daß jede in der Schöpfung sich uns darstellende Erscheinung des Bösen nicht also ist, sobald wir auf deren Folgen sehen. Der Tod, die Leiden, die Begierde zum Bösen, die Strafe, die Hölle u. s. w. sind nach ihnen eben so gut und dem Ganzen nothwendig, wie die ihnen entgegengesetzten Schöpfungen.. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Zu Ostern kommenden Jahres ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters an der hiesigen jüdischen Gemeinde zu besetzen. Die Stelle bringt bei freier Wohnung und Heizung ein Fixum von 200 Thlrn. Crt., außer dem Ertrage der Schechita, und bietet Gelegenheit zu Nebenverdiensten durch Privatunterricht. Q-uallstcirte Bewerber wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse und eines kurzen eurneulum vita6 in portofreien Briefen wenden an die Aeltesten und Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Fürstenberg in Mecklenburg. Für die Wiederbesetzung der in nächster Zeit zur Erledigung kommenden, mit gutem Einkommen verbundenen Stelle eines Religionslehrers für die schulpflichtige Jugend der hiesigen israelitischen Gemeinde wie der zu Godesberg sieht entsprechenden Anmeldungen baldmöglichst entgegen Der Ober-Rabbiner Auerbach. Bonn, im October 1858. An unserer Gemeindeschule ist die Stelle des ersten Religions - und Elementarlehrers mit einem jährlichen Gehalte von 300 Thlrn. erledigt und Ostern 1859 wieder zu besetzen. Unverheirarhete Lehrer, welche regelmäßige classische Studien gemacht, Zeugnisse über ihre Fähigkeiten von einer Universität oder einem.Lehrer-Seminar aufzuweisen haben und auf diese Stelle reflectiren, wollen sich bis Ende December d. I. unter Beibringung ihrer Zeugnisse an den Herrn Oberrabbiner Lr W. Landau wenden. Dresden, den 24. November 1858. Der Gemeinderath der israelitischen Religions - Gemeinde.