Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 46 (8.11.1858)
- Date
- 1858-11-08
- Page
- Seite 632 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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K3L Provisoriums in den eines gesicherten Bestandes getreten ist, so wäre eS wohl an der Zeit, daß, da bisher die Beiträge nur aus Stettin, Stargardt und Berlin, mit einer Ausnahme auS Camin, geflossen sind, auch die übrigen Gemeinden Pommerns sich entschließen mögen, ihren immer bewährten Wohlthätigkeitssinn auch für dieses Institut zu bethätigen. — Am 6. September wurde in der Synagoge der Stiftungstag des Waisenhauses feierlich begangen, und waren der Herr Oberbürgermeister Hering und der Stadtvcrordnetenvorsteher Herr Wegener zugegen. Es wurden von dem Synagogenchore schöne musikalische Compositionen vorgetragen, so wie vom Rabbiner vr. Meisel eine vortreffliche Predigt gehalten. Möge das Waisenhaus zu einer immer herrlicheren Zukunft erblühen! Aus Schlesien, 30. Oktober. (Privatmitth.) In Breslau ist, wie vorauszusehen war (vgl. unfern Bericht in No. 44.), während der letziverfloffenen hohen Feiertage das Bedürfniß einer größeren Räumlichkeit zur GotteSverehrung wieder einmal sehr dringend gefühlt worden. Die Folge davon ist, daß seit einigen Wochen innerhalb der Gemeinde ein Plan für den Neubau einer Synagoge cicculirt, welcher sich so großen Beifalls erfreut, daß bis vor acht Tagen schon über 80,000 Thaler gezeichnet waren. Herr Commerzienrath Heimann soll sich allein mit 3000 Thlrn. betheiligt haben. — Dem israelitischen Handlungsdiener-Jnstitut zu BreSlau muß es nachgerühmt werden, daß es nicht blos um die Belehrung, resp. weitere Ausbildung der Commis bemüht ist, sondern sich auch noch ganz besonders die Sorge für den Unterricht der jugendlichen Handlungsbefliffenen, d. i. der Geschästslehrlinge, sehr angelegen sein läßt. — Nachdem es in neuerer Zeit in Breslau wieder öfter vorgekommen war, daß gewisse Leute — unter dem Vorgeben, für wohlthätige Gemeinde-Institute zu collectiren — mit sogenannten Sammelbüchsen bei den jüdischen Einwohnern umhergingen, sind letztere in diesen Tagen Seitens des Vorstandes öffentlich darauf aufmerksam gemacht worden, fortan nur an solchen Collectcn sich zu bctheiligen, deren Bewerkstelliger sich durch eine Autorisation von der Gemeinde-Verwaltung legitimiren können. — In der Gemeinde Gleiwitz soll mit dem — schon seit langer Zeit projectirtm — Bau einer neuen großen Synagoge nunmehr allen Ernstes vorgegangen werden. In seinen Borträgen während der verflossenen Feiertage hat Herr Rabbiner vr. Hirschfeld wiederholt über diesen Gegenstand gesprochen und eS der Gemeinde aufs Eindringlichste ans Herz gelegt, die Hand kräftig ans Werk zu legen, auf daß dem längst und allgemein gefühlten Bedürfnisse nun endlich einmal abgeholfen würde. Die vorhandene Synagoge entspricht der numerischen Stärke der Gemeinde so wenig, daß an den heiligen Festen noch an vier andern Stellen gebetet werden mußte. — Die Gemeinde zu Ratibor hat unlängst dadurch einen ansehnlichen Verlust erlitten, daß aus ihrer Synagoge mittelst nächtlichen Einbruches mehrere höchst werthvolle Stücke der silbernen Thora - Verzierungs - Geräthschaften entwendet worden. — Der als Wundermann bekannte Chassidim-Rabbi von Radomsk, — welcher, beiläufig bemerkt, im vergangenen Sommer zur Stärkung seiner Gesundheit einen böhmischen Curort besucht hat — gewinnt in Oberschlesien immer mehr Anhang und Vertrauen. Eigenthümlich aber ist es, daß man auch Leute, welche hier im Gerüche des krassesten Atheismus stehen, — sobald sie auf irgend eine Weise von der spitzen Nadel deS Geschickes empfindlich gestochen werden, — nach Radomsk-Delphi eilen steht, um sich von dem alldort thronenden „Auserwählten" Orakel verkünden zu lassen. DaS alte Wort: „Les extremes se lauestem" bewährt sich auch hier. — Leipnik, der berühmte alte Jefchibah-Ort in Mähren, ist am 23. d. M. zur größern Hälfte abgebrannt. Die jüdischen Einwohner sollen dabei am meisten gelitten haben. Der größte Theil derselben soll obdachlos geworden sein. — Zum Schluffe heute noch eine Notiz, die Referent aus zwei Gründen nicht verschweigen kann: einerseits, weil sie aus seiner Vaterstadt zu ihm gedrungen, andererseits aber auch, weil sie einen Mann betrifft, zu dessen Schülern er einst — und sei's auch nur kurze Zeit — gehört hat. Rabbi Hirsch Abarbanell, Vorsitzender des Rabbinats zu Lissa im Großherzogthum Posen, feierte am 19. d. M. (t 1. Marcheschwan) seinen siebzigsten Geburtstag. Seitens der Gemeinde ward dieser Tag als ein allgemeiner Fest- und Freudentag begangen. Von allen Seiten erhielt der ehrwürdige Greis Beweise der zartesten Aufmerksamkeit, Beweise der Liebe und Achtung, deren er sich in sei-