Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 43 (18.10.1858)
- Date
- 1858-10-18
- Page
- Seite 593 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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593 .feiner in Waag-Neustadt, Herr Josef Weiße, den Titel eines k. k. SchuldirectorS daselbst. — Von dm auf 19,000 Fl. sich belaufenden Spenden, welche dem Minister des Innern zur Verwendung für wohlthätige Zwecke übergeben wurden, und die derselbe im Wege der k. k. Statthalterei für Niederösterreich an verschiedene Anstalten und Vereine vertheilte, flössen auch dem israelitischen Taubstummeninstitute, dem Frauenvercin zur Unterstützung armer Glaubensgenossen, dem Verein zur Unterstützung dürftiger Israeliten, dem israelitischen Wohlthätigkeitsverein und dem Vereine zur Versorgung israelitischer armer Waisen je 500 Fl. zu. — Wie uns aus sicherer Quelle bekannt geworden, ist von Neuem von Oben herab die Weisung gelangt: die Auflösung der Chedarim mit aller Energie zu betreiben. — Von mehreren Seiten ist an unS das Ansuchen gestellt worden, bei der löblichen Leiterschafl des Instituts anzufragen: ob es nicht auch möglich wäre, so wie Zun;' synagogale Poesie, auch RappaportS trb» ‘p* durch Subvention Seitens des Instituts auch den Minderbemittelten zugänglich zu machen?*) Von Sterns Kochbe Jizchak ist bereits das 24ste Heft erschienen, cs enthält des Interessanten so Manches. Schmerzlich haben unS die maßlosen Angriffe auf Rappaport daselbst S. 47. ff. berührt. Wie der Herausgeber aus der Rückseite des Titelblattes ver- , sichert: ist „die Concordanz keineswegs aufgegebcn;" wir halten dieses Projekt für zeitgemäß, nur muß es unseres Erachtens in deutscher Sprache bearbeitet, klar und prägnant im Ausdruck, frei von jeder Gelehrtcnthuerei, mit einem Worte: recht populär sein, um prosperiren zu können. Wien, im September. (Oesterreichische Blätter.) Erzherzog Albrecht ist auf seiner letzten Visitationsreise am 18. dieses Monats in GünS eingetroffen, wo er beim Empfang der Behörden den Großhändler und Gutsbesitzer Philipp Schey öffentlich wegen seines gemeinnützigen Wirkens belobte, und gestattete, daß das von Herrn Schey auf eigene Kosten gebaute Versorgungshaus für gebrechliche Arme ohne Unterschied der Religion den Namen Erzherzog-Albrecht- *) <So viel wir wissen, ist die erste Lieferung des Erech Millm pergriffen. Redaction. Stiftung führen dürfe. Herr Schey hat übrigens auch für die israelitische Gemeinde in GünS gleichfalls auf seine Kosten einen neuen Tempel bauen lassen. Er wurde vom Erzherzog in einer besondern Audienz empfangen und später zu der erzherzoglichen Tafel geladen. Welches Aufsehen diese Auszeichnung verursacht, können Sie sich um so mehr denken, als bis jetzt noch keinem Israeliten in Oesterreich die Ehre, bei irgend einem Mitglied der kaiserlichen Familie diniren zu können, widerfahren ist. Donaufürstenthümer. Bukarest, 28. September. (Privatmitth.) Um auch auf literarischem Wege der abscheulichen Broschüre Praschtia entgegenzutreten, hat Herr Dr. Barasch die von ihm ins Wallachische übersetzte Mosenthal'sche Tragödie Deborah dem Druck übergeben, und arbeitet in diesem Augenblick an einer Anti- Praschtia. Auch überträgt Herr H. P. Krassensohn, Lehrer des Hebräischen an unserer israelitischen Hauptschule, der sich hier schon so viele Verdienste erworben, das bekannte Löwensohn'sche tr»"» osn ins Romänische. Es ist nur zu bedauern, daß zu gleicher Zeit im Innern der Judenheit allhier so viel Spaltung vorhanden, und so manches fanatische Stückchen gespielt wird, das aber nur gegen sich selbst, nicht gegen Andersgläubige gerichtet ist. Frankreich. Hegenheim im Oberelsaß, 12. September. (Privatmitth.) Wir Deutsche sind gewöhnt, das französische Judenthum mit ganz andern Augen anzusehen, als es sich in der Wirklichkeit zeigt, und sind manchmal zu sehr von dem Vorurtheil befangen, daß in Frankreich, wo die Bekenner unseres Glaubens vollständig emancipirt und ihnen alle Staatöämter geöffnet sind, die Religion in den Hintergrund trete. Dem ist aber nicht so. So viel ich bei meinem halbjährigen Hiersein zu beobachten Gelegenst hatte, herrscht hier ungeheuchelte Religiosität; der Jude schämt sich nicht — wie es in Deutschland leider gar zu oft vorkommt — seines Glaubens willen und ist stets bereit, für ihn in die Schranken zu treten. Seine Religion ist eben so gesetzlich anerkannt, als die der Majorität, und wenn auch, wie Sie aus den „Archive»“ entnom- 43