Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1858)
- Date
- 1858-10-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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. 22. Jahrgang. ,M 41. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. H e r a u s g e g e b e n von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 4. October 1858. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, MontagS, und wird jährlich gegen 80 Bogen und darüber in Quart incl. des Titels, Re« gisters u. s. w. umfassen. In Gemäßheit veS Zweckes, derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst nie» drig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang.- — 1 Thlr. 15 Ngr. für sechs Monate — 22!/a Ngr. für das Vierteljahr angcsetzt worben. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen au; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. Zeitungs. Expedition aLhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Angelegenheit in Bologna. — Gin Festmahl. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg. Preußen: Magdeburg, Crefeld, Berlin, Königsberg in Preußen, Berlin. Oesterreichischer Kaisrrstaat: Neubidschow. I t a l i e n : Mühlhausen. Rußland: Warschau. Persien: London. Leitende Artikel. Magdeburg, 27. September. Die Angelegenheit in Dologna. DaS Journal des D6bats und aus ihm die meisten deutschen Blätter, selbst die „Augsb. Al lg. Zeit." theilen die Adresse mit, welche das israelitische Centralconsistorium an den Kaiser Louis Napoleon wegen der bekannten Vorgänge zu Bologna gerichtet hat. Sie lautet wie folgt: „Das Cenrralconsistorium der Israeliten in Frankreich ruft die Hülfe Ew. Maj. zu Gunsten einer fremden Familie an, welche das Opfer einer vor zwei Monaten, beinahe im Schatten unserer rühmgekrönten Fahnen und unter den Augen unserer braven Soldaten, vollzogenen Gewaltthat geworden ist. Am 23. Juni sind päpstliche Gensd'armen in der Stadt Bologna, begleitet von einem Polizeiagenten, in das Haus eines israelitischen Kaufmanns, Mortara, eingedrungen, und haben ihm inmitten des Erstaunens, des Schreckens und bald der Trostlosigkeit dieser friedlichen Familie, seinen 6jährigen Sohn entführt. Was kann eine solche Scene verursacht haben? Eine Magd hat erklärt, daß fie 2 Jahre vorher den jungen Mortara, als er in Todesgefahr war, auf ihre Privatautorität hin getauft habe. Nach den Ansichten der römischen Regierung genügt das, um ein Kind der Zärtlichkeit seiner Familie und dem Glauben seiner Väter zu entreißen. Seit diesem Augenblick ist der junge Mortara für die Seinigen verloren. Nicht die Verzweistung der Mutter, welche aus Schmerz den Verstand verloren haben soll, nicht die Bitten und unermüdlichen Bemühungen des Vaters haben zum Nachgeben gebracht. In dieser Lage haben die freien Israeliten von Piemont aus Mitgefühl für ihren unglücklichen Bruder in der Romagna ihre Augen nach Frankreich und seinem erhabenen Kaiser gewendet; fie haben seinen Namen als den Schutz aller Unterdrückten, den Hort aller Schwachen angerufen, als den wunderbaren Talisman, vor dem stch die Finsternisse zerstreuen und die Wuth der Unduldsamkeit beruhigt. Wir haben die Ueberzeugung, Sire, daß ihre Hoffnungen nicht getäuscht sein werden. Ew. Majestät wird geruhen, eine vom Herzen ausgehende Huldigung anzunehmen, welche allein schon einen Anspruch auf Ihren erhabenen Schutz begründet. Sie werden nicht wollen, daß man vor den Pforten Roms, während dort unsere Truppen ihre unsterblichen Fahnen entfalten, die geheiligtsten Rechte der Familie und des Gewissens mit Füßen tritt, und daß ein Act, den man in Mitte des neunzehnten Jahrhunderts für unmöglich halten