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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-09-27 · Heft 40 (27.9.1858) · p. Seite 548

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 40 (27.9.1858)
Date
1858-09-27
Page
Seite 548 (sequence 6)
Language
German
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848 die Religion Israels wird noch von Manchem ihrer Söhne und Töchter um schnöden Gewinnst, um Geld und Gut, um Vortheil und Aemter, um eine flüchtige Leidenschaft verkauft, ja, das Leben ringt noch selbst mit den wichtigsten Satzungen um die Herrschaft, ja, Gleichgültigkeit und Lauheit wohnt noch in zahllosen Gemüthern, ja, die Religion ist Ms den meisten Häusern und Familien gänzlich entwichen, ja,, es ist noch Viel, unsäglich Viel zu festigen und zu kräftigen, umzubilden und neu zu schaffenaber dennoch 12722 riiiv2^> 'tt „Großes ist schon geschehen unter dem Schutze des Ewigen", der Wendepunkt ist überschritten, Leben ist wieder gewonnen, und wie äußerlich in den letzten fünfundzwanzig Jahren mehr neue Synagogen gebaut worden sind, als in zweihundertundfunfzig Jahren vorher, weil man eben überall neuer bedurfte, so hat sich die Religion Israels wieder zahllose Pflanzstätten in den Geistern gewonnen, den Boden beackert, Saat ausgestreut, und wagt es Einer zu sagen: der Herr wird diese nicht aufgehen lassen?! Wird jetzt nicht die Lehre Israels wieder an allen Orten gepredigt, wollen nicht alle Gemeinden einen geregelten Religionsunterricht, erscheinen nicht fort und fort zahllose Schriften des Judenthums, widerstanden nicht die Gemeinden der jüngsten Sturmzeit, wo sie schütz- und rechtslos bestanden, erbauen sich vielmehr neu im Geiste der Neuzeit, hat sich der Abfall nicht außerordentlich gemindert, verliert stch nicht die Schwach Judas bei ihm selbst und Anderen täglich mehr, tragen nicht seine Söhne willig große Opfer, um ihre Institute zu erhalten, ist die Ehrfurcht vor den Heiligthümern der Religion nicht wieder inniger geworden, flammt es nicht in zahllosen Geistern wieder mächtig aus: ja, wir find da, der Menschheit ihren Gott zu lehren, und die Götzen alle zu zertrümmern, und das Recht zu verkünden, und das Gesetz der Liebe zu bewahrheiten — gemach, gemach! die alten Geschlechter gehen und die neuen kommen, und nicht jene wissen und beurtheilen recht, was diese bringen. 3«', m. Br., wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören und ein Herz zu verstehen, der sieht und hört und fühlt es: das Wort hat nicht getrügt, denn es ist ein Wort des Herrn, ein göttliches Wort an Israel: es ist Hoffnung für Deine Zukunft und Lohn für Dein getreulich Werk! III. Ja, m. Fr., die Zeit rauscht an uns Allen vorüber; ach! und so langsam ihr Schritt scheint, wenn er noch vor uns, so eilig ihr Lauf, wenn er vorüber; und wenn sie noch so inhaltsreich, wie kurz kömmt uns die Vergangenheit vor; wie gestern, was vor Jahrzehenden gewesen! Und doch gewahren wir es gar sehr an uns, daß ste an uns vorübergegangen. Denn sie lassen ihre Narben übrig all die Prüfungen, die über uns kamen, nicht ganz heilen die Wunden zu, die uns unsre Kämpfe geschlagen, und die Schmerzen und Verluste, die uns getroffen, sie lassen uns nicht zurück, wie wir vordem gewesen. Ja, die Zeit und die Mühsal, sie machen uns Alle altern. Und dennoch, wenn uns auch all die schillernden Farben der Jugend verwischt werden, all die leichte Schwungkraft abgespannt, wenn unsre Stirn und unser Herz durchfurcht, und der Gaben eine nach der andern uns genommen wird, welche Gottes Gnade uns verliehen hatte: Eines darf uns mit nichten und niemals verlassen — die unerschütterliche Ueberzeugung, daß wir nimmer vergebens gelebt, daß wir ein Glied des großen Ganzen, in diesem und für dieses gewirkt und geschaffen haben, und daß also nicht blos unser unsterblicher Geist, sondern auch unser Erdenwerk, so groß oder so klein dies gewesen, dauern und leben werde. Was geschehen, ist für eine Ewigkeit geschehen, was gethan worden, ist für immer gethan! Diese Ueberzeugung muß in allen Tiefen unsres Geistes leben, und daraus all der fröhliche Muth für unsres Lebens Rest entspringen, und daraus die Hoffnung sich neu und immer neu gebären. Dies ist keine Hoffnung, die wie ein Sommervogel von Blume zu Blume flattert, keine Hoffnung, die aus der Eitelkeit nur Eitles enthält, es ist die religiöse Hoffnung, die aus der Anerkenntniß der ewigen Waltung der göttlichen Vorsehung entspringt, und die Gerechtigkeit und die Gnade Gottes zu ihren Grundsteinen, und das Heil der Menschheit und Israels zu ihrem Inhalt hat. So laß uns, theure Gemeinde, diese Hoffnung für unsre Zukunft auch heute in uns wecken, heute feiernd den Sabbath der Erinnerung, fitzend auf den Denksteinen der Vergangenheit. „Wie lieblich sind die Füße des Friedensboten aus den Höhen, der Heil verkündet, Frieden meldet!" Ja, laß uns hoffen, daß, so lang oder so kurz auch der Weg sei, den wir noch mitsammen zu gehen, das begonnene Werk stch kräftig und immer kräftiger entfalten werde, daß immer mehr die Religion in Dir sich festigen, die Erkenntniß in Allen wachsen, die Liebe und das Recht in allen Deinen Häusern sich mehren, die Sittlichkeit in all Deinen Gliedern sich stärken, daß Dein Gottesdienst stch immer weihevoller gestalten, das religiöse Vedürfniß immer drängender, Unterricht und Lehre immer gesuchter, die wohlthätigen Institute und Werke immer gedeihlicher werden. Laß uns hoffen, daß Israel den Weg finden und

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