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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-10-04 · Heft 41 (4.10.1858) · p. Seite 561

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 41 (4.10.1858)
Date
1858-10-04
Page
Seite 561 (sequence 5)
Language
German
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56t manchen Zeitungsartikeln und in manchen Schichten des hiesigen Publikums wurden Stimmen gegen jüdische Ueberhebungen laut. Es läßt sich begreifen, wie froh wir waren, daß der Verlauf des Festes die günstige Gelegenheit hergab, das ohne unser Verschulden gerrübte gute Einvernehmen wieder herzustellen. Wir haben somit heute nicht sowohl ein Abschieds¬ oder Trennungsmahl, als vielmehr ein Vereinigungsfest gefeiert, indem wir durch Vermittelung einiger hervorragender christlicher Mitbürger offen unsere gegenseitige Achtung auSgetauscht haben. Gebe der Himmel, daß dies Veranlaffung zum ferner« Zusammengehen und zum Gedeihen unserer bürgerlichen Zustände führen möge. Zum Schluffe wurde Se. Ercellenz im Namen der Gemeinde vom Oberlehrer der Talmud-Thora, Dr. Goldblum, das Dr. Philippson'sche Bibelwerk zum Andenken überreicht und mit einer Ansprache begleitet. Nachschrift. 7. September. Die hiesige russische Zeitung, die das Festmahl sehr anerkennend und ausführlich bespricht (vom 6. September No. 100.) sagt zum Schluffe: ,,So endigte ein von Hebräern einem Christen zum Zeichen ihrer tiefen Achtung dargebotenes Festmahl. Eine an sich sehr bedeutsame Thatsache! es bedeutet, daß der jähe Abgrund im Verkehr zwischen Christen und Hebräern nicht mehr besteht — Aufklärung und Humanität haben eine feste Brücke über ihn geworfen, auf welcher dann künftige Geschlechter dem der Menschheit vorgesteckten Ziele zuwandeln können. Weder für uns Russen noch für die Hebräer kann dieses Fest bedeutungslos vorübergehen, und nicht sobald wird es in Vergessenheit gerathen." Amen. Zeitungsnachrichten. , Deutschland. Hamburg, 22. September. (Privatmilth.) Zum ersten Mal seit der ganzen Reihe von Jahren berichte ich diesmal über eine gehaltene Predigt und zwar über vr. Frankfurters letzte Neils-Predigt, weil sie eine bedeutende Sensation in dieser Stadt macht. Ich habe schon früher berichtet, wie ungern die immense Majorität von Hamburgs Bewohnern den „Kirchentag" hier sehen mochte; indeffen anständige und an ausübende Gastfreiheit gewöhnte Leute, wie wir Hamburger sind, ließ man die Herren gewähren und hörte ihre Reden und Debatten an. Nun ließ sich's aber ein Pastor Mäklet auS Bremen einfallen, in einer der hiesigen Kirchen eine Rede über das israelitische Volk zu halten, die unter den Zuhörern — worunter nur ganz wenige Juden — allgemeine Entrüstung hervorrief, weil sie ein Mal über das andere vom „Fluch Gottes" redete, der auf uns haften solle. Ja, er zog seine Jmprecationen ganz ins Concrete mit den Worten: „ich bin hier über die Steinwege und Elbstraßen gegangen und habe da das fluchbeladene Volk gesehen ic." Nun, daS war doch zu arg! Man ist es wohl gewohnt, daß der Judenhaß hervortritt, wenn jüdischer Reichthum, jüdischer Einfluß, jüdisches Talent sich merklich machen; allein daß er, und noch obendrein auf gut theologisch, ins Toben geräth beim Anblick einer Anzahl armer und unbemittelter Familienväter, sorgenvoller Mütter, die ihren kargen Pfennig durch den Straßenhandel sauer verdienen, das übersteigt doch das verzeihliche Maß. Zwei Tage darauf war nun Versöhnungstag, und da hielt unser Frankfurter eine kurze Rede über Jonahs: „Ich bin ein Jude und diene dem Gott des Himmels, welcher Land und Meer erschaffen hat", die er auf zahlreiche öffentliche und private Aufforderungen mit der Ucberschrist „Lasset uns fest halten an unsrem Glauben. Ein Wort der Kräftigung und der Abwehr" zum Besten einiger wohlthätigen Anstalten in Druck erscheinen ließ, die ganz reißend abgeht, und wegen der ihm auch viele Christen, sogar durch Deputationen, Dank abstatten ließen. Die schlagendsten Stellen lauten wie folgt: „Zu einem solch entschiedenen Bekenntnisse fordere ich auf als ein Vermächtniß des heutigen Tages und insbesondere gegenüber einem Vorkommniß in unserer unmittelbaren Gegenwart; gegenüber einem Worte, das von geheiligter Stätte in unsrer Stadt vor Tausenden gesprochen wurde und daS bei Vielen unter diesen Tausenden Berwunderung und Entrüstung Hervorrufen mußte; ein Wort, das wir zurückwcisen, wie es von allen Bessern des Glaubens muß und wird zurückgewiesen werden, in dessen Namen eS gesprochen wurde; ein Lügen-Wort, dem wir mit dem Muthe und dem Worte der Wahrheit cntgegentreten wollen und müssen. Ich meine natürlich jene Rede, die Israel bezeichnet alS unter dem Fluche deS Himmels stehend. DaS war bei Gelegenheit der Vereinigung vieler Männer aus Nah und Fern, die zur Schaarung um die Fahne ihres Glaubens hierher gekommen waren. Ein berechtigtes, ein löbliches Werk, bei welchem

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