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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-10-04 · Heft 41 (4.10.1858) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 41 (4.10.1858)
Date
1858-10-04
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Außerordentliche Beilage zu No. 41. der Allgemeinen Zeitung des Judenthums. Bukaresl, 21. September 1858. Es liegt in der Natur des Menschen, daß ein leidendes Herz sich erleichtert fühlt, wenn es seine Schmerzen einem Andern und zwar einem Leidensbruder, der cs besser verstehen wird, mitthellt, umsomehr fühlen unsere Glaubensgenossen, die mehrere Jahrhunderte gemeinsames Leiden ertragen, wie Zwillingsbrüder, im äußersten Westen ein ihren Brüdern in Osten widerfahrende Kränkung. Wir sind daher so frei, Herr Redacteur, unsere mißliche Lage eo detail den geehrten Lesern Ihres geschätzten Blattes vorzntragen, damit Jeder den Hergang der Dinge näher kennen lerne und einen richtigen Begriff von dieser neuen ungünstig beginnenden Aera auszufaffen im Stande sei. — Mit Beginn des letzten Deceuniums fing an ein Gefühl für Civilisation und Fortschritt in unfern Judengemeinden hier rege zu werden. Den ersten Schlag vom geistigen Leben gaben einige gutgesinnte Mitglieder der österreichischen Judengemeinden durch ihre Normalschule, damals unter Leitung des Herrn vr. Barasch. Gleich darauf schritt der damalige isr. Walach. Vorstand, der zur Zeit von gutgesinnten Gliedern, worunter Herr I. L. Weinberg als Vorsteher fungirte, besetzt war, zu dem Unternehmen, eine öffentliche isr. Hauptschule bei der löbl. Regierung zu bewirken. — Er sorgte zugleich (zumal in einem Lande, wo die europäische Civilisation bei den Israeliten noch in Dämmerung ist) für ihre Fortdauer, indem er mit Beistimmung des ganzen Vorstandes dieselbe ganz unter Verwaltung und Leitung der löbl. Ephorie des öffentlichen Unterrichtes stellte,.nebst einem für imme aus der Gemeinde gewählten Schul-ComitL, damit dieselbe der Inkonsequenz eines etwaigen Vorstandes oder des gewöhnlichen Jndifferentismus der Geneeinde nicht ansgesetzt sei. — Und in der That, nur jenen vorsichtigen Maßregeln hat nran zu verdanken, daß sie bereits seit dem Jahre 1852 trotz aller sie bedrohenden Stürme eristirte, wobei die Ausdauer und Energie des Lehrpcrsonals vielleicht nicht zu übersehen ist. Der Vorstand nämlich zögert sehr oft mit dem an die löbliche Ephorie zu entrichtenden Schulgelde unter verschiedenen Vorwänden; das Lehrpersonal hingegen erträgt alle materiellen Unannehmlichkeiten mit beispielloser Geduld, und jeder sucht desto eifriger seinem Beruf zu entsprechen; daher erfreut sich das Institut nach Verhältniß der Zeit und Umstände des besten Erfolgs, wie ein jeder Sachkundige es mit Freude einsieht. Mit Beginn des laufenden JahreS warf sich ein neuer Vorstand mit aller Gewalt an die Spitze der Gemeinde auf, darunter solche Mitglieder, welche noch längst im Sinne hatten, dem romänischen Israeliten seinen für Civilisation und Fortschritt enrpsänglichen Geist im Keime zu ersticken und ihn um ein paar Jahrhunderte zurückzuführen. Hierzu sich zu schwach fühlend pflogen sie deswegen eine Correfpondenz mit einer Person, die stch dazu berufen und mächtig glaubte. (Der Rabbi zu Kämpen). Um aber keine Gegner in der bessern Partei zu finden, suchten sie dieselben zu beschwichtigen, indem sie einen für Fortschritt empfänglichen Bekannten,

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