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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-11-29 · Heft 49 (29.11.1858) · p. Seite 672

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 49 (29.11.1858)
Date
1858-11-29
Page
Seite 672 (sequence 4)
Language
German
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672 hendes besonders empfehlen wollen) verdrängen sollte; aber es soll eine bedeutende Lücke in den jüdischen Schulen und Häusern ausfüllen, nämlich das Bekanntwerden mit jenem vielseitigen, bis in die neueste Zeit hineinreichenden geschichtlichen und ethischen Stoffe, der dem Zudenthume wesentlich angehört und der in diesem Buche mit durchdachter Sichtung und in reichlich schönen Darstellungen und dichterischen Formen gesammelt ist. — Der Autor hat das Horazische: Ornne tulit punctum, qui miscuit utile dulci (Der hat jeden Punkt erreicht, wer das Nützliche mit dem Angenehmen mischt), wohl erwogen, und indem er belehrt, ergötzt er auch. In neun Abschnitten enthält das Buch meist Belehrendes und viel Geschichtliches aus dem Zudenthume und für dessen Bekenner, und inmitten der historischen Stücke sind poetische, darauf bezügliche Arbeiten (vom Herausgeber und Anderen) schön durchstochten. Die Auswahl des Stoffes darf größtentheils eine gelungene genannt werden. Den Darstellungen aus dem „Leben der Patriarchen" von H. Sommerfeld (im Isten Abschnitte) folgen (im 2ten) Erzählungen aus der früheren Geschichte der Juden in gebundener und ungebundener Rede. Aus dem 3ten Abschn. (Belehrendes) sprach uns insbesondere „Des Arbeiters Sabbath" und „Die Juweleninsel" von Miß Charlotte Montefiore an. Der 4te Abschnitt bespricht die heiligen Zeiten in schöner dichterischer Bearbeitung von Stern, Steinheim, Stein, Ludw. Liber u. A.; einer reichen Auswahl von Gnomen und Sprüchwörtern (5ter Abschn.) und interessanten Erzählungen aus Talmud und Midrasch (6ter Abschnitt) folgen (im 7ten) Parabeln, Legenden und Sagen, Mährchen und Fabeln von neuen Bearbeitern (wobei sich nur die Legende: „Die Verkündigung, eine biblische Idylle", unter die Fabeln verirrt hat). Der 8te Abschnitt giebt in reicher und schöner Auswahl Lyrisches und Episches und poetische Erzählungen von der leider zu früh verstorbenen geist- und gemüthvollen, für Juden und Judenthum begeisterten Dichterin Henriette Ottenheim er*), Philippson, Tendlau, Ludw. Liber, Leop. Stein, Meisel, Stein- Heim (aus den gluthvollen Gesängen aus der Verbannung), Sachs (Stimmen vom Jordan und Euphrat) u. A.; es ist dieser Abschnitt einer der ansprechendsten. Das Werk schließt (im 9ten Abschnitt) mit biographischen Skizzen (Philo, Josephus, Jbn Esra, Maimonides, Abarbanel, *) Der „Kettenschmied" von Henriette Ottenheimer ist ein wahrer Perlenschmuck, woraus das edelste Mitgefühl für das ihren israelitischen Mitbrüdern geschehene Unrecht in gluthvollen Worten hervorleuchtet. Corresp. Menaffe ben Israel, Sabbathai Zwi, Moses Mendelssohn).» So bietet das Buch in seinem mannigfachen Inhalte, der aber vorzüglich den israelitischen Leser im Auge hat, einen sehr reichen Stoff zur Belehrung und Unter- Haltung. Eines nur vermißten wir ungern in diesem schönen Buche. Wir hätten gern in einem Buche, das von Israeliten für Israeliten bestimmt ist, nicht blos über, sondern auch von unserem Moses Mendelssohn gelesen, und dazu hätten sich in diesem Buche wohl am besten die Charakterzüge deffelben geeignet, die uns in der Zeitschrift: „Jedidjah" von Dr. Heinemann aufbewahrt sind und woraus Manches zu entnehmen war. — Kleine Jrrthümer, die sich noch hier und da einschlichen, berühren wir hier vorübergehend; so S. 349. wird das Werk Jbn Esras: „Sepher Haschem" als handschriftlich aufgeführt, während es schon 1834 von Dr. Lippmann mit einer deutschen Einleitung und einem hebräischen Commentar erschien; S. 350. heißt es von Maimonides, er sei nach seiner eigenen Angabe etwa im Jahre 1136 der gew. Zeitr. geboren; nach Zunz' Ermittelung (in Aschers Benjamin von Tudela II. 254.) ist Maimonides am 30. März 1135 zu Corvova geboren und am 13. December 1204 in Cairo gestorben. — Wir wünschen dem Buche des Herrn Dr. Jacobsohn eine recht weite Verbreitung und die Aufnahme in den israelitischen Häusern und Schulen, wie es sie in vollem Maße verdient.*) - Dr. I. Klein. Lemberg, im November. In Wien erscheint in der Druckerei des Adalbert Della Torre eine Pentateuchausgabe in Quart mit den 3 Targumim, Raschi, Jbn Esra, Nachmani, Raschbam, Sizorno und einem Commentar zum Jbn Esra von dem Rabbinatscandidaten (zugleich auch Cor- *) Wir müssen hier ein kleines Quiproquo erwähnen, das schon dem Herrn Dr. Jolowicz begegnet ist, und nun auch von Herrn Dr. Jacobson wiederholt worden. In der A. Z. d. I. stand eine Reihe von Legenden: „Der Stab aus dem Paradiese", aber ohne Schluß. Obgleich wir nun schon öfter erklärt haben, daß Alles in der A. Z. d. I., was keine besondere Unterschrift oder einen Ortsnamen trägt, von uns herrührt, schrieb Herr Dr. Jolowicz obige Legenden einem „Ungenannten" zu, und ließ sie in seinen „Harfenklängen" mit dieser Unterschrift abdrucken, indem er selbst einen kurzen Schluß hinzufügte. Vor diesen war aber bereits unser Saron erste Auflage erschienen, wo Bd. 2. S. 54. diese Legenden, und zwar mit einem längern Schluß von uns ihren Platz fanden. Dr. Jolowicz aber kannte dieses Werk nicht. Dr. Jacobson hat nun jenes in seinen Rimmonim S. 240. wiederholt. Die Redaktion.

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