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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-10-04 · Heft 41 (4.10.1858) · p. Seite 564

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 41 (4.10.1858)
Date
1858-10-04
Page
Seite 564 (sequence 8)
Language
German
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564 und Schätze und Ehren der Erde. Komm, tritt zu uns, fluche mit uns dem Leben oder der Asche Deiner Vater und Brüder...." Nun, zählt doch die feigen Schaaren, die daS Lager ihrer Brüder verließen, ihre Ueberzeugung vcrläugneten, Gott und Glauben verriethen! War ihnen Geld und Gut und Reichthum und der Erde Glanz und Stellung mehr, als das höchste Gut? Und die und deren Asche entweihet Ihr durch den unverdienten Schimpf, sie hätten nur ein Glück und ein Streben gekannt, das der gemeinen Habgier?"- So weit von dieser eleklrisirendcn Predigt, von der eigentlich gar kein Auszug gemacht werden kann, da jeder Satz Jöofl hoher und ächter Begeisterung ist. Die erste Auflage war am ersten Tage vergriffen und jetzt geht es so mit der zweiten. Die Käufer waren zum größern Theile Christen, und das Publikum im Allgemeinen freut sich dieser letzten Schlappe, die der fromme „Kirchentag" hier erhält. Am Sonnabend, während einer Sitzung unseres Handelsgerichts, verfaßte ein junger Advocat folgendes Impromptu, das sogleich mit ungeheurem Applaus seinen Weg ins große Publikum fand: Der Kirchentag hat hier Vier Tage zugebracht: Unmittelbar darauf Begann die „lange Nacht".*) Uebrigens vollendete sich das hiesige FiaSco des Kirchentages durch unflätige Skandakgeschichten, in denen mehrere seiner Mitglieder hier verwickelt waren. Ein Localblatt, „die Reform", das 15,000 Eremplare auflegt, und über dieselben actenmäßig berichtete, mußte innerhalb drei Tagen noch vier Nachauflagen machen. Wir Juden, die natürlich bei allen diesen Vorgängen, in so weit wir nicht direct attakirt waren, uns völlig retire hielten, haben indessen wohl Grund, uns eines solchen Ausgangs zu freuen, da es unS nicht entgehen kann, daß der plumpe Angriff deS Herrn Mallet nicht allein dasteht, fondexn daß die Organe der „frommen" und sogar der halbfrommen Parteien überall aufs Neue anfangen ihre Netze nach uns auSzuwerfen. *) Woher mag die in Norddeutschland so allgemein verbreitete Benennung „lange Nacht" für unfern Jom Kippur wohl entstanden sein? Corresp. Haben denn die Verhandlungen deS Kirchentags in Hamburg, dieser Versammlung gelehrter und zum Theil gutartiger Männer gar Nichts geliefert, . auS denen wir unS „das Beste herausnehmen" können? Ja wohl. Sie haben gesprochen über die Seelsorge und die „innere Mission" unter dem Titel: Ueber das Recht der Gemeinden auf specielle Seelsorge." Und daraus haben wir lernen können, daß „Seelsorge" und „innere Mission" eigentlich auf gut deutsch heißen: Ohrenbeichte. Nun, bei unS Juden heißt es schon längst: Wenn Du sorgen willst, sorge für meinen Körper, für meine Seele will ich schon selbst sorgen. Zweitens haben sie gesprochen über staatliche und kirchliche Armenpflege, natürlich mit besonderer Betonung der letzteren. Nun, wir Juden haben überall eine kirchliche Armenpflege; aber unsere „Kirche" besteht eben nicht aus den Kirchenbeamten, sondern auö den Mitgliedern selbst; , und deshalb ist eS auch in Deutschland, trotz dem berühmten Verfasser deS „Chaurew", nicht dahin gekommen, daß die öffentliche Unterstützung nach der Tiefe des Modimbückes bemessen wird. Sie haben auch gesprochen über den Mißbrauch der gerichtlichen und öffentlichen Eide. Da können wir auf unfern Jore Deah verweisen, da können sie lernen, wie sparsam man mit EideSzuschicbung umzugehen habe» Um nun nicht mit Ucbelm zu schließen, will ich erwähnen, daß ein hiesiger, mit Hinterlassung eines mäßigen Vermögens verstorbener jüdischer Kaufmann 5 Legate von je 1000 Mark vermacht hat; dem jüdischen und dem christlichen Krankenhause, dem Tempel, der israelitischen Freischule und der Maklerwittwenkasse. Preußen. Magdeburg, 20. September. (Privatmitth.) Wenn die zum 25jährigen AmtSjubiläum deS Rabb. Dr. Philippson eingelaufrnen zahlreichen Adressen und Glückwunschschreiben aus allen Ländern von der einen Seite die den Jubilar ehrende Anerkennung bezeugen und erweise», daß auch die Israeliten sür ein reges und redliches Streben Herz und Sinn haben, so geben sie andrerseits in ihrer Abfassung abermals den erfreulichen Beweis, welche Bildung, namentlich welche meisterhafte Gewandtheit in der deutschen Sprache die Juden auch in den kleinsten Orten, in den entlegensten Winkeln und in allen Schichten und Ständen sich erworben haben.

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