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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-11-08 · Heft 46 (8.11.1858) · p. Seite 634

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 46 (8.11.1858)
Date
1858-11-08
Page
Seite 634 (sequence 8)
Language
German
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634 bei dem noch gesetzlich vorgeschriebcnen Eide mors judaico in Rücksicht auf die dadurch bewirkte äußere und innere Störung der Festtagöfeier nicht aus. Dazu kommt, daß die rituelle Vereidigung, wie sie mit Tephillin einmal vorgeschrieben und üblich ist, an den Festtagen wegen der da verbotenen Benutzung der Tephillin gar nicht möglich ist. — Österreichischer Kaiserstaat. Prag, 29. October. (Privatmitth.) Die wohlthätigen Stiftungen Prags sind in höchst erfreulicher Weise um eine neue vermehrt worden. Herr Isaak Taußig, bei dem jeder Bedürftige stets eine offene Hand und jedes Verdienst Anerkennung und Aufmunterung fand, hat nach einer glücklich überstandenen Augenoperation die Summe von 20,000 Fl. C.-M. zu einer Stiftung für israelitische Blinde dem hiesigen Cultusvorstande übergeben. Ich hätte hier gewiß Gelegenheit, von dem Wohlthätigkeitssinn eines ächt jüdischen Herzens zu reden, wenn ich so erclustv sein wollte, wie manche Bekenner der Religion, die allgemeine Menschenliebe als ihre Privatdomäne darstellen möchte — doch wollen wir von dieser schönen That lieber als von einer acht menschlichen Act nehmen. — Die Betrachtung des bereits geleisteten und bestehenden Guten erweckt den Wunsch nach dem noch fehlenden und herzustellenden. Lassen Sie mich darum einen raschen Blick auf die Lage der hülfsbedürftigen israelitischen Studirenden, namentlich Prags werfen, wenn schon sie in anderen Universitätsstädten ähnlich sein mag. Während der christliche Student, wenn er eifrig oder begabt ist, im Fall der Mittellosigkeit auf Stipendien, Befreiung vom Zahlen der Collegiengelder ic. rechnen kann, ist dem hiesigen jüdischen Studenten fast alle Aussicht darauf benommen. Er muß alle materiellen Hülfsmittel aus sich selbst schöpfen und Kraft und Zeit auf Ertheilung mühsamer und zum Theil schlecht honorirter Privatstunden verwenden und gerade in dieser wichtigen Periode einer kaum zu bewältigenden Wissenschaft entziehen. Gar mancher talentvolle, unbemittelte Jüngling wurde dadurch vom Studium zurückgeschreckl, gar mancher erreichte dadurch nicht die Stufe, die er vermöge seiner Begabung hätte erringen können, und noch gar mancher wurde ein Opfer der Ueberarbeit und der Sorge. (Erst kürzlich starb hier ein junger israelitischer Mediciner, Löwenf aus Kuttenplan, nach zurückgelegtem Rigorosum an Gehirnentzündung, die er sich notorisch durch obige Ursachen zugezogen hatte.) Möchten daher doch die Reichen, „die freigebigen HerzenS sind", auch ein Mal dieser Seite ihre Aufmerksamkeit und werkthätige Liebe zuwenden, und einer strebsamen Jugend die Pfade zu einem Ziele ebnenwo sie mehr zum Nutzen der Menschheit, als zur Erlangung großer materieller Vortheile arbeiten. Da ich durch diese Notiz und den so eben ausgesprochenen Wunsch meinen Glauben an die Wirksamkeit der Presse bekunde, so will ich hier noch eines hiesigen Blattes erwähnen, das in älterer und neuerer Zeit keine Gelegenheit vorübergehen ließ, hämische Seitenblicke auf daS Judenthum und seine Bekenner zu werfen und dieselben mit den Waffen zu instcktiren, die ihm ein wohlfeiler, seichter, abgebrauchter Witz und eine raffinirte BoSheit an die Hand giebt, ein Blatt, daS der Begebenheit in Bologna mit keiner Shlbe erwähnt; daß dasselbe systematisch Alles umgeht, was die Juden in den Augen seiner Leser heben könnte, ist leicht zu schließen. Dieses Gebühren inmitten einer Population, die ihre Neigung zu Judenverfolgungen in nicht gar alter Zeit (1845, 48, 49) bewiesen hat, ist wahrhaft verdammenSwerlh! — Das Merkwürdigste aber ist, daß dasselbe Blatt bei den böhmischen, bei den Prager Juden Hunderte von Abonnenten hat! Sie lassen sich Schimpfreden ins Haus schicken und unterstützen mit ihrem Gelde ein Organ, daS ihnen Verderben heraufbeschwört. Wäre nur etwas Gemeingeist, nur einiges Bewußtsein ihrer Stärke in ihnen, sie würden dies Blatt nicht in die Hand nehmen, um so weniger, da es hier nicht an einer besseren und humanern Zeitung fehlt, vr. —g. Austerlitz, im October. (Privatmitth.) Am löten d. M. starb der hiesige katholische Pfarrer Franz T i e l e k in einem hohen Alter von 81 Jahren, der wegen seiner seltenen Humanität in diesem Blatte erwähnt zu werden verdient. Nebst vielen wohlthätigcn Stiftungen hat er auch den Armen der hiesigen und denen der Jsraelitengeme'nde zu Neuraußnitz, allwo er früher Pfarrer war, ^ch )Fl. C.-M. testirt. Schreiber dieses war gegenr.mttig, als er auf dem Sterbebette von dem hiesigen Hir.it Rabbiner händedrückend Abschied nahm, und WMe wahrhafter Menschenliebe und herzlichster

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