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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-10-25 · Heft 44 (25.10.1858) · p. Seite 603

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 44 (25.10.1858)
Date
1858-10-25
Page
Seite 603 (sequence 5)
Language
German
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603 schon vor langer Zeit gethane Aeußerung: „Wir finden bei Philo einmal die reinsten, speculativsten Gedanken, die edelsten Erzeugnisse eines vernünftigen Denkens, dann aber auch phantastische Gebilde, wie sie nur vie schwache Vorstellung zu schaffen vermag. Und dies ist es auch, was zu den großen Mißverständnissen Anlaß gegeben hat, die wir in den Darstellungen des Philonismus an so vielen Stellen bemerken." — Von der durch das Institut herausgegebenen „Geschichte des Juventhums und seiner Seelen von Dr. I. M. Jost" wird in London eine englische Uebersetzung vorbereitet. — Von: „Kleiner Katechismus der israelitischen Religion von Dr. Ludwig Philippson" ist so eben, nachdem die 5000 Exemplare starke erste Auflage erschöpft war, die zweite verbesserte Auflage erschienen (Leipzig bei Baumgärtner). Der Verfasser hat die Gelegenheit wahrgenommen, einige für die Jugend zu schwere Ausdrücke durch leichter faßliche zu ersetzen, und noch einige Zusätze zu treffen. Es hat den Verfasser sehr gefreut, diesen Katechismus trotz der großen Zahl von Concurrenzschristen sich seine Bahn brechen zu sehen, trotzdem er in Anlage und Ausführung von dem gewöhnlichen Schlendrian abweicht, eine, weniger anderen Religionsparteien entlehnte, sondern dem Geiste des Judenthums entfließende confequente Durchführung erstrebt hat, und den Offenbarungsbegriff nicht als eine zufällige Beigabe, sondern als die Grundlage des ganzen Religionssystems behandelt. In einer zweiten Auflage wird setzt vertheilt: „Acht Jahre in Asien und Afrika. Von 1846— 1855. Von I. I. Benjamin aus Foltitscheny in der Moldau, mit einer Karte. Hannover 1858. Selbstverlag des Verfassers." Es haben sich in der jüngsten Zeit viele Stimmen gegen den Verfasser erhoben. Uns interessirt hier nur das Buch, und wir können nur bei unserer Ansicht stehen bleiben, daß zwar das Werk wenig wissenschaftliche Ausbeute darbietet, doch aber von großem Interesse ist, da es uns aus Gegenden Nachrichten über unsre Glaubensgenossen und deren Verhältnisse bringt, aus welchen wir sonst nur mit den getrübten Notizen englischer Missionäre beschenkt werden. Wir haben schon früher einmal ausgesprochen, daß in ganz fälschlicher Weise unserm Stamme eine große Wanderlust zugeschrieben werde. Gerade im Gegentheil besitzen wir den Trieb, uns da niederzulassen und ansässig Zu bleiben, wo man uns zu athmen gestattet. Die Juden sind immer nur der Nothwendigkeit gewichen, wenn sie auswanderten. Den Beweis hierfür liefert der sich so oft wiederholende Umstand, daß die Juden mit fast thörichter Anhänglichkeit in Ländern seßhaft bleiben, wo sie den drückendsten Verfolgungen ausgesetzt sind. Anderweitig wird dies dadurch erwiesen, daß wir aus so vielen Jahrhunderten nur sehr wenig jüdische Reisende zu nennen haben, und, bei der großen Schreibelust, welche in unsrem Stamme von seinem Beginne an geherrscht hat, eine so geringe Zahl Reisewerke besitzen. Gerade darum müssen wir der Schrift des Herrn Benjamin Werth beilegen, ohne diesen zu überschätzen. Eine Bemerkung, die sich auf allen Seiten dieser Schrift uns aufdrängt, ist: wie durchaus den Ortssagen über den Ursprung und die Alterrhümlichkeit sogenannter heiliger Stätten auch nicht die geringste Glaubhaftigkeit einwohnt, auch wenn die Tradition noch so alt ist. Der Verfasser übt keine Kritik, sondern erzählt nur einfach, was ihm gesagt worden, aber diese drängt sich Jedem von selbst auf. Denn man sieht an zahllosen Plätzen, wie, wenn erst eine vorausgefaßte, wenn auch noch so unbegründete Meinung, daß dieser oder jener Platz der so und so in der Schrift benannte Ort sei, vorhanden war, man bald Gebäude, Höhen und andere Stätten fand, in welchen man die bekannten Ereignisse des betreffenden Patriarchen, Propheten oder Königs vorgegangen erklärte. Erkennt man nun leicht die Unrichtigkeit dieser Sagen an innerasiatischen Plätzen, so schließt man mit um so größerem Rechte auf eine ähnliche Erfindungssucht in den westlicheren Ländern, noch dazu, da der Besitz einer solchen vermeintlichen Reliquie für die Umgegend immer eine reiche Qtlelle der Einnahme ist. Als Einleitung ist dem Buche eine sehr schätzenswerthe Arbeit von Dr. M. Kayserling über den jüdischen Reisenden Pedro Teireira vorangestellt. — Wer ein Freund eines recht vollständigen hebräischen Gebetbuches ist, den machen wir aufmerksam auf die unter dem Titel: tPttbttJ von I. I. Halberstadt in Hamburg, durch die Behrendsohn'sche Buchhandlung zu beziehende Ausgabe der nbirn nach polnischem Minhag. Außer Allem, was zu den gewöhnlichen Gebeten gehört, findet er darin die Jozeroth zu den vier Parschijoth, die Maaraboth zu den Festtagen, Tal und Geschem, die Vorlesungen und Haphtoroth zu den Festtagen, Echah, die Hoschaanoth, Megilloth Esther, die Bußgebete zu den Fasttagen, die Vorlesungen am Montag und Donnerstag rc. rc. Alles in guter Ausstattung, schönen, großen Typen, gutem Papier. Gewundert hat es uns, nicht auch die Hagadah schel Pessach hier zu finden. — Aus Lemberg schreibt man uns, daß die Zeitschrift Megev Jcrachim durch den Hauptschullehrer M. Wolss

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