Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 47 (15.11.1858)
- Date
- 1858-11-15
- Page
- Seite 646 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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64« machen, und das Verfolgung und Unterdrückung gebiete; so richtet man sein Wort an die große Menge der Unklaren, welche sich von den betäubenden Reden der Fluchprediger schrecken und blenden lassen, aber doch bald wieder geneigt sind, Verstand und Herz sprechen zu lassen. Verkriechen sich nun diese Herren der Lästerung GotteS und ihrer Nebenmenschen in ihre eigenen kleinen Blättchen, welche sie zumeist für sich selbst nur schreiben, wie Herr Mallet in seine „Bremer Post", so ist eS allerdings daS Gescheiteste, ihre Erwiderung mit Stillschweigen zu übergehen, da man mit jeder Gegenrede nur ihren Wünschen nachkäme, nämlich von sich sprechen zu machen und ihren Schmähreden eine größere Verbreitung zu geben. In der Thal sehen auch die Auslassungen dieser Menschen einander wie ein Ei dem anderen gleich. Herr Mallet sagt, nicht er habe geflucht, sondern „das Wort Gottes" — nun, wir überlassen ihm einen solchen „Gott" und ein solches „Wort Gottes" und machen durchaus keinen Anspruch darauf. Eben so leicht könnte man mit Wahnsinnigen streiten, und sie zur Vernunft zurückbringen wollen. Nur das Eine wollen wir hier hervorheben. Herr Mallet sagt, wenn jetzt die Juden geduldet werden, und einige Ruhe haben, so werde das nicht lange währen, sondern Verfolgung und Druck nur um so ärger wieder beginnen. Da sieht die Christenheit, was diese Menschen für Meinung von ihr haben! Sie glauben, die Christen werden recht bald wieder nach dem Blute Unschuldiger lechzen, und Vertheidigungslose plündern und knechten. Nimmermehr. Sie hoffen, es werden bald wieder Zeiten kommen, wo das Gesetz ohne Macht, daS Recht ohne Nachdruck sein werde! Nimmermehr. Und wenn hundert Mallets fluchen — diese Zeiten kehren nicht wieder! Das Judenthum sagt: es werden Zeiten kommen, wo die Erkennlniß allgemein, und die Gerechtigkeit allgemein, und die Liebe allgemein, und der Friede allgemein — wohl, so setzet Eure Glaubensmeinung nur immerhin dem Judenthume gegenüber: w i r glauben dem Judenthume, weil eS Gottes und der Menschheit würdig! R. Aus Bayern, im October. (Pcivatmitth.) Eine Sammlung, welche bei den israelitischen Bürgern in München zur Feier 700jährigen Jubiläums dieser Stadl für das neue Versorgungshaus am Kreuz stattfand, hat 1203 Fl. 12 chr. ergeben, für deren Ueberiendung an den Magistrat in der Sitzung desselben vom 19. October Dank und Anerkennung dieses schönen Wohlthätigkeitssinnes ausgesprochen wurde. Bei Gelegenheit der Besprechung des Jubiläums schreibt der Münchener Punsch: Wie bedeutend der Aufschwung Münchens im Jahre 1400 gewesen sein muß, geht aus dem Umstande hervor, daß damals schon Juden in seinen Mauern wohnten. Zwar war den Badern verboten, einen Juden in ihrem Hause baden zu lassen, dafür hatten aber die Juden mit den Badern daS Recht, zu schröpfen. Es gehört nicht zu den Seltenheiten, daß dieses Blatt Proben seines Judenhasses ablegt. Hr. Schleich verfolgt dabei eine ganz neue Methode, sein Rischus anzubringen. Er wählt nämlich Besprechungen über Meyerbeer, Rothschild, Davidsohn x,, lauter Leute, deren wir uns nicht zu schämen brauchen. Nichts desto weniger halten wir diese versteckten Angriffe auf das Judenlhum weit gefährlicher, als das offene Rischus des Zander'schcn Volköboten. Dagegen sind wir vollkommen mit dem Punsch einverstanden, wenn er in seiner neuesten Nummer die in Wilna erschienene hebräische Uebersetzung der Geheimnisse von Paris als literarische Scheußlichkeit erklärt. Es ist in der That unbegreiflich, wie ein jüdischer Autor, der einmal Zeit und Kräfte der Uebersetzung eines Werkes ins Hebräische widmen will, gerade auf so ein schlechtes, unlauteres Machwerk sein Augenmerk richtet.*) Bei der bevorstehenden Abgeordnetenwahl, Mitte November, fordern wir auch die Bürger jüdischen Glaubens auf, recht zahlreich von ihrem Rechte Gebrauch zu machen. Die Wahlen sind bei unS nach dem Gesetz frei. Der Wähler hat bei seiner Stimmenabgabe bloS sein Gewissen zu fragen und seiner redlichen Ueberzeugung, seinem gesunden Verstände zu folgen. Die Matrikelfrage, das Wahlgesetz x. sind jedenfalls wichtig genug, um die Erwählung liberaler Candidakcn zu wünschen. Ost aber hängt die Wahl nur von einigen Stimmen ab. Möchten daher namentlich die größeren Gemeinden bei den Urwahlen dahin wirken, möglichst viele Israeliten durchzubringen, was bei nur einigem Zusammenhalt leicht möglich ist. *) Diese Ansicht sprachen wir schon bei der ersten Ankündigung der gedachten Uebersetzung aus; aber unsere Warnung half nichts. Redact.