Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1858)
- Date
- 1858-10-04
- Page
- Seite 562 (sequence 6)
- Language
- German
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562 uns nicht zu- und nicht beikömmt, zu fragen, ob mit solcher Vereinigung in Wahrheit so viel gerühmter Opfermuth verbunden sei, da den Vereinigten Glanz und Ehre weil mehr als irgend ein Märtyrerthum zur Seile und in Aussicht stehen; bei welchem wir auch keinerlei Recht hätten und uns anmaßten, eine Stimme über den Werth der Reden und Verhandlungen zu geben, wenn diese Reden sich auf dem Boden der Lehre und des Bekenntnisses hielten, zu dessen Festigung gesprochen und verhandelt wurde. Aber — in den Reden der hier tagenden und predigenden Männer auö der Fremde ward von einem auch Israels erwähnt, wie es unter dem Fluche deS Himmels stehe; von den frommen Männern, den Sendboten der Liebe und des Friedens, war eS einer, der mit hochmüthigem Sinne und hochfahrender Rede im Namen der Religion der Liebe und des Gottes der Liebe — Haß und Verachtung predigte gegen Israel, der, schlimmer als Bileam, flucht, da er segnen soll, flucht Israel, in dem und in dessen Stamm gesegnet sein sollten alle Völker der Erde. — „Die Wahrheit schändende Stimme, die in unseren Mauern vernommen wurde, die spricht: Der Gott Israels, das ist der Gott der Rache, gnadenlos, unversöhnlich. Hört Jhr'S? Auch Ihr, die Ihr, unbekannt mit den Quellen unserer Religion, ein schönes Gleichniß, eine sittliche Vorschrift vernehmet und leset ans nicht jüdischen Bekenntnißschristen, solches nicht bloS lobet und preiset (wie ganz Recht ist), sondern die Ihr wähnet, unseren heiligen Schriften fehle doch so seelenvolle Poesie, solch tiefe und reine Moral.*) Hört Jhr'S? Nun, da Ihr die Lästerung vernommen, höret auch das Wort Euerer, unsrer Lehre: 2 Mos. 34, 6. 7.; 5 Mos. 10, 17. 18.; Psalm 36, 6. 103, 13.; 145, 9. — „Ich bin Jude, bete an den Gott des Himmels — was besagt dies Bekenntniß? „Der Gott der Juden, das ist der Nationalgott derselben, der Feind der übrigen Völker." Nicht wahr, das klingt wie Entweihung des Heiligsten? Und Ihr meint: So habe man in finsteren, vergangenen Tagen sprechen, solches *) Die Classe Juven und Jüdinnen, die der Redner hier im Auge hat, ist wohl sämmtlichen Lesern leider bekannt genug. Sie zeichnen sich aus durch eine besondere Abart von Rischus — freilich nicht, wenn, wie hier, sie mir beleidigt werden, ohne sich sagen zu können: ich bin nicht mit gemeint. in jenen Zeiten, um Haß zu säen, behaupten können, als das Wort unserer Gotteslehre nicht wie Gottes Sonne allen Augen leuchtete; unter Bekenntnissen, die dem Volke das Lesen der heiligen Schriften als Sünde bezeichneten. Ihr irret— Ihr irret: jetzt, in unseren Tagen, in unserer Stadt, vor einer protestantischen Bevölkerung, konntet Ihr diese Aussprüche vernehmen, sind sie vernommen worben. Was dagegen thun? Den Schild der Wahrheit nur halten wir diesem Trugbilde der Lüge entgegen — und dasselbe zerfließt. Höret das Wort unserer Lehre. So 5 Mos. 6, 4.; 4, 39.; 4 Mos. 27, 16. ff. — „Rühmt man und rühmte man aufs Neue die heiligen Forderungen und Gebote zur Heiligung des Lebens und der Thaten in den Bekenntnißschristen des auö dem Judenthum stammenden Glaubens — wir haben dagegen kein Work zu erinnern; wir gerade, als Israeliten, können deß uns nur in Gott um seines Wortes willen freuen. Aber — will man solchen Ruhm gründen auf Herabsetzung der Lehre Israels, und das hat man gewollt! da — da gebietet heilige Pflicht, unsre Stimme laut zu erheben. (Folgt eine Aehrenlese der herrlichsten Stellen, wie: 3 Mos. 19, 2. 13. 18. 32. 34.; Jerem. 7, 21—23.; Jes. 1, 11—18.; 58, 2—8.) Dann fährt der Redner fort: „Und das Volk, das die Männer solcher Verkündigung als seine gottgesandten Propheten ehrt und ihre Schriften als Richtschnur seines Lebens ansieht, und sie lehret seine Kinder — das stünd.e unter dem Fluche Gottes? Und der Gott, der Fluch wallen ließe über einem Volke Jahrtausende lang, wäre der „Gott der Liebe"? Ja, nur der Gerechtigkeit? O, nicht wir, sondern die Gemeinde, von der jene schmachvolle Entweihung des göttlichen Namens gehört wurde, — sie, sie mußte auflreten und rufen: Du lästerst, Du entwürdigest in solchen Worten Gott und das Bekenntniß, für welches Du zu zeugen vorgiebst!" „Aber die Werke, die der Glaube schafft! An den Werken wollen wir ihn, wie an der Frucht den Baum erkennen!-Ich folgte auch den Fragen und Bestrebungen der zum frommen Werke hier Versammelten. Da ist und war ja sicher viel Gutes. Ich las auch — und wohl auch Ihr — wie im Namen einer speciellen Liebe Werke der Wohlthätigkeit geübt, die Sorge für die Armen betrieben werben müsse. Ganz gut. Aber ich las und las wieder — ich fragte mich: Sollte das der mit so salbungsvollen Reden ge-