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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-11-29 · Heft 49 (29.11.1858) · p. Seite 677

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 49 (29.11.1858)
Date
1858-11-29
Page
Seite 677 (sequence 9)
Language
German
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677 der achtungswürdigsten Mitglieder der dortigen israelitischen Gemeinde, beging den 6. d. M. — am Sabbath „Toldvth" — das Fest seines neunzigsten Geburtstages, woran sich nicht nur seine zahlreichen Angehörigen, sondern auch viele Fernstehende mit großer Wärme betheiligten. Nach dem Morgengottesdienste in der Synagoge, — bei welchem sämmtliche zur Thora Aufgerufenen dem Jubelgreise zu Ehren reiche Spenden angelobt hatten, — ward dieser Seitens des GemeindevorstandeS in seiner Behausung besucht und Namens der Gemeinde aufS Herzlichste beglückwünscht. Nachmittags fand eine besondere Feierlichkeit statt, bei welcher Herr Prediger l)r. Frankel auö Rybnik, ein Enkel des Jubelgreises, als Redner fungirte. DaS darauf folgende Festmahl würzten geistreiche Toaste, unter denen sich der deS OrtSrabbinerS Herrn Löwy ganz besonders auszeichnete. Der gefeierte Greis, ein noch ganz rüstiger und thatkräftiger Mann, soll über 80 Enkel und gegen 40 Urenkel haben. — Frankreich. Paris, im November. Die hiesigen Blätter enthalten Folgendes: Von den drei Hauptangeklagten im Pechard'schen Proceffe in Caen wurde Gugenheim zu lebenslänglicher, dessen Concubine zu zeitweiliger Zwangsarbeit verurtheilt. Die Kinder, die Gugenheim mit dieser Concubine hatte, wurden dem Präfecten des Calvados übergeben, der sie im städtischen Waisenhause unterbrachte. Hier wurden die Kinder (Gugenheim ist Jude) bald daraus getauft und zum christlichen Religionsunterrichte gezogen. Jetzt hat sie der Großrabbiner in Paris, Herr Isidore, vom Präfecten zurückgefordrrt, um sie in einer israelitischen Anstalt erziehen zu lassen. Der Präfect hat deshalb bei dem Ministerium angefragt, und die Regierung hat besohlen, die Kinder, weil von jüdischen Eltern herftammend, dem Großrabbiner, als dem geistlichen Chef der Religion ihrer Eltern, auszuliefern. — Man kann sich denken, wie das Univers darüber wüthet, und den Himmel einstürzen sieht, daß Das, waS in Bologna gilt, in Frankreich von Gesetz und Recht zurückgewiesen wird. Das Univers hatte so eben geltend gemacht, daß ihre Diskussionen einigen guten Samen ausgestreut hätten. Man sieht, eS hat Recht gehabt, nur daß der gute Same nicht in seinem Sinne zu verstehen ist. Paris, im November. Wir brauchen nicht erst bemerklich zu machen, wie ärgerlich den judenfeindlichen Blättern der Bericht und das Dekret sind, die betreffs Algeriens so eben ergangen, wie unerwartet sie ihnen gekommen, und welche unbehagliche Stimmung sie ihnen veranlaßt haben. Sic sind eine beredte Antwort auf die stumme Frage, welche an das französische Gouvernement in den letzten Vorgängen lag, eine Antwort, die von der Seine bis zur Tiber reicht. Allein auch über den Rhein. Da diese Leute aber gern daS letzte Wort behalten, so wird es nicht verwundern, wenn die „Augsburger Allgemeine Zeitung" daS Geschehene auch durch folgenden Artikel zu paralysiren versucht. „Wir haben bereits im Neuesten der Beilage den Bericht des Prinzen Napoleon über die Ernennung der Juden in die Generalräthe Algeriens und das betreffende kaiserliche Dekret seinem Wortlaut nach angeführt. ES ist nach der Zulassung der Juden ins englische Parlament der bedeutungsvollste Schritt zur Emancipation derselben. Die Kluft, welche die Juden von der übrigen Bevölkerung trennt, ist nirgends so gering als in Frankreich; Juden und Franzosen stehen sich weit näher, als Juden und Engländer, oder Juden und Deutsche. Da zwar nicht dem Gesetz nach, aber in der Gesellschaft und den faktischen Verhältnissen gemäß, die Spaltung in der verschiedenen Nationalität und nicht in dem verschiedenen Glauben liegt, so erklärt das, warum in Frankreich, ohne daß irgend daran Anstoß genommen wird, Juden die höchsten Stellen deS Staats einnehmen; Achille Fould ist bekanntlich keineswegs der erste jüdische Minister Frankreichs, sondern das war Michel Goudchaur, der erste Finanzminister der französischen Republik von 1848. Drouyn de Lhuys, der Diplomat, in welchen der Kaiser Louis Napoleon das größte Vertrauen gesetzt haben soll, ist jüdischer Abstammung. Die ganze iwute üosnce: Rothschild, Pereire, Mires, Prost, Oppenheim, Golvschmidt u. s. w., sind Juden. Unter den beliebtesten Componisten Frankreichs sind drei Juden: Giacomo Meyerbeer (Meyer Liebmann Beer), Leon Halevy (Fromental Heyman Levi) und Ferdinand Hiller. Nicht minder zahlreich ist die Zahl der jüdischen Schriftsteller in Frankreich, wie Leo Gozlan rc., von Börne (Baruch) und Heine nicht zu reden. Rachel Felir glänzte als die erste tragische Künstlerin Frankreichs, und eine Menge andere berühmte Künstlerinnen, wie Wilhelmine Claus, jetzt 49

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