Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1858)
- Date
- 1858-09-20
- Page
- Seite 532 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Herd des Götzenthums, deS Blutvergießens, der Bedrückung ' an Fremdling, Waise und Wittwe, der greulichsten Unzucht, der Mißachtung der Eltern und aller religiösen Gesetze und Einrichtungen, der Bestechung, des Wuchers und aller Ungerechtigkeit geworden. Wie? Erkennen wir in diesem Bilde nicht die großen Städte der alten und neuen Zeit, die Mittelpunkte alter und neuer Civilisation wieder, und geben Babel und Rom, Paris und Neapel nicht dasselbe Bild wieder? Aber an Jeruschalajim wurde das Mahnwort gerichtet, in ihm sprach sich ungescheut in kühnster Offenheit, in unverhüllter Blöße die entrüstete Wahrheit, das gemordete Recht, die gebrochene Sitte, die geschändete Religion aus, und rief Verderben' und Untergang über Stadt und Volk — während an jenen anderen großen Menschenstätten Heuchelei die Gewaltthat, Schmeichelei die Habgier und der Schmuck der Kunst und des falschen Wortes die Wollust bekleiden, und das Verderbniß mit den Füttern des Glanzes und mit den hohlen Phrasen der Cultur überzogen wird. Jene armen, nackten, freilich nicht in antiker und moderner Kunst und Wissenschaft bewanderten Propheten Jisrael's hatten für ihre gesunkene Nation nichts weiter als den einschneidenden Vorwurf der Greuel und die Verkündigung des nahenden Strafgerichts. Wie? Bewirkten sie dadurch Besserung? Kehrte das Volk auf ihr Wort von seinem Wege um? Lenkten die Fürsten auf ihre Drohung von den Pfaden des Verderbens ab? Trug man fie auf den Armen in das wiederhergestellte und gereinigte Heiligthum? Nein! Ost genug waren Geißel und Gefängniß, wenn nicht selbst der Tod, ihr Lohn. Aber sie erhielten daß Bewußtsein des Wahren und Rechten, des Heiligen und Göttlichen aufrecht, sie schwangen das Panier der Gotteslehre auch noch in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne, sie ließen die Flamme der Erkenntniß und Sittlichkeit nicht erlöschen, sie fachten in einigen Geistern, in einer Anzahl Herzen das Feuer der Begeisterung an, und so geschah es durch sie allein, daß, während Babel und Rom untergingen und ihre Nebenbuhler dasselbe LooS treffen wird, Jisrael sich immer wieder von Neuem wiedergebar und die Gotteslehre und das Gottesgesetz in ihm fortlebten. — Ein solches Wort ist die vorliegende Rede Jecheskel's, in den letzten Zeiten Jeruschalajim's gesprochen, und wie getreu in ihrer. Schilderung, so wahrhaftig in ihrer Verkündigung." — -Von hier folgt die Erklärung des Einzelnen. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 1. September. (Privatmitth.) Ueber die letzte Kinderraubs-Geschichte berichtet der Correspondent des Journal des Debats vom 30. August Folgendes: Eine Bulle Benedict XIV. vom März 1747 verbietet, die unmündigen Kinder von Israeliten ohne Consens ihrer Eltern oder Vormünder zu taufen, mit Ausnahme jedoch anscheinend dringender Todesgefahr, und diese Taufe behält ihre Gültigkeit, im Fall wider Erwarten das Kind genesen würde. Der Fall kam bei einem angesehenen Juden in Bologna vor, dessen 7—8jahriges Kind während einer anscheinend tödtlichen Krankheit von einer christlichen Magd (in solchen Fällen gilt auch in Rom das allgemeine Priesterthum, wie man sicht) oder einem wirklichen Priester heimlich getauft, und als cS wieder gesundet war, durch Carabiniere Nachts aus dem elterlichen Hause geholt wurde. Der Vater, der den Vorgang erst am folgenden Tage erfuhr, rannte vergeblich an alle Orte, wo er sein Kind vermuthen konnte, bis er endlich nach Rom an daS Kloster der Madonna dei Monti gelangte, dem gewöhnlichsten Asyl der Neophyten auS dem Judenthum. Dort ward ihm der Zutritt wiederholt verweigert, und er wußte genug. Er erlangte endlich eine Audienz beim Papste selbst, und dieser gestattete ihm sein Kind zu sprechen unter der Bedingung, daß er über den ReligionSwechsel selbst gar nichts erwähne. So liegt die Sache. Auf diese Weise ist eS freilich leicht, Proselyten zu machen, und jetzt mögen die Chinesen ihre Kinder in Acht nehmen! Die Magd hat übrigens in ganz gutem Glauben und bester Absicht gehandelt. Ich selber erinnere mich aus meiner Jugend einer jungen, sehr gebildeten französischen Dame, die in Bezug auf uns und einige andere jüdische Familien, mit denen sic häufig zusammenkam, zu anderen Christinnen sagte: ab, que ce sont de bonnes gens; que c’est dommage qu’ils seront damnes un jour! Preußen. Berlin, im August. (Privatmitth.) In dem Wertheim'schen Jahrbuch für die preußischen Gemeinden für 1859 ist ein lesenswerthcr Aufsatz „Ueber die bisher bestätigten Gemeindestatuten" enthalten, der die leitenden Grundsätze, welche in diesen Statuten sich aus-