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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-09-20 · Heft 39 (20.9.1858) · p. Seite 539

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 39 (20.9.1858)
Date
1858-09-20
Page
Seite 539 (sequence 11)
Language
German
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539 eine Sammlung seltener Naturproducte aus den französischen Colonien Martinique, Jsle de France, Otahaiti u. s. w., die er von seinen Reisen mitgebracht. Ans den Interessen der von Herrn Ernst Wehli, Präses re. gegründeten Stiftung wurden an der Prüfung 34 Stück Prämienbücher an ausgezeichnete Schüler und Schülerinnen vertheilt. Wie alljährlich, wurden auch Heuer die Geschenke und Stipendien an arme Schulkinder am allerhöchsten Geburtsfeste Sr. Majestät vertheilt. Das allerh. Geburtsfest Sr. Majestät wurde in der Gemeinde festlich begangen sowohl durch feierlichen Gottesdienst als auch durch Acte der Wohlthätigkeit. Desgleichen geschah auch am Tage der Bekanntwerdung der Geburt eines Kronprinzen. Da waren während dem Gottesdienste im Tempel die jüdischen Zünfte mit ihren Fahnen aufgestellt, und vor dem Gebete für das Wohl dieses letzten Sprossen deö erhabenen Kaiserhauses, welcher einst berufen sein wird, der Erste zu sein, welches von Herrn Rabbiner und Prediger Dr. Kämpf mit rührender Innigkeit gesprochen wurde, wurde auch ein von ihm verfaßtes Festlied abgesungen, welches der Obercantor Pereles in Musik gesetzt. Die Gemeinde ließ an 21 arme Wöchnerinnen ohne Unterschied der Confession zu je 5 Fl. vertheilen, der Kreuzerverein schenkte 300 Laib Brot an arme Christen, Herr M. S. Raudnitz schenkte einer armen Wittwe zur Erhaltung ihrer Kinder 500 Fl. und ertra an arme Waisen 25 Fl. Uebrigens wurden noch viele andere Acte der Wohlthätigkeit vollbracht. Teschen, im August. (Pcivatmitth.) Das hiesige seit Januar 1857 erledigt gewesene Rabbinat ist wieder mit einem Manne, der wissenschaftliche Bildung mit streng orthodoxer Gesinnung vereinigt, besetzt worden. Herr Simon Friedmann, ehemals Rabbiner in Libochowitz (Böhmen), ist der Mann, der einstimmig aus der Wahlurne hervorgegangen ist. Er hat bereits am 13. Mai d. I. seine erste Antrittsrede gehalten, und seit jener Zeit mehrere Male Gelegenheit gegeben, sein Rednertalent an den Tag zu legen. Möge eS ihm durch eifriges Wirken gelingen, daS hiesige Schulwesen zu fördern und zu kräftigen, und einer festen, energischen Hand anzuvertrauen, waS jetzt um so mehr Roth thut, da der bisherige tüchtige Oberlehrer dem Rufe einer höchst achtbaren Gemeinde folgt, und den hiesigen Posten verläßt. Donaufürstenthürner. Bukarest, im Juli. (Privatmitth.) Es giebt wohl schwerlich eine Judengemeinde in der Welt, in der es mehr Unordnung und Uneinigkeit giebt, als in der hiesigen polnischen. Da findet man wallachische, österreichische, preußische und russische Unterthanen, von denen Jeder das Gegentheil von Dem will, was der Andere. Bei der Wahl der Vorsteher geht eS jedes Mal lärmend zu wie bei einem polnischen Reichstage, und die Stimmen werden erkauft, denn die hiesige Vorsteherstelle ist sehr einträglich. — Doch kommen wir auf das Ereigniß, das in letzter Zeit hier Jude und Christ so viel sprechen macht. Vor etwa einem Monate hieß es plötzlich: ein neuer Rabbiner kömmt« Wer an ihn geschrieben, wer ihn bestellt, das wußte außer wenigen Personen— Niemand. Die wallachischen Vorsteher bezogen ihn, ohne vorher den Willen der Gemeinde befragt zu haben. Doch er kam. Man bereitete ihm einen großartigen Empfang. An zweihundert Fiaker fuhren ihm eine Meile weit entgegen und in Gicisgero, wo er donauabwärts kommend ans Land stieg, erwartete ihn ein bequemer Reisewagen. — Er hielt seine erste Predigt. Die große Synagoge war überfüllt von Menschen, im Hofe, auf der Gasse stand man dichtgedrängt. Herr M. L. Malbim ist ein guter Hebräer, aber um den Anforderungen der Aufgeklärten zu genügen, müßte er auch der deutschen Sprache mächtig sein, und dies ist er gewiß nicht. Den untern Classen, die die Hauptzahl der Zuhörer bildeten,' war er unverständlich; denn er ist zu stolz auf sein Hebräisch, um nur in ihrem Jargon zu sprechen. Indessen waren diese Letzteren doch entzückt und man trug ihn beinahe im Triumph nach Hause. Während dieser Zeit hat er schon mehrere Predigten gehalten, aber er wählt sein Thema sehr schlecht. In einer Gemeinde, die schon bedeutend mit dem Zeitgeiste vorgeschritten ist, die über die Kleinlichkeiten wegsieht, sucht er übertriebene Frömmigkeit und mittelalterlichen Aberglauben zu verbreiten. Statt die streitigen und uneinigen Parteien zu versöhnen und die Reibungen zu schlichten, haben seine Predigten große Erbitterung und Zwiespalt hervorgebracht. Je mehr sich die eine Partei für ihn erklärt, desto heftiger ist die andere, die angesehenere und reichere, wider ihn. Mehrere Fälle, worin er sich als zu eigensinnig und stolz bewährte, konnten gewiß nicht dazu beitragen, ihm die Herzen der ihm feindlichen Par- 39**

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