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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-10-18 · Heft 43 (18.10.1858) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 43 (18.10.1858)
Date
1858-10-18
Page
Seite 590 (sequence 6)
Language
German
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580 nachbartcn Provinz, nämlich dem Großherzogthum Posen. — In Bojanowo (das bekanntlich im Jahre 1857 ganz abbrannte) ist am 31. v. M. der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt und bei der hiermit verbundenen Feierlichkeit, zu welcher auch viele auswärtige Gäste erschienen waren, Seitens des Herrn Rabbiner Meyer Landsberg ein sehr ergreifender Vortrag gehalten worden. — In Oftrowo hat der Synagogenbau, — welcher daselbst schon vor anderthalb Jahren begonnen wurde — eine lange Zeit ganz gestockt, soll aber neuerdings wieder ausgenommen worden sein und nunmehr so schnell wie möglich seiner Vollendung entgegengeführt werden. — In Jnowraclaw und Liffa wird künftighin bei Repräsentantenwahlen nach dem DreiclassencensuS verfahren werden. — Von Liffa sei außerdem noch erwähnt, daß der Vorstand des vor einigen Jahren daselbst gegründeten „Kranken-UiiterstützungS- und Beerdigungsvereins" (Chewra Kadischa) unterm 24. Juni c. die Statuten vollzogen hat, welche — nachdem sie vom Gemeindevorstand bestätigt waren — in sehr vielen Eremplaren gedruckt und Anfangs v. M. unter die Vereinsmitglieder verthcilt wurden. Nach sch r. So eben lese ich in der BreSl. Ztg. vom heutigen Datum eine Mittheilung aus Bernstadt (in Schlesien), nach welcher am 9. d. M. ein dortiger 8jähriger Schuhmachersohn, der das Unglück hatte, in den gerade hochangeschwollenen Weidefluß zu stürzen, durch die Beherztheit des jüdischen Gastwirths Pringsheim vom sichern Tode gerettet wurde. Bei dieser Gelegenheit macht der Berichterstatter eine Schlußbemerkung, — so außerordentlich naiv, daß ich mich nicht enthalten kann, sie hier wörtlich wiederzugeben: „Der Tag dieses Vorfalls war ein jüdischer Festtag, an welchem das mosaische Religionsgesetz seinen Bekennern die Enthaltung von jeder Thätigkeit gebietet; der Retter zeigte sich aber hierin vorurtheilsfrei und folgte dem Gebote der Nächstenliebe." — Was soll man hierzu sagen? — Oesterreichischer Kaiserstaat. Eisenstadt, 20. September. (Privatmitth.) Der hiesige Herr Rabbiner hat einen offenen Brief an den Redacteur der Monatsschrift Ben Chananja Leopold Löw in Szegedin gerichtet. Eigenthümlich genug; sonst hatten wir Juden zu kämpfen, daß man bei Zuschriften von Behörden uns den Titel „Herr" lasse, und da schreibt ein Rabbiner dem andern und verletzt aus dem Titelblatte die einfachste Höflichkeitsrcgel. Herr Rabbiner Löw hat nämlich mit seiner bekannten Geistesschärfe die Schwächen des Programms aufgedeckt, über welches ich Ihnen ebenfalls berichtete. Es gehet mich dieses weiter nichts an; aber so lobcnswerrh auch so viele Eigenschaften unseres Herrn Rabbiners sind — das Schriftstellern ist nicht seine starke Seite. Er ist ein treuer Anhänger Hirsch's in Frankfurt und will in derselben Weise schreiben, aber er kann es nicht; heißt eS doch auch irrrva D'toinn ■»j» “pN -M8. Es muß wiederholt werden, daß die wahren Freunde des Rabbiners, die eben seinen Eifer und seinen Fleiß zu würdigen wissen, ihn von der neu eingeschlagenen Bahn in der Oeffentlichkeit abrathen müssen. Die Herren Rappaport, Luzzato rc., die in dem offenen Briefe wegen „Zerstörung der Tradition" rc. angeklagt werden, mögen sich selbst vertheidigen. Wer aber außer dem Großmeister ist noch als „guter Jude" zu betrachten, wenn auch diese verketzert werden? — Wien, 28. September. (Privatmitth.) Die Feiertage gehen ruhig dahin. Beide Tempel waren während der hohen Festtage gefüllt; auch mehrere Minjanim waren gestaltet. Als Curiosum will ich Ihnen mittheilen, daß der Besucher eines Minjan ein Mannheimer'scheS Gebetbuch hatte und der Vorsteher dieser Jnterimsbetstube, der Hochorthodoreste der Hochorthodoren, nahm dieses Gebetbuch weg. Ist wohl die päpstliche Censur strenger? Es giebt doch eigenthümliche Käutze. Unter den Mitgliedern der 18. Versammlung deutscher Philologen, Schulmänner und Orientalisten hier in Wien befinden sich folgende Israeliten: vl)r. M. Büdinger, Bärwald, G. Wolf, A. Jellinek, S. Hammerschlag, L. Frankl, Pinsler aus Wien und vr. H. Grätz aus Breslau. Se. Ercelleuz der Herr Minister des Innern Freiherr v. Bach hat von den Geldern, die demselben bei Gelegenheit der Geburt des Kronprinzen zu wohlthätigen Zwecken übergeben wurden, auch die jüdischen Anstalten dieser Richtung bedacht. Die Kinderbewahranstalt, das Taubslummeninstitut, der Kreuzerverein rc. erhielten je 500 Fl. Sanok, Mitte September. (Privatmitth.) Ich bin so frei, Sie hiermit um gefällige Aufnahme des nachstehenden Artikels in dieses treffliche Blatt zu bitten.

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