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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-09-20 · Heft 39 (20.9.1858) · p. Seite 538

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 39 (20.9.1858)
Date
1858-09-20
Page
Seite 538 (sequence 10)
Language
German
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538 auch in weiten Kreisen bekannt zu werden verdient. „Vor nicht langer Zeit, so berichtet daS Blatt, wurde der israelitische Beschneidcr Jgn. D. durch Urtheil des Wiener Landesgerichtes von der Anklage des Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens (aus Anlaß einer ungeschickt vorgenommenen Beschneidung und des dadurch erfolgten Todes deS Kindes) wegen Unzulänglichkeit der Beweismittel freigesprochen. Sowohl Jgn. D., als die Staatsbehörde glaubten gegen das Urtheil des ersten Richters berufen zu sollen. Das Obergericht hat nun die Berufung des Jgn. D. verworfen, dagegen jener der Staatsbehörde stattgegeben und daS Urtheil dahin abgeändert: Jgn. D. sei deS Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens schuldig, und werde zu einem Monat Arrest, verschärft durch einen Fasttag in jeder Woche, verurtheilt. Der zweite Richter erkannte, abgesehen von einem bei der Beschneidungsoperation selbst verschuldeten Mißgriffe, ein höchst sträfliches Verschulden in dem Nachverfahren, indem sich Jgn. D. bei der eingetretenen Verblutung nicht nur daS Heilverfahren des schwerverletzten Kindes anmaßte, sondern auch der Mutter, die das Zuziehen eines Arztes verlangt hatte, davon abrieth. Als ein Milderungsgrund für den Verurtheilten wurde der durch uralte Sitte eingeführte und durch kein Gesetz geregelte Gebrauch angenommen, die Beschneidung durch unerfahrene Hände vornehmen zu lasten. — Jsaac Rosenmeyer. Lieben bei Prag, im September. (Privatmitth.) Als vor etwa zwölf Jahren von Sr. k. k. Hoheit, dem Herrn Erzherzog Stephan, der Grundstein zu unserer neuen Synagoge gelegt wurde, dachte wohl Niemand, daß ein solcher Zeitraum bis zu deren Vollendung verstreichen wurde, und wenn nicht der in Gott ruhende Herr Leopold Dormitzer, Druckfabrikant in Prag, und seine ihm an Tugenden gleiche Kinder sich des Baues angenommen und aus den Trümmern des damals begonnenen Neubaues daS nun prachtvoll dastehende Gotteshaus ganz auf eigene Kosten hätten Herstellen lassen, so würde vielleicht noch das Gras über das verfallen gewesene Gemäuer wachsen. Diese Synagoge wurde nun am 17. v. M., am Vorabende des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät, feierlichst eingeweiht. Die israelitische Gemeinde Prags und eine bedeutende Volksmenge aus unserer Umgebung betheiligte sich bei der Feierlichkeit, welche vom schönsten Wetter begünstigt wurde. Um vier Uhr versammelte man sich in der alten Synagoge, wo nach dem Minchagebete die Thorarollen in feierlichem Zuge in die neue Synagoge übertragen wurden. Die Häuser, vor welchen der Zug vorüberging, waren festlich geschmückt, und zu beiden Seiten bildete die Volksmenge Spalier und begrüßte den Zug mit Ehrfurcht, der von dein Chorpersonal des Prager israel. Tempels, den 24sten Psalm singend, eröffnet wurde, hinter diesem unter einem Baldachin ging mit der Thora zunächst der Local- und Kreisrabbiner Herr Haller, der Prediger Herr Dr. Kampf, dann mehrere Rabbiner und Schriftgelehrte aus Prag und mehrere achtbare Gemeindeglieder aus Lieben, welche Alle Thorarollen trugen. In der Synagoge fanden sich außer den israelitischen Festtheilnehmern auch der k. k. Bezirksamtmann und dessen Adjunct, der k. k. Bezirks-Polizeicommiffär, der hochwürdige Pfarrer aus dem nahen Dorfe Bohnitz, sonstige christliche Beamte und Honoratioren versammelt. Herr Rabbiner Haller hielt die Predigt mit gottgeweihter Beredtsamkeit und behandelte in geistreicher Weise den Tert nmn a^iarr idn» 73« nss. Nach der Predigt sprach Herr Rabbiner Rapaport ein hebräisches Gebet für das Wohl Sr. k. k. Majestät und des allerhöchsten Kaiserhauses mit Bezugnahme auf diese Feierlichkeit eigens verfaßt, und nach ihm sprach Herr Rabbiner und Prediger Dr. Kämpf ein inniges, sinnreiches Schlußgebet und den Segen. Prag, im September. (Privatmitth.) Es macht mir ein Vergnügen, nach einem vollendeten Schuljahre abermals LobenSwertheS von unserer Schule mittheilen zu können. Rüstig schreitet der Unterricht vorwärts, dem Zeitgeiste und den Zeitanforderungen entsprechend, und wenn Etwas zu beklagen, so ist es die durch das Entstehen und Bestehen der Privatlehrinstitute beinahe jährlich abnehmende Zahl der die unsere Haupt-, Unterreal- und Mädchenschule besuchenden Schüler und Schülerinnen, deren Gesammtzahl im abgelaufenen Schuljahre 649 betrug. In dieser Zeit wurden auch die Lehrmittel durch einen großen Weimarischen Schulatlas und ein vorzüglich construirteS Tellurium, und die Bibliothek durch viele neue Werke vermehrt, deren Zahl an 2000 beträgt. Der Inhaber der Gasbeleuchtungsanstalt, Herr Friedland, schenkte zur Belebung deS naturwissenschaftlichen Unterrichts

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