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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-10-04 · Heft 41 (4.10.1858) · p. Seite 559

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 41 (4.10.1858)
Date
1858-10-04
Page
Seite 559 (sequence 3)
Language
German
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559 ThaL nur eine mit Bewußtsein empfangene Sinnesänderung trennen kann, trennen sollte. Ew. Heiligkeit wollen nicht, daß Menschen der größten und bittersten aller Gewissensqualen zugeschleudert werden sollen, einer Religion entrissen zu sein, der sie mit allen Fasern des Geistes und Herzens angehören, und einer Religion zwangsweise zugewiesen zu sein, ver ihre Glaubensanstchten widersprechen. „Die ganze Welt harret auf Ew. Heiligkeit Ausspruch. Freunde und Feinde der großen katholischen Kirche sind gespannt auf die Entscheidung Pius lX. Eine Erklärung aus Ihrem erlauchten Munde, daß Ew. Heiligkeit gleich Ihrem gesegneten Vorfahren Gregor 1. jede Taufe, die durch Zwang oder in Heimlichkeit vollbracht wird, nicht billigen, sondern verwerfen und untersagen, würde den zagenden Israeliten die Ruhe, würde der Welt ein mächtiges Zeugrnß, würde der Gerechtigkeit und Liebe, dem Frieden und der Menschlichkeit neue Kraft und Stütze geben. „So mögen Ew. Heiligkeit in Ihrer Weisheit unsere Bitte erhören, unser Gesuch erfüllen: eine desfallstge Erklärung guavigst zu erlassen und dem unglücklichen Mortara zu Bologna sein Kind zurückgeben zu lassen." (Folgen 44 Unterschriften.) Obige, in französischer Sprache verfaßte Vorstellung wurde abschriftlich auch an den Cardinal Antonelli mir folgendem Begleitschreiben übersandt: „Eminenz! „Die Unterzeichneten Rabbinen haben Sr. Heiligkeit beifolgende gehorsamste Vorstellung unterzubreiten gewagt, mit der Bitte, dem unglücklichen Mortara, einem Israeliten von Bologna, dem im Juni c. sein Knabe polizeilich entrissen und an einen ihm unbekannten Ort gebracht war, weil eine Magd vorgab, ihn vor zwei Jahren heimlich getanft zu haben, sein Kind wiedergeben werde. „Eminenz! Ihr Einfluß ist mächtig, Ihr Wort von entschiedener Wirksamkeit. Und so erscheinen wir auch vor Ew. Eminenz mit dem Gesuche, Ew. Eminenz wollen unsere Vorstellung lesen und mit Ihrer gewichtigen Autoritär unterstützen. ,,Jn diesem Falle würden wir durch einen günstigen und gnädigen Bescheid beglückt werden. ,,Eminenz! Es ist jetzt ein Zeitpunkt, wo die menschliche Welt im Kampfe zwischen Glauben und Unglauben steht. Die Angelegenheit, in welcher wir zu Ew. Eminenz kommen, ist keine individuelle, keine locale mehr, sie hat eine Bedeutung gewonnen für die ganze civilisirte Welt. Würde , die Entscheidung ungünstig für den unglücklichen Mortara ausfallen, so wären damit den Feinden des Glaubens neue und scharfe Waffen in die Hände gegeben, und tausend Schwankenden würden fie diese Thatsache als Beweis ihrer Behauptungen über die Kirche zürn fen! „Eminenz! Erwägen Sie dies in Ihrer Weisheit! „Die wir ehrerbietigst verharren rc. rc." Zugleich wandten sich die preußischen Rabbinen an den außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am römischen Hofe, Se. Erellenz Kammerherrn von Thile mit folgendem Gesuche: „Ercellenz! „Die gehorsamst Unterzeichneten preußischen Rabbinen haben im Vereine mit andern deutschen Rabbinen ein Bittgesuch Sr. Heiligkeit dem Papste vorzutragen sich erlaubt. In Bologna wurde vor einigen Monaten einem Israeliten, Namens Mortara, sein 6jähriger Knabe unter vem Vorwände polizeilich entrissen, es habe eine Magd vor zwei Jahren den Knaben heimlich getauft; die unglücklichen Eltern haben ihr Kind nicht wieder gesehen! Ercellenz, es ist dies kein vereinzelter Fall, er hat sich bereits öfter wiederholt; er findet überall Wiederhall, wo nicht weise Staatsgesetze dem Fanatismus Schranken setzen; er ist eines der so vielfach in der Welt wieder hervortretenden Symptome, daß Gewissenszwang und Verfolgungssucht die Herrschaft wieder erlangen wollen. Es ist darum, daß die Israeliten aller Länder dabei interessirt, daß fie in natürlichster Weise davon bewegt, erschüttert sind. Wir, preußische Rabbinen, sehen in unftrm Vaterlande die Gewissensfreiheit für alle Bekenntnisse gesichert, die Gleichberechtigung vor dem Gesetze durch die Verfassung garantirt, und unsere gerechten und milden Könige haben seit Jahrhunderten aller Verfolgung um des Glaubens willen in ihren Staaten ein Ende gemacht, llnv darum sehen wir auch in den von unseres Monarchen Majestät gesandten Botschaftern überall Vertreter der Gewissensfreiheit, der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, und stehen deshalb nicht an,- Ew. Ercellenz, mit gehorsamster Ueberreichung unsrer Vorstellung an Se. Heiligkeit, ganz ergebenst zu bitten, unser Gesuch bei Sr. Heiligkeit möglichst zu unterstützen." —. Wir bemerken nur noch, daß in der Aufzählung der zu diesen Acten vereinigten Rabbinen in No. 38. ver Herr Rabbiner Heidenbeim in Sondershausen vergessen worden, der mit so vieler Bereitwilligkeit sich angeschlossen hatte. Ein Schreiben aus Turin, so wie eine dem Läuoatore 41 *

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