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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-11-08 · Heft 46 (8.11.1858) · p. Seite 631

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 46 (8.11.1858)
Date
1858-11-08
Page
Seite 631 (sequence 5)
Language
German
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631 Gr. Becskerek, 25. October. (Literarische Merkwürdigkeit.) Für die Verdienste der Juden hat die Geschichte selten ein gutes Gedächtniß! Eine Bemerkung, die man oft zu machen Gelegenheit hat und die uns kürzlich beim Lesen folgender Stelle in ihrer ganzen Schärfe entgegengetreten ist. Ueber den Erfinder des Mikroskops herrscht bekanntlich ein gewisses Dunkel, wie über alle wichtigen Erfindungen und Entdeckungen, die meist, bevor sie allbekannt wurden, von mehreren großen Geistern fast gleichzeitig geahnt und gleichsam in weiter Ferne geschaut wurden. Dasselbe Verhältniß waltet nun bei der Erfindung des Mikroskops ob; aber daß ein jüdischer Arzt einen großen Antheil bei dieser Erfindung und dessen Verbreitung gehabt, dessen geschieht nirgends Erwähnung. Unv doch verdanken wir diese Mittheilung keinem Andern als Leibnitz, obwohl er uns den Namen nicht aufbewahrt hat. Lesen Sie folgende Stelle in Feuerbachs Darstellung, Entwickelung und Kritik der Leibnitz'schen Philosophie S. 202, wo Sie die Worte Leibnitz' angeführt finden: „Es ist bemerkenswerth, daß das Mikroskop zwar schon vor Leibnitz, 1618 oder 1619 — 21, erfunden wurde, aber doch erst in seiner Zeit zur Anwendung in den Naturwissenschaften und damit zu seiner wahren Bedeutung kam. Im Otium Hanoveranum p. 185. findet sich von ihm selbst eine historische Notiz über das Mikroskop. P. Johaninus... mihi narravit, quendam J u d a e u m medicinae doctorem primum microscopium ex Angiia Coloniam attulisse anno 1638 etc.“ — Vielleicht ließe sich aus andern Quellen etwas Näheres über diesen Juden und Doctor der Medicin auffinden und dessen Namen der Vergessenheit entreißen! D. Oppenheim. Zeitungsnachrichten. Preußen. Magdeburg, 1. November. (Privatmitth.) Es ist dem Unterzeichneten eine angenehme Pflicht der Dankbarkeit, den verehrlichen Redactionen der Archive israelites de France, Herrn S. Cahen, Ritter der Ehrenlegion, des Lien d’Israel, Herrn Rabbiner S. Dreyfuß in Mühlhausen und Herrn M. Honel, Advocaten in Straßburg, des Educatore israelita, Herrn Professor Giuseppe Levi in Verteilt auszusprechen, wie überaus wohl eS mir gethan, daß sich dieselben über die Feier meines 25jährigen AmtsjubtläumS eben so freundlich wie ehrend geäußert haben. Auch der Redaction des Jewish Chronicle in London halten wir unS für verbunden, daß sie dem Herrn Rabbiner Dr. Schiller - Szinessy den Raum ihres Blattes zur Besprechung desselben Gegenstandes eröffnet hat. Möge eS mir die göttliche Vorsehung gestatten, der guten Meinung dieser verehrten Männer auch durch fernere Arbeiten zu entsprechen, und möge der Wirksamkeit der jüdischen Presse extensiv wie intensiv eine immer erfolgreichere werden! Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner. Stettin, im October. (Privatmitth.) Bor unS liegt der Jahresbericht deS von dem Rabbiner Dr. Meisel ins Leben gerufenen hiesigen israelitischen Waisenhauses aus dem Verwaltungsjahre 1857 —1858. Es erfreute uns sehr, daß der Bericht mit folgenden Worten einleiten konnte: „Der Rückblick auf das Wirken und die Entwickelung des hiesigen israelitischen Waisenhauses in dem verflossenen Verwaltungsjahre wird den Wohlthätern und Interessenten desselben die freudige Genugthuung geben, daß es in jedem Betracht auf dem Wege des Fortschritts und der innern Erstarkung sich befindet. ES hat, wie der folgende Rechenschaftsbericht nachweist, an Mitteln wie an Theilnahme gewonnen, und ist in den Zustand gelangt, seinen Wirkungskreis ausdehnen zu können. Es hat daS verflossene Verwaltungsjahr bedeutende und außerordentliche Ausgaben erfordert, indem die für alle Zeit gewonnene Wohnung neu eingerichtet, und an Möbeln und Utensilien bereichert werden mußte. Auch der Umzug aus dem alten in das neue Local verursacht« ungewöhnliche Kosten. Trotzdem aber reichten die Mittel deS Instituts nicht nur hin, sondern gewannen einen nicht unbedeutenden Zuwachs." Das Vermögen des Instituts, daS am 1. April 1857 noch nicht 4000 Thaler erreicht hatte, ist bis zum 1. April 1858 zu 4330 Thalern gestiegen. Es hat außerdem eine miethSfreie Wohnung auf ewige Zeiten geschenkt bekommen, so wie von einem Wohlthäter in Stargardt seitdem 1000 Thaler. ES hat die Zahl seiner Zöglinge von 5 auf 6 vergrößert, und im letzten Verwaltungsjahrr die Kosten von 1045 Thalern getragen. Wenn diese Ausgaben für die Zahl von 6 Waisen hoch erscheint, so muß man bedenken, daß, je größer die Zahl der Waisen wird, die verhältnißmäßigen Kosten für jeden Zögling sich vermindern. Da hiermit daS Waisenhaus aus dem Zustande deS

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