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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-10-11 · Heft 42 (11.10.1858) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 42 (11.10.1858)
Date
1858-10-11
Page
Seite 580 (sequence 10)
Language
German
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580 Daß eS so kommen würde, daß der gemeine Mann daS Licht der religiösen Aufklärung nicht nur nicht vertragen, sondern auch der GlaubenSzweisel in ihm wach gerufen werden würde, haben Diejenigen, für die dieses Licht wohlthuend ist, indem es ihr Auge erleuchtet und ihr Her; erwärmt, längst gewußt, und die schlimmen Folgen, die eS für den Stumpfsinnigen haben würde, im Voraus erkannt und bedauert. — Sie haben gewußt, daß der Blöde mit der religiösen Form auch die Religion aufgebcn, mit dem Bade auch das Kind ausschütten würde.*) Diesem Uebelstande abzuhelfen, die einzig und ewig wahre Religion MoschehS von ihren Schlacken zu reinigen und sie in ihrer alten, ursprünglichen Glorie wieder darzustellen, war ja der hochwichtige und hochheilige Zweck der weiland abgehaltenen Sitzungen von den gelehrtesten, tüchtigsten Rabbinern Deutschlands. Diese großen Männer jüdischer Wissenschaft, auf die wir Israeliten wahrlich stolz sein können, haben vor aller Welt die Gründe darthun wollen, welche viele von unseren religiösen Gebräuchen und Gewohnheiten früher bei ihrem Entstehen für sich hatten, während sie jetzt nicht nur nicht ihrem Zwecke entsprechen, sondern sie erschweren und verbittern ohne Roth daS Leben des Israeliten ungemein. Gedachte Herren wurden aber nicht nur nicht angehört, sondern von einer lichtscheuen Brut als Ketzer allgemein verschrien — und anathematisirt. Seit ungefähr zwei Jahrzehenden bestrebt sich so mancher ■'“rir, sein eigener Reformator zu sein, welche Ungeschicklichkeit, Taktlosigkeit er aber als Laie und Ungelehrter bei der an sich selbst vorzunehmenden geistigen Wiedergeburt an den Tag legt, lehrt die tägliche Erfahrung. . Während dieser Pseudo-Reformator beispielsweise erst gestern die wichtigsten religiösen Wahrheiten, als die Eristenz GotteS, Unsterblichkeit, Bestrafung und Belohnung, öffentlich als das Werk müssiger Pfaffen, alS Lug und Trug ausgab, und über derlei Chimären, wie er sie nannte, hohnlächelnd triumphirte, und man ihn auch daS Ceremonialgesetz mit Füßen treten *) Aber weiß auch der Corrcsp., warum und wodurch es so kommen mußte? Weil man in den vorangegangenen Jahrhunderten die Leute hat „stumpfsinnig" gemacht, weil man ihnen die Form, und nichts al» die Form gegeben, und daS Licht für sie ausgelöscht hat! Die Redact. sah, sieht man ihn heute den l'vn spielen, jede religiöse Satzung engherzig und haarspaltend ausüben, und morgen Religion und Form als lästige Dinge wieder über Bord werfen. Die Jugendbildung unserer Glaubensgenossen zu Körmend lag bis ungefähr vor drei oder vier Jahren sehr im Argen. Die Knaben erhielten bloS den nothdürftigsten Unterricht im Hebräischen von großentheils solchen Lehrern, die noch selbst einen Unterricht benöthigten; die weibliche Jugend hingegen wurde fast gänzlich in Unterricht und Bildung vernachlässigt. Erft in neuester.Zeit fingen die dortigen Schulväter an, denen die pecuniären Mittel es gestatten, für einen zweckmäßigen Unterricht ihrer Kinder beiderlei Geschlechts mehr Sorge zu tragen, und die Herren Lehrer Salomon Cohn, von Preußen gebürtig, und Weiseles aus Böhmen wissen dem Vertrauen durch Lehrgeschicklichkeit und Berufstreue, welches ihnen von Seiten der Eltern, Ersterem seit 1 Va, Letzterem ungefähr seit 2'/r Jahren geschenkt wird, vollkommen zu entsprechen. Ihrem energischen, thatkräftigen CultuSvorsteher, Herrn Ignatz Rechnitzer, hat eS die israelitische Gemeinde zu Körmend zu verdanken, daß sie ein neueS, erst voriges Jahr aufgebautes, aus vier Schulzimmern bestehendes, recht schönes und ganz geeignetes Schulhaus besitzt, wiewohl eS noch der Thüren, Fenster und des gebretterten Fußbodens u. A. m. entbehrt. Die Gemeindeglieder leben in Zerwürfniß mit ihrem Cultusvorstande, wollen daher den auf jedes Mitglied entfallenden Theil zum Schulhause nicht zahlen, und daS Schulhaus konnte daher bis jetzt weder gänzlich vollendet, noch seiner Bestimmung zugeführt werden. Vorigen Monat wurde im hiesigen Tempel ein frecher Raub nächtlich verübt. Entwendet wurden eine silberne Lumpe, Tan id, zwei Paar wipti •'bs, ein silberner Becher, eine silberne t>, eine Gewürzbüchse von Silber. Von einem wurden die Goldborten abgetrennt und ebenfalls mitgenommen. Der Verlust beläuft sich, wie ich später erfuhr, auf 4—506 Fl. C.-M. Der fromme, edle Sinn des Herrn Michael Graner von Körmend und dessen biedere Gemahlin ließen es nicht zu, den Tempel des *p»n "w auf längere Zeit beraubt zu wissen, und so hat diese wackere Familie das Verdienst, den Verlust deS alten durch ein neues, dem alten nicht nachstehendes, ebenfalls silbernes ->d mittelst gemachter Spende zu ersetzen.

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