Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 43 (18.10.1858)
- Date
- 1858-10-18
- Page
- Seite 589 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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589 ausgenommen wurden, nicht ungehört verhallen und in unser, nun äußerlich schön geziertes Gotteshaus auch ein anderer Geist der Ordnung und Andacht, des Friedens und der Eintracht einziehcn. Preußen. Schwerfenz, im September. (Privatmitth.) Wenngleich in Ihrem geschätzten Blatte noch selten von hier auS ein Bericht erschienen ist, so ist hieraus nicht etwa zu schließen, daß hier nichts BemerkenSwcrthes sich ereignet; im Gegentheil, die Gemeinde Schwersenz zählt, abgesehen davon, daß sie eine der größten in der Provinz Posen ist, auch zu den auf dem Gebiete der Religiosität, des Schulwesens und der Ausübung von Wohlthätigkeit mit zu den hervorragendsten. DaS Schulwesen, welches vorzüglich Beachtung verdient, ist eS, worüber ich mir heute zu berichten erlaube. Die hiesige jüdische Gemeinde hat eine dreiclassige öffentliche Elementarschule mit drei Lehrern, nämlich den Herrn Dienstag, Lcffer und Kaufmann. Schon mehrfach wurde dieselbe wegen ihrer besonders guten Leistungen Seitens der königl. Regierung zu Posen belobt und in der That verdient sie eS auch. Die Lehrer wirken mit unermüdlichem Eifer, wovon die jüngst abgehaltene öffentliche Prüfung genügend Zeugniß ablegte. Ganz besonders erfreulich war der Unterricht in der biblischen Geschichte. Den Religionsunterricht ertheilt der Herr Rabbiner vr. Joel, worin aber zu unserm Bedauern nicht geprüft wurde» Neben der Elementarschule besteht hier noch eine vierclassige, erst im Jahre 1857 reorganisirte hebr. Schule, an welcher vier Lehrer wirken, worüber ich nach der bevorstehenden öffentlichen Prüfung näher zu berichten mir Vorbehalte. Zu bedauern bleibt eS nur, daß die Jnspection der hebräischen Elementarschulen christlichen Seelsorgern anvertraut ist. — Weit entfernt, dem hiesigen Schulinspector, Herrn Pastor Thönert, diesem Manne von Intelligenz, zu nahe treten zu wollen, wäre eS doch wohl angemessener, wenn die königl. Regierung die Jnspection über jüdische Elementarschulen dem betreffenden OrtSrabbiner übertragen wollte, namentlich in Gemeinden, in denen wie in hiesiger, ein Dr. Joel wirkt. Mögen doch die jüdischen Gemeinden Preußens vereint die königl. Regierung darum ersuchen; alsdann können wir hoffen, daß die Zeit nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, wo das humane preußische Gouvernement auch dieses Recht den jüdischen Gemeinden verleihen werde. Alö Neuigkeit habe ich noch mitzutheilen, daß in diesen Tagen ein hiesiges Gemeindemitglied im Alter von circa 108 Jahren verstarb, das bis kurz vor seinem Tode noch rüstig war und selbst den Sabbath vorher noch den Gottesdienst in der Synagoge besuchte. Aus Schlesien, 14. September. (Privatmitth.) Inmitten der Gemeinde Gr. Glogau hat die Einführung des neuen Leichenbestattungs-Regulativs einen heftigen Conflict zwischen der Gemeindeverwaltung und dem Vorstande der sogenannten Chewra Kadischa hervorgerufen, da Letzterer sich entschieden gegen jede Neuerung im Bcerdigungswesen aussprach. Die Gemeindeverwaltung hat sich demnach genöthigt gesehen, die Entscheidung der königl. Regierung herbeizuführen, welche nun natürlich zu Gunsten des Regulativs ausfiel. Demgemäß soll nunmehr mit der definitiven Einführung desselben alsbald vorgegangen werden. — Die Errichtung einer Religionsschule, an welcher mehrere Kräfte wirken sollen, steht dort auch in ganz naher Aussicht. Endlich sollen noch durch die Aufnahme eines Rabbinats- Asseffors dem zeitigen Rabbiner und Prediger der Gemeinde seine amtlichen Functionen möglichst erleichtert werden. — . In Sohrau (Oberschlesien) macht man nun endlich auch ernste Miene, die längst projectirte Gemeindeschule ins Leben treten zu lassen. Doch sollen an derselben vorläufig nicht mehr als zwei Lehrer angestellt werden. Ein daselbst privatisirender Candidat der evangelischen Theologie soll, wie wir erfahren, sehr gegründete Aussichten haben, an dem zu errichtenden Institute eine Stelle zu erhalten. Wird es dann noch ein spccifisch-jüdisches sein? Die Gemeinde Beuthen in Oberschlesien ist im verflossenen Sommer von einem daselbst geborenen, aber seit Jahren zu Santa Fe im Staate Neu-Merico (Nordamerika) wohnenden außerordentlich reichen Israeliten, Namens Salomon Beutner, besucht und Seitens desselben mit mehreren großartigen Schenkungen bedacht worden. Zum Schluffe noch einige Notizen aus einer be-