Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1858)
- Date
- 1858-10-04
- Page
- Seite 558 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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558 sollte, in nicht wieder gut zu machender Weise vollzogen wirr. In einem Augenblick, wo Europa noch bei der Erinnerung an die Greuel von Dschevdah erzittert, heißt es da nicht dem muselmännischen Fanatismus ein gefährliches Argument liefern, wenn man duldet, daß in der Hauptstadt der Christenheit eine so verabscheuungswürdige Entführung geschehe, wie wir sie voll Schmerz dem edelmüthigen Herzen Ew. Majestät zur Anzeige bringen müssen?" — Das Centralconsistorium hat hiermit gethan, was in seiner Macht stand. Wir wünschen nur, daß es Ln der That bei dem Kaiser den Anklang finde, den es beabsichtigt; wir wünschen noch mehr, daß die etlichen, sehr einflußreichen Mitglieder des Consistoriums auch ihre persönliche Stellung benutzen, um in dieser Angelegenheit günstige Resultate hervorzurufen. Dieser Veröffentlichung zufolge können auch wir nicht mehr anfiehen, die von 43 deutschen und preußischen Nabbinen an den Papst Pius IX. gerichtete Vorstellung an dieser Stelle mitzutheilen. Sie lautet: „Die gehorsamst Unterzeichneten Nabbinen deutscher und preußischer Jsraelirengemeinden treten vor den Thron Ew. Heiligkeit, vor den erlauchten Sitz des Oberhauptes der großen katholischen Kirche, des erhabenen Sonverains des Kirchenstaates, im festen Vertrauen, Gehör zu finden, da sie kommen im Namen der Gerechtigkeit und der Menschenliebe. „Am 23. Juni e. ist einem Israeliten zu Bologna, einem friedlichen Unterthan Ew. Heiligkeit, mit Namen Mortara, auf polizeilichem Wege fein 6 ^jähriger Sohn genommen, und nach einem ihm unbekannten Ort gebracht worden, weil eine Magd des Mortara behauptet hatte, sie habe den Knaben vor zwei Jahren ohne Wissen seiner Ettern gerauft. Der unglückliche Vater, die fast, wahnfinnig gewordene Mutter schreien vergebens nach ihrem Sohne. Er ist ihnen aus immer entrissen, weil er als Christ fern von feinen jüdischen Eltern erzogen werden soll. Die unglückliche Familie hat den Weherus erhoben, der durch die ganze civilifirte Welt erschallte, und überall die fühlenden Herzen lief erschütterte. „Dieser Fall steht nicht vereinzelt da. Vielmehr wirkt dieser wie ein Fingerzeig, aus welche Weise man den Israeliten ihre Kinder entziehen, auf welche Weise man überhaupt Juden ohne ihr Wissen und wider ihren Willen von ihrer angestammten, von der göttlichen Vorsehung selbst ihnen zugewiesenen Religion losreißen könne. Erst vor einigen Tagen wurde in Oesterreich ein ohnmächtiger Jude von einem katholischen Geistlichen während gänzlicher Bewußtlosigkeit getauft, und soll nun, trotz s^nem beharrlichen Widerstreben, seitdem er aus' der ^hnrnaHt erwacht ist, Christ bleiben. Solche Thatsachenssetzftr.He WeMther in allen den Ländern, in welchen das StaatsMetz nicht jede zwangsweise vorgenommene Taufe für ungültig erklärt, in Schrecken; die Eltern sehen zitternd auf ihre, von Gott ihüen vertraute Kinder,, ob fie nicht aus ihren Armen gerissen und sie des Glückes ihres Besttzes nicht beraubt würden. . .„Darum nahen auch wir den Stufen Ihres Thrones. Das Gedächtniß Israels ist dauernd. Unsere Geschichte bewahrt' uns die Namen vieler Päpste, welche allen Gewaltthätigkeiten gegen die Söhne Israels mit ihrer höchsten Autorität entgegentraten. Wir segnen noch heute das Andenken Gregors I., der laut erklärte, „daß eine Bekehrung, die nicht mittelst der heiligen Schrift erreicht werden soll, nichts Verdienstliches hat", und dem Bischof von Terracina schrieb: „Diejenigen, welche der christlichen Religion nicht zugethan sind, müssen durch Sanftmuth, Wohlwollen, Ermahnung und Ueberzeugung zur Einheit des Glaubens geleitet werden." So rühmen wir das Gute, das Pius IV., Sinus der V. und Andere unseren Vätern in ihren Staaten und vielen Theilen der Erde erwiesen haben. Auch den Namen Pius IX. wissen wir zu ehren und zu lieben, denn wir wissen, welche Acte der Freundlichkeit und des gnädigen Wohlwollens Sie vom Beginn Ihrer Regierung an unfern Glaubensgenossen in Rom erwiesen haben. „Und darum geschieht es, daß wir es wagen, vor Ihrem Throne zu erscheinen. Wir sind Lehrer und Führer in der Religion und dem Stamme, die zuerst das göttliche Wort: Amabis socium tuura sicut te und diliges eliam peregrinum sieui te (Levit. 19, 17. 34.) empfingen; und daß auf dieses göttliche Wort allein das Reich Gottes sich aufbaut. Kein Stamm und keine Religion haben es aber der Welt mehr erwiesen, daß der Mensch nur um so unbeugsamer in seinem Widerstande wird, je mehr man ihm mit Gewalt und Zwang entgegentritt, so daß Gewalt und Zwang zwar vieles Unglück über Andersgläubige bringen können, sie aber niemals ihrer Ueberzeugung und ihrem Bekenntniß entziehen werden. Nein, Ew. Heiligkeit wollen sicher nicht, daß Eltern und Kinder von einander gerissen, daß die Unwissenheit des Kiridesalters und die Bewußtlosigkeit des Ohnmächtigen benutzt werden solle, um sie der Religion zu entziehen, der sie von Geburt an angehören, und von welcher sie in der