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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-11-08 · Heft 46 (8.11.1858) · p. Seite 635

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 46 (8.11.1858)
Date
1858-11-08
Page
Seite 635 (sequence 9)
Language
German
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685 Freundschaft an ihn richtete. Es ging überhaupt keine Gelegenheit vorüber, wo er sich nicht als vorurtheilSfreier, humaner und hochwürdiger Mann zeigte. Friede feiner Asche! JonaS Tintner. Frankreich. Nancy, im October. Das Lien d’Israel berichtet über die Prüfung der hiesigen Religionsschule, bei welcher drei Reden gehalten wurden, von welchen diese Monatsschrift die deS Herrn Levy-Bing, Mitglieds des Schulcomite's, mittheilt. Wir heben aus dieser trefflichen Rede, die sich eben so durch Schwung der Sprache wie durch ächt israelitische Anschauung auszeichnrt, folgende Hauptstelle hervor: „Die Zeit ist gekommen, erlaubt mir es, Denen unter Euch zu sagen, welche eö noch nicht verstanden haben sollten: die Zeit ist gekommen, wo man erkennt, daß die Religion die Grundbasts ist, auf der die Schicksale der Menschheit ruhen. Ueberall, in allen Kreisen der Gesellschaft ist eine ausgesprochene Bewegung zur Rückkehr zur Religion nicht zu verkennen, und wenn Sie lesen könnten, was sich alle Tage in den öffentlichen Blättern ausspricht, würden Sie erstaunt sein über die lebhafte Beschäftigung der Geister in der Gegenwart mit einer socialen Erneuerung, welche allen Augen klar zu sein scheint. Das große Problem der Tilgung des Elendes, der allgemeinen Bildung, der Erhebung der arbeitenden Elasten und der Jdentificirung der Religion und derGesellschaft ist an der Tagesordnung, und seit langer Zeit sind die einst so lebhaften, so drohenden politischen Fragen auf den zweiten Platz verwiesen. „Während der zahlreichen Jahrhunderte der Finsterniß, die unsere Vorfahren seit der Zerstreuung zu durchleben hatten, war die Rolle der Israeliten negativ; sie hatten nur zu leben, nur das heilige, ihnen anvertraute Gut auf zukünftige Generationen zu übertragen. Aber heute will die Religion anders begriffen sein. Wir müssen im vollen Selbstbewußtsein leben und handeln. Jeder von uns muß ‘, % zeugt sein, daß er berufen ist, mitzuarbeiten an^n Werke des Heils. Es ist nur durch die in alle Lagen des Lebens gebrachte Offenheit und Treue, durch die Großmuth deS Herzens, die Reinheit der Sitten, kurz durch die wahrhafte Liebe zum Nächsten , daß wir uns mehr und mehr als die würdigen Söhne der Religion zeigen werden, und wer von unS in dem Hause deS Herrn sich einstellt, beweist dadurch, daß er die israelitischen Meinungen bekennt und sich um die israelitischen Tugenden bewirbt. „Ja, meine Freunde, wir sind die Erstgeborenen Gottes, und der Augenblick ist nicht mehr weit, wo die Binde sich von den Augen unserer Brüder lösen wird, wo sie in unS wachsame und unerschrockene Krieger des Herrn erkennen werden, welche nichts entmuthigen konnte, weder Unglück, noch Ungerechtigkeiten, um die ewige Fahne des Gesetzes zu beschützen. Und wir sind es, die diese Lösung, welche die Hoffnung der Religionen, wie der Gesellschaft ist, nämlich die Einigung der Interessen des Himmels und der Erde, der Welt geben werden, wenn diese uns endlich verstanden haben wird. „Indessen ist es vor Allem nöthig, daß wir selbst Vertrauen in unsere große Mission haben; weit entfernt, bei dem Namen Israelit zu erröthen, als ob es derjenige einer lange verachteten Minorität sei; laßt uns stolz auf diesen Titel sein, der eines Tages der glorreichste in den Augen der Menschen sein wird. Aber zu gleicher Zeit laßt uns zu der Höhe der Pflichten uns erheben, die uns dieser Name auferlegt, und da stellen wir in die erste Reihe daS Studium der heiligen Sprache. „Die heilige Sprache? „Sie ist das einzige Monument unserer Vergangenheit, das einzige religiöse Band Israels, es ist der goldene Faden, der die Herzen der israelitischen Familie verbindet, der eines Tages die Herzen der ganzen großen Familie verbinden wird." Großbritannien. London, 27. October. Dem Beispiele der Hauptstadt folgend hat der Burgflecken Queensborough in L. S. MagnuS Esqu. einen Mayor jüdischen Glaubens gewählt. Das erste Beispiel dieser Art in der Provinz. (Die A. A. Z. bemerkt: „DaS erste Beispiel in Europa". Das gute Blatt irrt, denn der Bürgermeister in Lacken, welcher die Kinder des Königs der Belgier in das Civilfondsregister äufnahm, war ein Jude. (Red. d. A. Z. d. I.) 46 'm

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