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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-10-18 · Heft 43 (18.10.1858) · p. Seite 591

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 43 (18.10.1858)
Date
1858-10-18
Page
Seite 591 (sequence 7)
Language
German
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591 Er befindet sich im Morgenblatte deS Wanderer vom 14. September und — bietet er auch nichts Neues, so scheint er mir doch in einer Allgemeinen Zeitung des JudenthumS am rechten Orte. „Sanok, 6. September. Der Handel geht nun des heranrückenden jüdischen Neujahrs wegen einer kleinen Stagnation entgegen. Aus demselben Grunde lichten sich in hiesiger Gemeinde die Reihen der Chassidimsecte, indem sie das Neujahrsfest, wie auch den Versöhnungstag in Orten zuzubringen streben, wo die sogenannten Wundermänner Hausen. Der größte Strom der chassidimschen Pilger wälzt sich Heuer nach Sada-Gora in der Bukowina, wo ein Nachkomme des berüchtigten „Rabbi Soul" den pythischen Dreifuß. inne hat. Die Wunder, welche er nach der Meinung der Menge übt, sind bisweilen höchst komischer Natur, in der Mehrzahl aber, um gelinde zu sprechen — unsinnig. Jedenfalls macht der gedachte Wundermann keine schlechten Geschäfte, so daß ihn so Manche, welche eben so wenig als er wissen, beneiden, und auf eigene Faust Wunder zu wirken beginnen. Vor geraumer Zeit hatten zwei Chassidim eines benachbarten Städtchens beschlossen, auf diese Weise Geld zu erwerben. Da bekanntlich Niemand in der Heimath ein Prophet ist, zogen sie in die Ferne. Der Eine von ihnen repräsentirte den Wundermann in persona, während der Zweite den Geheimsecretär abgab. Als sie so eines Freitags fürbaß gingen, begegneten sie einem Bauer, der lebendige Fische zu Markte trug. Sie kauften ihm diese ab, und wandelten weiter, bis sie endlich in einer Dorfkneipe bei dem daselbst wohnenden Juden um eine Sabbathherberge nachsuchten. Der weniger gebildete Propinator war froh, einen Rabbi beherbergen zu können, und gewährte mit Freuden die Bitte. Die Frage, ob er für den Samstag Fische habe, mußte er zu seinem Leidwesen verneinen, fügte aber hinzu, er möchte so und so viel geben, wenn er sie bekommen könnte. Diesem wollte der „Rabbi" abhelsen, wenn sich nur ein Teich oder ein Brunnen in der Nähe befände, und als man ihn von der Eristenz eines solchen in Kenntniß setzte, ging er hin, sagte: „ich will Fische zum Samstag haben!" und siehe da, die unS wohlbekannten, dem Arendator aber unbekannten Fische schwammen in die Hände des Rabbi! Ein an? dermal kamen sie ebenfalls in eine seitwärts gelegene Dorfschenke „aus Samstag". Während sich nun Alles über die Ankunft des Rabbi freute, benutzte der „Geheimsecretär" die Gelegenheit, und führte zwei Pferde deS Arendators in den Wald hinein, wo er sie im Dickicht an einen Baum gebunden stehen ließ. Die Verwirrung über den erlittenen Verlust war groß, aber der Wundermann versprach daS Wiederfinden der Pferde, wenn der Eigenthümer zu ihm nur Zutrauen haben werde. Der Arendator versprach dieser Bedingung nachzukommen, während in seinem Innern daran einige gelinde Zweifel aufstiegen. Es verstrich nun der Freitag und auch ein guter Theil des Samstags und die Pferde wurden nicht gefunden. Da raffte sich mm der Rabbi auf und rief recht laut: „Ich will nicht früher essen, bis nicht die Pferde gefunden sind", und ließ hierauf eine gründliche Untersuchung des Waldes und der Umgegend anstellen, deren Resultat das Wiederfinden der Pferde war! Am Ende erging es den beiden Rabbis dennoch sehr schlecht, denn als sie eines TageS weiter wunderten, eilte man ihnen wie den Brüdern Josephs nach, und fand auch beim eigentlichen Wundermann eine — Uhr, die auf der letzten Herberge plötzlich abhanden gekommen. Dieses Wunder soll nach der Versicherung Eingeweihter auf ganz natürlichem Wege vor sich gegangen sein! „Schließlich sei mir gestattet, eines tragischen Vorfalles aus der Chassidimwelt zu erwähnen. Ein Rabbisohn aus dem Sandecer Kreise hatte ein vierjähriges Töchterlein. Dieses mußte nun nach altem Brauch verlobt werden, damit eS „lange lebe". Es fand sich auch bald ein vier Jahre altes Knäblein, das vollkommen den Anforderungen entsprach, und die beiden Väter schloffen nun den Ehecontract. Als nun der erstgenannte Vater mit der Freudenbotschaft heimkam, war die Braut ein Opfer der Masernepidemie geworden." Aus Galizien, Anfangs September. (Privatmitth.) No. 188. des „Wanderer" bringt einen Artikel aus Ostgalizien, der auch den Lesern dieses geschätzten und weitverbreiteten Blattes mitgetheilt zu werden verdient. Er lautet wie folgt: „Von den zahlreichen Landgütern OstgalizienS sind einige vollberechtigtes Eigenthum israelitischer Agronomen, die factisch darthun, daß der Wucher nicht allein der Israeliten Bestimmung ist, wie ein Gelehrter des „Czas" neulich bemerkte. Aecker und Wiesen befinden sich im besten Zustande, und das Verhältniß zwischen Gutsbesitzern und der größtentheils christlichen Bevölke-

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