Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1858)
- Date
- 1858-10-04
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
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und einen, der den Namen Doctor führte, zu Vorstehern aufnahmen, und gaben vor, als wollten sie dm bis nun schlecht besetzten Rabbinerposten mit einem Manne remplaciren, der, verbunden mit talmudischer, Gelehrsamkeit, auch wissenschaftliche und Sprachbildung besitzen sollte, damit er mit moralischer Kraft und religiösem Eiser das Lehrinstitut leiten, und das sittliche Wohl der Gemeinde nach Innen und Außen vertreten und fördern könne. — So Einen glaubten sie an Herrn M. L. Malbin aus Kämpen zu finden, zeigten als Oualisications-Atteste die durch Herrn Malbin's Correspondenlen hier cireulirenden Briefe verschiedener Gemeinden, wie Wilna, Krakau u. s. w. darunter ein Schreiben von Malbin, in welchem er betheuerte, wissenschaftlich gebildet und in fremden Sprachen, besonders in der deutschen, so mächtig zu sein, daß er im Stande sei correcte Predigten in derselben zu halten. 2^nb atrri •»rarr*» wdiö« ym>b oa" „D->733> yn8 *2£>b 8122 m*b "1218 sind die Worte Herrn Malbins 'wiwbai inros, — Was geschah jetzt? -— ,,«b h ■'s ri8i ,üT2» inp^i ib8w" oder mit andern Worten: Herr Weinberg und seine Gesinnungsgenossen ließen sich von solchen Alfanzereien bethören, und befragten nicht den Ausspruch Gottes durch seine Weisen,, die als Volkslehrer in Israel anerkannt sind, denn da war keine Bedenkzeit übrig, da Herr Malbin eine Komödie durch seine Chassidim vorstellen ließ, wie die größten Gemeinden uns hinter dem Rücken ständen, um unser Nein- oder Bedenkungswort abzulauschen und augenblicklich uns das Kleinod wegzufischen z daher wurde ihm schnell das maSTons zugeschickt; richteten indessen durch den unwiderstehlichen Willen Herrn Weirrberg's ein Schreiben an Herrn Groß- Rabbi, worin die Situation von Bukarest und die erforderlichen Fähigkeiten und Sprachkenntniß eines ihr entsprechenden Rabbiners deutlich geschildert wurde. Allein Herr Malbitt in seinem Bewußtsein Ze6nah-Ur£nah ""W82 nr8-n gelesen und wohl verstanden zu haben, machte fich daraus kein Gewissen und versicherte salbungsvoll in Allem Genüge leisten zu können: Leitung der Schule, Predigt zur Zufriedenheit der verschiedenen Parteien, wissenschaftliche Bildung, Kmntniß der Sprachen, mit den löblichen Landesbehörden und den resp. Konsulaten bei Gelegenheit von Ehe- und Civilprocessen, die einem Rabbiner von Jenen, zugeschickt werden, correspondiren zu können; kurz alles, gleich jenem Quaksalber mit seinen Universal-Pillen. — Nun kann man sich einigermaßen vorstellen unser Erstaunen gleich bei seiner Ankunft, als dieser hochgebildete und sprachkundige Rabbi, dieser deutsche Cicero in seiner deutschen Mundart nicht einmal verstanden wurde von den adeligen Besuchern, die die Neugierde trieb, diesen Nestor der Juden kennen zu lernen. — Und wie beschämt wir dastanden, bei Gelegenheit einer Zusammenkunft des ganzen Vorstandes und einiger Notablitäten im Staatanwaltsschaft-Bureau (Vornicia), als dessen Chef-Secretair, der ein besonderer Sprachkenner ist, sich ironisch äußerte: Mehrere deutsche Mundarten zu verstehen , nur nicht das chachamisch Deutsche des hochgelehrten Rabbi! Denn in der That sind die Ausdrücke bemolden statt gemeldet, Ech Dem a Wank statt ich könnte wanken, fast unverständlich. Herr Weinberg, der seine Zustimmung zu dessen Hierbleiben verweigerte, wurde von einem Haufen Gesindel umringt (wahrscheinlich auf Jemandes Anstisten) und seiner Ruhe unsicher zu sein bedroht. Er zog sich daher vom Vorstande zurück. Herr Malbin ging noch weiter, suchte durch schlaue Pläne der ganzen Sache eine andere Wendung zu geben. — Er suchte nämlich nach dem alten Sprüchworte, „das Netz vor die Fische zu fangen", den Vorstand eines Betruges gegen ihn in seiner Draschah anzuklagen: daß man ihm nicht im Voraus detaillirt hätte, daß die Gemeinde-Cyngregationen hier aus den fremden Schutzgenoffen nach Belieben von dem Hauptvorstande der Raja's und dessen gewählten Rabbiner unabhängig sein könnten und selbst die Bestätigung eines Rabbiners wie die des Vorstandes Seitens der hiesigen Regierung gesetzmäßig nur auf zwei Jahre geschehen kann, wodurch eine Möglichkeit eintreffen könnte, daß einerseits die fremden Gemeinden einen andern Rabbiner aufnehmen, anderseits, daß bei dem etwaigen neuen Vorstande aus einen neuen Rabbiner debattirt werde. Er forderte daher in einer Schabas - Draschah den ganzen Pöbel auf, den heiligen Ausspruch zu vernehmen, daß ihm nämlich Satisfaction geschehen müsse