Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 43 (18.10.1858)
- Date
- 1858-10-18
- Page
- Seite 595 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Zss die maati, deren fünf hier zu frommen Zwecken, als Beerdigung der Todten, Unterricht armer Kinder rc. bestehen und worin regelmäßig deS Samstags Vorträge gehalten werden, rege erhalten. Was auf mich, der ich in den kleinen Gemeinden meines Vaterlandes nur Streit und Zwistigkeiten gewahrte, einen angenehmen, erfreulichen Eindruck machte, ist die Einigkeit und das gute Einvernehmen, die hier herrschen und die auch bei der Restauration der Synagoge, wo es sich um Vertauschung der erblichen Stände handelte, nicht gestört worden sind. Möchten sie auch in der Folge ungetrübt erhalten werden! S. Mannheimer, Lehrer. Großbritannien. London, 24. September. Die Leser unsrer Blätter wissen, daß die Redaction uns längst über die Periode hinaus glaubt, wo wir, um die im jüdischen Stamme vorhandenen Geisteskräfte zu documentiren, auch auf die getauften Juden oder deren Abkömmlinge hinzuweisen hatten. Wir haben jetzt der talentirten, ja genialen Juden, die zugleich trotz den Schwierigkeiten, die ihrer Wirksamkeit entgegenfiehen, ihrer Ueberzeugung treu bleiben, genug, um noch anderweitige Hülfsmittel ansprechen zu müssen. Wenn wir mit der folgenden Mittheilung aus den öffentlichen Blättern eine Ausnahme machen, so geschieht es, weil D'Jsraeli selbst vielen Werth auf seine Abstammung legt, und sich derselben rühmt, statt Andere in seiner Lage sich ihrer schämen und sie gern vergessen machen wollen, und weil er offenbar zu dem der Zulassung der Juden ins Parlament günstigen Vorgehen des toryistischen Ministeriums das Meiste beigetragen hat. Es wird berichtet: „Der Schatzkanzler Benjamin Disraeli hat, die Muße der Parlamentsferien zu einem Act kindlicher Pietät benutzend, eine neue Ausgabe des Werkes seines VaterS Isaak Disraeli „Curiosities of Literature“ zu besorgen angefangen, und dem ersten Band derselben, welcher bis jetzt erschienen ist, eine Biographie deS Verfassers vorausgeschickt. Sie ist, nach dem Urkheil von Notts Review, in einem weniger schwülstigen Styl gehalten, als man ihn sonst an dem Autor von „Coningsby" gewohnt ist, so daß es fast scheint, daS Gewicht ministerieller Verantwortlichkeit habe den Ton desselben etwas nüchterner gestimmt. In dieser Biographie nun giebt Benjamin folgende Notizen über seinen Stammbaum: „Mein Großvater, der im Jahre 1748 nach England übersiedelte, war ein Italiener, und stammte aus einer jener hebräischen Familien, welche die Inquisition zu Ende des löten Jahrhunderts aus Spanien vertrieb, und die auf dem duldsameren Gebiet der Republik Venedig eine Zufluchtstätte fanden. Seine Vorfahren legten bei ihrer Niederlassung auf der Terra Firma ihren gothischen (spanischen) Zunamen ab, und, dankbar gegen den Gott Jakobs, der sie durch beispiellose Prüfungen und unerhörte Gefahren geleitet und behütet, gaben sie sich den RameN Disraeli, welchen weder vor noch nach eine andere Familie führte, damit ihr Geschlecht für immer daran erkannt werden möchte. Ungestört und unbehelligt blühten sie durch Handel über zwei Jahrhunderte lang unter dem Schutz des Löwen von St. MarcuS, und daS war nur gerecht und billig, da der heilige Schutzpatron der Republik selbst ein Kind Israels war. Aber gegen die Mitte des 18ten Jahrhunderts lenkten die veränderten Zustände Englands, welche dem Handel und der religiösen Gewissensfreiheit günstig schienen, das Augenmerk meines Urgroßvaters auf diese Insel, und er beschloß, daß der jüngere seiner zwei Söhne, Benjamin, der „Sohn seiner rechten Hand", sich in einem Lande niederlaffen sollte, wo durch den neuerlichen Fehlschlag des Prinzen Karl Eduard die Dynastie endlich festgestellt, und die öffentliche Meinung der Glaubensversolgung fortan entschieden abgeneigt schien. Der Großvater machte in England sein Glück, ließ sich taufen*) und heirathete eine Tochter der Gojim. Isaak, der einzige Sohn, war ebenfalls für den Handel bestimmt, schlug aber aus der Art und warf sich in die Literatur, schickte dem vr. Samuel Johnson ein Gedicht auf sein Todbett, was er schwerlich mehr gelesen haben wird, überwand endlich seines Vaters Comptoirscrupel, und ward ein Bücherwurm. Den Fünftelsaft seiner rastlosen Lectüre deflillirte er dann in seine „Miscellanien" oder „Curiositäten der Literatur", Sein bestes Werk aber war der jetzige Schatzkanzler Benjamin." Nordamerika. Washington, 6. September. Die von uns in No. 40. gebrachte Nachricht, daß der Senator Herr *) Das Motiv seiner Taufe übergeht wohl der Schatzkanzler. Jener that diesen Schritt — weil er eine Strafe 43**