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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-09-27 · Heft 40 (27.9.1858) · p. Seite 545

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 40 (27.9.1858)
Date
1858-09-27
Page
Seite 545 (sequence 3)
Language
German
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545 Menschen, von Persönlichkeiten, die sich schon nach einigen Jahrzehenden um ihn bewegt.-Ja, so legen wir vor Allem Kränze der dankbarsten Erinnerung, immergrüne Kränze nie erlöschender Liebe auf die Gräber Derer, die mit Muth und Kraft für ihre Gegenwart und Zukunft gebaut und sich nicht gescheut, ein Neues zu gründen, wohl wissend, daß, dauert es aus, unter dem Schutze Gottes es bald ein Altes sein werde, das Niemand anzulasten wagt, durch seine Dauer auch Geheiligtes geworden. Oder wie? könnte ich in diesem Augenblicke jenes ehrwürdigen Greises nicht gedenken, der bis dahin geistlicher Lehrer der Gemeinde gewesen, jenes Mannes mit der Milde und Ruhe, mit Sanftmuth und Frieden im Antlitz, der, obschon im alten Judenthum ganz und gar wurzelnd, doch Einsicht genug hatte, zu erkennen, daß das Bedürsniß der Zeit ein Neues erheische, und freudig die Hand hierzu bot, weil er einsah, daß dies Neue den alten Grund nicht zerstören, sondern gerade auf diesen sich aufbauen wollte, des ehrwürdigen Salemon bäfcT, mit dem ich noch Jahre friedlichsten Zusammenwirkens verlebte? Oder könnte uns jemals das Gedächtniß gleichgültig werden jenes Vorstehers der Gemeinde, der dreißig Jahre ihre Verwaltung leitete, des in allen Kreisen hochgeachteten Mar, der mit einer zartfühlenden Pietät für unsre alten Institutionen doch die Bildung der Zeit und die edelste Gesittung in sich ausgenommen? oder jenes unvergeßlichen Spir, auf dessen hoher Stirn Gedankentiefe, Besonnenheit, Erfahrung wohnten, in seinem Blick Sanftmuth, um seine Lippen anmuthiger Witz, und der bis an sein Ende Predigt, Confirmation und Schule mit Ausdauer pflegte? oder des mir innigst befreundeten Arnstadt, der als Secretär der Gemeinde unablässig arbeitete, und in bescheidenster Weise doch den nachdrücklichsten Einfluß übte? Seid gesegnet, seid gesegnet auch in dieser Stunde, gesegnet in dem heiligen Frieden, Ihr verehrten Gestalten jener Zeit, zu dem Ihr gelangtet; und da die Trauer um Euer Scheiden längst der Wehmuth gewichen, so ist es vielmehr ein erhebendes Gefühl, Eurer in dieser Stunde zu gedenken, so fühle ich mich hochbeglückt, Eurer voll Liebe und Verehrung gedenken zu können, und die hier versammelte Gemeinde 'stehet mit Stolz auf Euch zurück, Euch noch heute die Ihren zu nennen, Euch und die vielen Anderen, die damals in der Gemeinde wirkten und hochstanden, und deren lange Reihe vor unsrer Erinnerung vorübergeht! Seid Alle gesegnet, theure Geschiedene, in Eurer heiligen Urstätt!- Doch blicken wir noch weiter zurück. Es sind jetzt fünfzig Jahre, daß einige Männer zusammentraten, um auch hier eine Gemeinde zu bilden. Ein unduldsames Gesetz hatte bis dahin den Israeliten die Niederlassung in dieser Stadt verweigert. Jetzt waren die Thore geöffnet, und von West und Ost hatten sich Männer zusammengefunden, eine kleine Schaar, die nun zu den hohen Festen ein Local zn gemeinsamem Gottesdienst miethete. Dies war das Glück der hiesigen Gemeinde, daß gerade in ihrer Anfangszeit ihre Begründer und Zuziehenden zu den achtbarsten, redlichsten, bei Christ und Jude geehrtesten Bürgern gehörten, und so dauernd der Gemeinde das beste Ansehen und freundlichste Urtheil erwarben. So wuchs still und geräuschlos die Gemeinde an, sie wählte sich ihren Vorstand, sie setzte sich einen würdigen Rabbinen ein, sie bezog ein größeres und immer größeres Local, sie hatte einen Verein „barmherziger Brüder^ n^n gebildet. Bis achtzig stimmfähige Familienhäupter waren vor fünfundzwanzig Jahren vereinigt. Und nun, m. Fr., seit diesem Zeitpunkt, blicken wir uns um, rvmsb 'n b'-rttt wie Großes ist an uns unter dem Schutze Gottes geschehen! Ja, einen bedeutsamen, großen Schritt that damals diese Gemeinde, allen übrigen im Vaterlande voran; aber sie that ihn nicht, um, wie es so oft geschieht, bald wieder zu erkalten und verfallen zu lassen oder gar wieder aufzugeben, was sie geschaffen, und sie that ihn nicht, um etwa von schnöder Neuerungssucht getrieben, ihren geschichtlichen Boden umzuwühlen und den uralten Bau einzureißen — sondern das zu befestigen zn beständiger Dauer, was sie begründet hatte, und allmählig weiter und weiter organisch zu entwickeln. So wie die Gemeinde äußerlich nach und nach fortwuchs, bis sie jetzt ungefähr zweihundert Familien in ihrem Schoße zählt, so wurden entschiedene Mißbräuche alter Zeit entfernt, der Predigt wurde deutscher Gesang hinzugefügt, es wurde der Gemeinde ein schönes Grundeigenthum erworben, es wurde ihr ein großer, räumlicher, lichtdurchflossener Tempel gebaut, es wurde ihr ein vom Staate mit Gesetzeskraft versehenes Statut geschaffen, und so allerdings aus der unscheinbaren, schwankenden Kolonie eine feste, geregelte, dem städtischen Wesen eingeordnete, der Gesammtheit unsrer theuern Vaterstadt eingeglieverte Gemeinde mit schönem Tempel und geordnetem Gottesacker, mit gesetzlichem Statut und geregelter Schule, mit Predigt und Gesang, mit wohlthätigen Vereinen und Ordnungen geschaffen. Dies ist das große, bedeutsame Werk der fünfundzwanzig verflossenen Jahre, dies die herrliche Schöpfung der thatkrästigen Männer, welche damals und heute das Gemeindewesen verwalteten, und 40*

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