Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 40 (27.9.1858)
- Date
- 1858-09-27
- Page
- Seite 549 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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549 beschreiten werde, auf welchem Lehre und Leben inniger sich wieder verschmelzen können, den Weg, auf welchem es seine neue Aufgabe ganz lösen werde, als Glieder der Völker die Religion des Einig-Einzigen unerschütterlich aufrecht zu erhallen und zu lehren. Aber nicht blos in den Gefammtheiten, in Euch Allen, die Ihr hier versammelt seid, in allen Einzelnen, die das Wort des Herrn mit Sehnsucht und Lust vernehmen, in Allen erwache die Hoffnung auf eine gute Zukunft, die Zuversicht auf einen guten Lohn für getreulich Wirken. Hoffet, hoffet, geliebte Menschenherzen — denn Gottes Gnade reicht über alle Himmel und Menschenkraft ist unerschöpflich. Hoffet, und mag Eure Vergangenheit noch so trübe gewesen, möget Ihr mit mir heute vieler Lieben gevenken, die damals bei uns standen und jetzt geschieden sind, heute vieler Prüfungen und Mühsale, vieler Kämpfe und Niederlagen — hoffet, auch wenn Eure Gegenwart düster ist, und die Wunden Eures Herzens bluten, und Eure Schultern sich beugen unter den Bürden-hoffet, hoffet, denn der Herr ruft Euch zu: Halt ab Deine Stimme vom Wehklagen, Dein Auge vom Weinen — es ist Hoffnung für Deine Zukunft, Lohn für Dein Werk! Siehe, alle Wolken brechen, daß der blaue Himmel hindurchglänzt, alle Stürme schweigen, daß Frieden in den Lüften wohnet — ja, Frieden, Frieden pimV mV© tnbra Frieden, Frieden den Fernen und den Nahen! Amen. Herr! Du bist der Hort und die Veste, Du das Füllhorn der Gnade und Liebe, wo Deine Sonne flammt im Ost aufgehend, wo im West untergehend, Deine Barmherzigkeit ist uns nahe. O, so laß mich aus den Tiefen des Herzens das dankende Wort stammeln — „viel zu gering bin ich für all die Wohlthat und Treue, die Du Deinem Knechte erwiesen" — „Du sandtest Deinen Engel vor mir her, um mich zu lösen aus allem Uebel" — „Du, der Du die Fallenden aufrichtest, die Strauchelnden obhältst, die Gebeugten emporhebst" — Du hast mich geleitet gnädig und barmherzig! Du leitetest meinen Pfad in jungen Jahren zu dieser Gemeinde, Du ebnetest mir den Weg durch all die Jahre in dieser Gemeinde, Du gabst mir Kraft und Einsicht, so viel ich deren bethätigen konnte, Du erhieltest mir die Liebe und die Achtung meiner Gemeinde, Du senktest mir Gedanken und Entschlüsse ein, dienen zu können in Israel und in der Menschheit! O, Herr, meine Seele jubelt Deiner voll Dankes!-Und darum sprech' ich aus mein gelobend Wort. Was Du an Lebenszeit mir noch bestimmst auf dieser Erden, was Du an Lebenskraft mir noch bewilligst auf dieser Erden — Deinem Dienste, Deiner Menschheit, Deinem Israel, dieser Gemeinde sollen sie geweiht sein, der Wahrheit, dem Rechte und der Liebe, diesem Wahrspruch Israels, der lebendigen Ueberzeugung soll meine Zunge dienen, der That meine Hand, dem Eifer mein Fuß! — Und so vernimmst Du auch in Deinen ewigen Höhen mein bittemd Wort. Verleihe Segen meinem Thun, so es in Deinem Willen und Geiste geschieht! Wenn ich rede zum Volke, laß eS eindringen in die Geister und Herzen; wenn ich lehre die Jugend, laß es wurzeln in ihren Gemüthern; wenn Söhne und Töchter das Gelöbniß, Dir und Deiner Lehre treu anzuhangen, in meine Hand ablegen, laß sie nimmer es brechen; wenn Jüngling und Jungfrau den Segen der Religion zu ihrem Bunde empfangen von meinen Lippen, laß Segen über sie kommen in Liebe und Treue; wenn ich zum Leidenden komme, laß Trost in sein betrübtes Herz fließen; wenn ich für Darbende bitte, laß mich Gehör finden; wenn ich hintrete und bete für das Heil dieser Gemeinde, das Heil ihrer Vorsteher, das Heil ihrer Glieder, für das Heil des Vaterlandes, das Heil deS Königs, der Königin, des königlichen Hauses, laß eS Erhörung finden vor Deinem Throne! Und darum bete ich auch heute: Herr, schenk' uns ein gesegnetes Jahr, ein Jahr des Heiles, des Trostes und des Friedens! Amen! Die Bologneser Angelegenheit. Das Journal des Debats enthält folgende Mitteilung von Herrn Adolph Frank, Mitglied des Instituts: „DaS Central - Consistorium der Israeliten Frankreichs, mit Recht von dem Vorfälle in Bologna ergriffen, hat eine Adresse an den Kaiser abgesandt, um seine Dazwischenkunft zu Gunsten der Opfer einer Verletzung der Gewissens- und Familienrechte zu erbitten, da dieselbe fast unter den Augen unserer Soldaten und dem Schatten unserer Fahne stattgefunden hat." —. Herr Rabbiner 3. E. Löwy in Beuthen in Schlesien ersucht uns zu bemerken: daß manche Rabbinen in Preußen darum unter der Vorstellung an den Papst nicht mitgefertigt erscheinen, weil sie nicht aufgefordert worden, oder weil sie die Aufforderung nicht erhalten haben. Diese Bemerkung ist richtig, und müssen wir deshalb diese unsere Herren Kollegen um Verzeihung bitten. Es fehlt uns an einem Verzeichniß