Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 47 (15.11.1858)
- Date
- 1858-11-15
- Page
- Seite 645 (sequence 5)
- Language
- German
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645 WaS demnach vor drei Decennien durch langwierige Proteste und enorme Kosten nicht erreicht werden konnte, vermochte Löwi durch seine Beredtsamkeit zu erzielen. Unbeschreiblich war daher die Freude der in hren religiösen Anschauungen einmal seligen „Frommen", umfänglich das dem Or. Löwi darob gespendete Lob. Schreiber dieses, der sich um das Treiben der einen so wenig wie der andern Classe kümmert und nur schweigsam den Pulsschlägen der Zeit lauscht, schlug warm das Herz, als er diese freudige Sensation wahrnahm, und unwillkürlich drängten sich, ihm die Worte Auerbachs auf: „Sind wir den Menschen das Beste, was wir sein können, so sind sie es uns auch wieder." 8el>. Göllingen, 4. November. (Privatmitth.) Das so höchst beklagenswerthe Schicksal der „Austria" hat auch aus dem in der Nähe von hier gelegenen Städtchen Adelebsen leider 9 Opfer gefordert und es sind dadurch nicht nur die trostlosen Anverwandten in die tiefste Trauer versetzt, sondern auch in weitern Kreisen findet dieses Unglück den schmerzlichsten Wiederhall. Auf jenem Unglücksschiffe befanden sich nämlich von dort gebürtig eine in New-Pork verheirathcte Dame, geborene Meienberg mit 2 Kindern. Sehnsucht nach der geliebten Heimath veranlaßte die Frau, mit ihren beiden Kindern auf kurze Zeit nach Deutschland zu kommen, und sie beabsichtigte mit der „Austria" zurückzukehren. Da kein Verzeichniß der Geretteten ihren Namen nennt, so ist wohl anzunehmen, daß auch sie mit ihren Kindern in den Wellen ihr Grab gefunden, und der Gatte vergeblich ihrer Rückkehr harret. — Gleiches Schicksal traf ein Fräulein Cilla Eichenberg, so wie einen jungen Mann, Joel Löwenstern, deffen trostlose Eltern den Verlust ihres Sohnes bitter beweinen. Besonders schmerzlich beklagenswerth ist der Tod von 4 Geschwistern, Meier, Salomon, Hannchen und Rosalie Freudenstein, die mit inniger Liebe sich unter einander und ihrem Vater zugethan waren, und deren zurückgebliebene trauernde 4 Schwestern mit schmerzlicher Sehnsucht, aber leider vergeblich auf die Nachgangene) im hiesigen Tageblatte gestellte Anfrage: wozu diese Drache seien? wurde trefflich vamik beannvorret: „Sie dienen einem religiösen Gebrauche achtbarer Männer, ehren wir dies stillschweigend und wir ehren uns selbst." richt ihrer Rettung harren. Der älteste der Geschwister, der bereits 10 Jahre in Nordamerika und Californien gewesen, und der auch seinen Geschwistern an dem ihm dort bereiteten Glück Antheil verschaffen wollte, kehrte zur großen Freude seiner Familie im Juni d. I. nach der Heimath zurück, um seine Angehörigen zu besuchen. Nur die ausdrückliche Zustimmung des Vaters, der dem Glück seiner Kinder nicht entgegenstehen wollte, vermochte diese, die mit zärtlicher Liebe an ihrem Vater hingen, dem Bruder in die neugewählte Heimath zu folgen; und in dieser Absicht bestiegen sie das ihnen den Tod bringende Fahrzeug. Denkwürdig ist wohl folgendes Factum. Einige Wochen vor dem Unglücksfalle starb der in Dransfeld wohnende Bruder deS alten Freudenstein. Um diesen von der gesetzlichen Trauer zu dispensiren, hatte man ihm den Tod seines Bruders geheim gehalten. So leicht dies nun auch gewesen, so mußte es sich dennoch fügen, daß gerade an jenem verhängnißvollen Tage (13. September) der Mann den Tod seines Bruders erfährt. Es begann der Vater die Trauer an dem Nachmittage, als 4 seiner geliebten Kinder ihr Grab in den Wellen gefunden hatten, wie wenn durch die Fügung eines hohem Geschickes den Kindern eine gerechte Trauer im Vaterherzen nicht fehlen sollte. Doch die gütige Vorsehung wollte den Lebensabend des frommen Greises durch einen solchen herben Verlust nicht noch trüber verschleiern, denn 8 Tage nach der unglücklichen Katastrophe, noch ehe also die Hiobspost den Vater erreicht hatte — entschlief dieser sanft und ruhig zu einer nie wicderkehrcnden Trennung von den ihm vorangegangenen Lieben. L. K. Bremen, 3. November. (Privatmitth.) Niemand wird geglaubt haben, daß der Herr Pastor Mallel sich von der Predigt des Herrn Dr. Frankfurter, und wenn dieser mit Engelszungen gesprochen, deS Bessern habe belehren lassen; Niemand, daß Herr Pastor Mallel schweigen werde, und daß es ihm an Worten mangeln könne, um sein Verfahren zu beschönigen. Wenn man diesen Herren entgegentritt, so richtet man sein Wort nicht an sie selbst, sondern an die Menge der Menschen, welche Gerechtigkeit und Liebe in ihrem Herzen tragen,'Humanität und Civilisation in sich ausgenommen und von Gott einen reineren Begriff haben, als das höchste, unendliche Wesen, welches das Weltall geschaffen hat, zu einem Gotte deS Fluches zu