Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1858)
- Date
- 1858-09-20
- Page
- Seite 536 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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536 Der hier gerügte Uebelstand findet sich allerdings nicht allein in Berlin, sondern in vielen großen Gemeinden, und verdient allerdings reiflicher Erwägung, auf welche Weise ihm abzuhelfen sei. Es ist dies der Grund, warum ich Sie ersuche, dem „Eingesandt" einen Raum in Ihren Blättern zu gestatten, um eine weitere Besprechung zu veranlassen. Eine der Hauptursachen liegt wohl darin, daß der Zudrang zu den großen Städten jetzt außerordentlich und daher die jüdische Bevölkerung großer Städte in steigendem Wachsthum begriffen ist, so daß die daselbst befindlichen Gotteshäuser trotz der Leere, die das ganze Jahr in ihnen herrscht, an dm hohen Festtagen die Menge nicht zu fassen vermögen, weshalb der vorhandene Raum nach einer gewissen Ordnung vertheilt werden muß. Hierzu kommt, daß die meisten Gemeinden trotz der hohen Cultusbeiträge die Einnahmen für die Synagogenstätten nicht entbehren können, es sich dann aber, wenn völlig unbeaufsichtigter Eintritt stattfindet, viele unbemittelte Individuen zu Nutze machen, und so Andere für sich mit bezahlen lassen. Magdeburg, 12. September. (Privatmitth.) Es war am ersten Tage des Jahres 5594 (am 14. Septbr. 1833), daß der Rabbiner Dr. Ludwig Philippson zum ersten Male vor der Gemeinde in Magdeburg die Kanzel bestieg, und seitdem ununterbrochen in derselben Gemeinde sein Amt bekleidete. Jetzt, nachdem also fünfundzwanzig Jahre vorübergegangen, mußte dieses Amtsjubiläum die betreffende Gemeinde und alle Freunde des Genannten zu einer herzlichen Feier anregen. Schon am Vorabende, bevor die Stunde des Gottesdienstes gekommen, fand sich eine Anzahl Schüler und Schülerinnen aus der ersten Knaben- und ersten Mädchenclasse der Religionsschule unter-Anführung des Religionslehrers und Cantors Herrn Nathanson ein, um im Namen ihrer Genossen und Genossinnen dem Jubilar ihre kindlichen Glückwünsche und einen schönen Ornat zum gottesdienstlichen Gebrauche darzubringen. Am Morgen des festlichen Tages in der Frühe brachte ein Verein musikalischer Freunde (christlichen Glaubens) unter Anführung des Musiklehrers Herrn Sellner und Mitwirkung des Cantors Nathanson im Hause deS Gefeierten einen Quartettgesang von schöner Composition und trefflicher Ausführung, mit tieferschütternder Wirkung. Beim Gottesdienste, der natürlich als an einem der höchsten Festtage unserer'Religion, eine Aenderung nicht erleiden konnte, wurde vom Chasan ein schönes, eigens verfaßtes Mischeberach nach dem Verlesen der Thora (die Mischeberachs sind hier außer für Kranke und Wöchnerinnen abgeschafft) würdig recitirt. Die Predigt des Jubilars begann mit demselben Texte, mit welchem derselbe vor fünfundzwanzig Jahren seine homiletische Laufbahn eröffnete, mit dem charakteristischen Worte: „Es ist ein Lohn für Dein Werk, und Hoffnung für Deine Zukunft", aus der Haphtorah deS zweiten Tages, Jirm. 31, 16. 17., und enthielt — natürlich ohne alle Beziehungen auf seine Person — Rückblicke auf die verflossenen fünfundzwanzig Jahre für die Magdeburger Gemeinde, für die preußische Gesammtgemeinde und für ganz Israel, in ihren äußeren Verhältnissen und ihren inneren Zuständen, woran sich ein dankendes, gelobendes und bittendes Wort des Gebetes schloß. Die Kanzel, welche an diesen Festtagen immer mit weißer Seidenhülle bekleidet ist, war heute sinnig mit Blumenguirlanden geschmückt. Nach Beendigung des Gottesdienstes fanden sich nacheinander mehrfache Deputationen in dem Hause des Gefeierten ein. Zuerst von den früheren Konfirmanden, welche eine in schöne Verse gekleidete Adresse, begleitet von einem prachtvollen Pelze, überreichte. Fräulein Johanne Friedeberg recitirte mit bewegtem Herzen das Gedicht und fügte Worte der Liebe und Verehrung hinzu. Es folgten der Gesammtvorstand der Gemeinde und die sämmtlichen Repräsentanten und deren Stellvertreter, so wie die Synagogenvorsteher und Vorsteher der wohlthätigen Vereine, die, in einem großen Halbkreise sich aufstellend, durch den Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Ferdinand Friedeberg, in einer kräftigen Ansprache, nebst einer eben so schön stylisirten, wie geist¬ und gemüthvollen Adresse, die Glückwünsche und Danksagungen der Gemeinde zum Ausdruck brachten, und dem Jubilar eine Erhöhung des Gehaltes als ein Zeichen der Anerkennung seiner geleisteten Dienste verkündeten, woran auch der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Herr Gerson, die herzlichsten Worte in deren Namen hinzufügte. Bald darauf erschienen die Herren Albert Spir, Ernst Friedeberg, Aleri Hirsch, Salomon Cohn, Dr. med. Wiesenthal, welche dem Jubilar durch Herrn Spir mittheilten, daß sie, um der Verehrung und Liebe, welche zahllose Glaubensgenossen außerhalb Magdeburgs für den