Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 47 (15.11.1858)
- Date
- 1858-11-15
- Page
- Seite 644 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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844 waS nicht zum allgemeinen, sondern zum specifisch christlichen Leben gehört, wird nicht verschmäht. Wir heben heute nur einen Gegenstand hervor. Es ist dies die Feier des Weihnachtsfestes. Wenn auch die Art, wie dieses Fest in Deutschland gefeiert wird, in die vorchristliche Zeit hinaufreicht, so ist es darum doch zu einem rein christlichen Feste geworden, und so eine Zierde des christlichen Familienlebens. Jedermann weiß, daß um dieselbe Zeit das jüdische Weihefest, Chanukka (wörtlich die Einweihung), zu feiern ist, ein herrliches, acht jüdisches Fest, denn es wurzelt in der Erinnerung an die erhabensten Märtyrer und Kämpfer für die Religion des einigen Gottes, die makkabäischen Helden, die Drangsale und Siege jener Zeit; Jedermann weiß, wie es gefeiert werden soll, mit Illumination in den Häusern, mit Freudenmahl und Geschenken. In wie vielen jüdischen Familien wird dies nun noch gefeiert? In wie vielen auf die rechte Weise und mit dem rechten Bewußtsein? Während man aber das jüdische Weihe fest schmählich vernachläsfigt, feiert man das christliche Weihnachten als ein hohes Fest mit Schmausereien und Geschenken? Welch' eine Charakterlofigkeit! Wir geben gern zu, daß all' Dies iu einer gewissen Naivetät geschah, indem man eben nur mitmachte, was die Sitte der Welt ist. Aber die Zeit der Naivetät muß endlich vorüber sein, da die Folgen in den jüngeren Generationen die traurigsten für die Religion sind, da in ihnen aller religiöser Geist abgeschwächt wird und erstirbt. Was bis dahin schuldlos war, wird nun eine Schuld. Wollt Ihr ein Fest feiern, warum nicht das Chanukka, wollt Ihr Euren Kindern Geschenke geben, warum nicht am Chanukka? Wollt Ihr einen fröhlichen Familienkreis vereinen, daß auf dem Grunde der religiösen Weihe die Heiterkeit einziehe in die jugendlichen Herzen und in alle Herzen, warum nicht am Chanukka? Bedenkt dies, Ihr Familienväter, Familienmütter! Wir wissen wohl, daß wir mit Vieser Rede nicht in zu viele Herzen einschlagen, und eine Aenderung des Weges nicht bei Vielen erreichen werden. Allein, wenn nur bei Einigen, wäre es ein Gewinn. Es ist eine Zeit, wo es einer Stärkung und Aufrichtung bedarf; und wenn sich dazu nur erst Einige schaaren und verbinden, so wird eine immer größere Zahl sich einfinden und der gegebene Anstoß sich fortpflanzen. „Nur sei stark und fest!" Zeitungsnachrichten. Deutschland. Fürth, im Oktober. (Privatmitth.) Vor ungefähr etlichen 30 Jahren, als in die hiesige Stadl Straßenbeleuchtung mittelst Laternen eingeführt wurde (Rabbiner vr. Löwi war dazumal noch nicht hier), entstand zwischen dem hiesigen Magistrate, resp. dem damaligen rechtskundigen I. Bürgermeister und dem israelitischen Gemeindevorstande ein langwieriger Streit wegen Erhaltung der vorhin angebracht gewesenen der alle Stadien eines Proceffes durchlief und durch alle Instanzen zum Nachtheile des Letztem entschieden wurde, weil nämlich das Motiv geltend gemacht wurde, daß dergleichen gezogene Dräthe der Stadt zur Unzierde gereichen. Um jedoch dem religiösen Gefühle der zahlreichen jüdischen Einwohner Rechnung zu tragen, wurde allerhöchsten Orts gestattet, daß mehrere auf Kosten der israelitischen Gemeindekaffe anzuschaffende und den ritualmäßigen substituirende Laternen an die offen gelegenen Stabttheile anzubringen und unter die polizeiliche Aufsichtsbehörde zu stellen seien. Durch die am 1. October «. eingesührte städtische Gasbeleuchtung und Abrogation der Stroßenlaternen jedoch ist unter der sogenannten „strenggläubigen Partei", die, wie überall, oft den winzigsten religiösen Brauch mit eiserner Consequenz beizubehalten strebt, keine unbedeutende Besorgniß und Aufregung entstanden. Mehrere angesehene Männer verfügten sich zu diesem Zwecke zu dem Rabbiner, Herrn Df. Löwi, ihn um amtliche Einschreitung behufs der Wiederherstellung der antiquirten D^am? angehend. Dieser indessen, mit scharfem, praktischem Auge die Rechtsverhältnisse würdigend, rieth, aus leicht begreiflichen Gründe», jeden amtlichen Schritt zuvörderst fern zu halten, versprach jedoch, privativ einzuschreiten. Und in der Thal durch seine höchst einflußreiche Rücksprache mit den geeigneten humanen städtischen Beamten brachte er es dahin, daß die bereits in die Gcrümpelkammer der unbrauchbaren Antiquitäten längst verwiesenen in ihrer schönsten Glorie auferstanden, und nun in dicken, massiven, gleichsam dem gerissenen Kabeltau entnommenen, ein abgeschlossenes Territorium repräsentirenden Dräthcn gläkzen.*) *) Eine (muthmaßlich von einem Israeliten ausge-