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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-11-29 · Heft 49 (29.11.1858) · p. Seite 678

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 49 (29.11.1858)
Date
1858-11-29
Page
Seite 678 (sequence 10)
Language
German
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678 Frau Hirsche! (Szavardi), sind wenigstens an Juden verheirathet. DaS jüdische Element wird daher auch in den höheren Kreisen der Gesellschaft in Frankreich rasch durch Vermischung mit den Franzosen verschwinden. Nur in den deutschen Provinzen, wo, wie im Elsaß, die Juden meist ganz abgeschlossen und vereint leben, dürften sie sich ihrer Nationalität und Religion nach alS selbstständiges Ganzes erhalten. Die „Revue des deux Mondes“ brachte noch vor ein Paar Monaten sehr interessante Skizzen eines jüdischen Mitarbeiters über das Leben in diesen Dörfern, deren Bewohner übrigens wie überall nicht vom Ackerbau oder der Industrie, sondern nur oder doch überwiegend vom Handel leben. Man findet Juden, außer unter den Banquiers und sonstigen Kaufleuten, besonders zahlreich unter den Aerzten und Advocaten, wo sie mit unter den bedeutendsten Namen zählen, und in der Armee und in der Flotte fehlen sie gänzlich; unter den freiwillig Eintretenden und den Capitulanten sind wenigstens seit vielen Jahren ungetaufte Juden nie genannt. Der Code Napoleon macht durchaus keinen Unterschied zwischen den eigentlichen Franzosen und den in Frankreich lebenden Juden, und in der Gesellschaft wird man selten hören, daß auf die nationale Abstammung irgend ein Gewicht gelegt wird. Daß Kinder aus gemischter Ehe, die gestattet ist, in kirchlicher Beziehung zum Judenlhum sich bekennen, ist sicher eine überaus seltene Ausnahme. Der neueste Erlaß in Algerien hat nur durch die eigenthümliche Stellung besondere Bedeutung, welche die dortigen Juden zur einheimischen Bevölkerung haben. Unzweifelhaft sind sie, wenn auch nicht das gebildetste, doch das bildungsfähigere Element und den Arabern weit vorzuziehen. Sie werden daher alle Posten der Verwaltung einnehmen können, welche man nicht mit Franzosen besetzen will, vorausgesetzt, daß man nicht bei den Generalräthen stehen bleibt. —" DieS ist einer der Artikel, welche die „AugSburgerin" bisweilen bringt, um an den Glanz der alten Zeiten zu erinnern, wo ihre perfide Gesinnung sich noch in Grazie und Feinheit der Satyre zu kleiden verstand. Vergangene Zeiten, die nicht wiederkehren I Diese Versuche gleichen aufs Haar den Bemühungen einer verdlüheten Kokette, durch Schönpflästerchen, Schminke, lispelnde Sprache und hüpfenden Gang die verlorene Jugend zurückzurufen. Es wäre doch gar zu plump, von der „Herrschaft der Juden in Frankreich" zu sprechen, und wäre am Ende zu ehrenvoll für die „Mauschels", oder „vom revolutionären Joch der Juden", wie das Univers. Dafür zeigt man, wie die ganze französische Gesellschaft, namentlich die höheren Kreise von der Gemeinschaft der Juden burchtränkl sind, tröstet stch zwar, daß in dieser Vermischung das jüdische Element verschwinde, weist aber mit Stolz darauf hin, daß solches in Deutschland nicht geschieht, weil da die Verschiedenheit der Nationalitäten trennend dazwischentritl. Dies soll zugleich eine feine Andeutung sein, daß die französische und jüdische Nationalität sich sehr nahe stehen, so daß sie sich leicht assimiliren. Rur schade, daß man in Deutschland dieselbe Trennung zwischen Katholiken und Protestanten findet, wo also doch „der Glaube" ein spaltendes Moment ist, daß man in Deutschland „adlig" und „bürgerlich" eben so getrennt sieht — oder behauptet die „A. A. Z.", daß dies auch verschiedene Nationalitäten sind? — daß in Deutschland der Fabrikant nicht mit dem Handwerker, der Kaufmann nicht mit dem Krämer' umgeht, und was Alles noch den Deutschen antreibt, seine Gesellschaft nach Glauben, Stand, Vermögen rc. rc. abzuzirkeln! — Die alte Dame kann aber ihre Runzeln nicht verdecken; sie kommen überall zuTage; die Natur dringt immer durch, und wenn „sie mit der Gabel ausgetrieben wird"! Sie kann eS nicht lassen, den berühmten Componisten ihre jüdischen Namen anzuhängen; sie muß sich auch der Armee in die Arme werfen — aber mit Unrecht, liebe Dame! Lügen Sie nicht! Die große Zahl und die Tapferkeit der Soldaten jüdischer Confession in der Krimmarmee ist anerkannt, und eingeständlich haben diese eine unverhältnißmäßig große Zahl der „Kreuze" der Ehrenlegion sich erworben! Ist doch der ehrwürdige Greis, der an der Spitze des israelitischen CentralconsistoriumS steht, ein Oberst, der tapfere Oberst Cerfbeer! Wie hinkend ist eS, daß sie Börne und Heine zu den französischen Schriftstellern rechnet! Eine gerechte Strafe für Heine, daß er so lange der „A. A." seine stachliche Feder lieh. Und warum vergißt die „A. A." des Instituts, an welchem Prof. Adolphe Franck (die „A. A." würde in Parenthese dazusetzen „Abraham") «ine so ehrenvolle Stelle einnimmt?— Doch genug. Mag die „A. A." noch recht oft Gelegenheit haben, ihre Galle über uns um der großen Siege willen, welche die Sache der Gewissensfreiheit und der Menschenachtung erkämpft, aus« zugießen!

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