Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1858)
- Date
- 1858-09-20
- Page
- Seite 531 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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531 RMiner in Schwersenz, vr. A. Stein, Rabbiner in Danzig, vr. Meisel, Rabbiner in Stettin, Dr. Herrheimer, herzogl. Landrabbiner in Bernburg, vr. Arnheim, Rabbiner in Groß- Glogau, S. Feldblum, Rabbiner in Schmiegel, vr. A. Cassel, Rabbiner in Schwerin a. d. W., vr. A. Wiener, Rabbiner in Oppeln, vr. Formstecher, Rabbiner in Offenbach a. M., L. Seligmann, Kreisrabbiner in Kaiserslautern, Rabbiner vr. Gustav Philippson in Dessau, H. Aub, Rabbiner in München, vr. Klein, Rabbiner in Stolp, Dr. 3. Aub, Rabbiner in Mainz, vr. L. Herzfeld, herzogl. braunschweigischer Landesrabbiner, vr. Ludwig Philippson, Rabbiner in Magdeburg. — Gegen den Vorgang in Bologna haben jetzt auch die französischen Israeliten protestirt, indem das Centralconststorium dem Kaiser eine Adresse einreichte, in welcher derselbe gebeten wird, zu Gunsten der Opfer des römischen Fanatismus einzuschreiten. Das „Univers“, welches schon von verschiedenen Seiten aufgefordert ist, sich über diesen Kinderraub in den Staaten des Papstes auszusprechen, schweigt hierüber vorsichtig. Aus London schreibt man: Das hier niedergesetzte jüdische Comit6, welches zu Gunsten der trauernden Judenfamilie in Bologna wirken soll, hat bereits angefangen die Presse in Bewegung zu setzen. Gestern sprach fich der „Standard" in allerderbster Protestantenweise aus und heute läßt fich der „Httanevester Guardian" vernehmen. Letzterer macht drei Vorschläge, von denen der erste ist: „die Juden sollen künftig keine christlichen Dienstleute halten; dadurch würden diese zu Schaden kommen, sie selbst aber nicht wieder der Gefahr ausgesetzt sein, daß ihre Kinder getauft würden." Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, im AuLust. So eben ist wieder eine Lieferung des „Buches der Haphtoroth von vr. Ludwig Philippson" fertig geworden, nämlich vom 6—15 Bogen incl. Sie reicht bis zur Nummer XXXVIL, d. i. die Haphtorah zu Da über die Anlage und Tendenz dieses Werkes vielfache Anfragen an uns gerichtet sind, so gestatten wir uns, Einiges darüber zu sagen. Zu jeder Haphtorah, die in Text und Uebersetzung gegeben wird, ist ein Commentar hinzugesügt. Derselbe ist nicht aus unsrem Bibelwerke entnommen, sondern völlig neu. Er setzt die linguistische Behandlung und die Begründung der Uebersetzung von sprachlicher Seite voraus und will allein das Verständniß der vorliegenden Schriftstücke im Ganzen und Einzelnen verschaffen. Er behandelt daher jede Haphtorah möglichst als ein Ganzes, als ein Gemälde in abgeschlossenem Rahmen; zeichnet daher zuerst die Situation, in welcher es entstanden, den Zweck, den Gedanken- und Lehrinhalt im Allgemeinen, würdigt es in ethischer und ästhetischer Seite, und läßt fich alsdann in die Erklärung der einzelnen verkommenden schwierigen Stellen ein. So giebt dieser Commentar zu jeder Haphtorah eine Einleitung und eine Erläuterung der einzelnen Verse. . Die Tendenz dieses Kommentars ist zunächst, dem Leser der Haphtorah ein Bild derselben vor die Seele zu führen, ihm den Gedankenschatz derselben nahe zu bringen, und dann die einzelnen Schwierigkeiten zu lösen. Ueberhaupt aber will er seinerseits eine Menge der biblischen Ideen in Fluß bringen, und, ohne asketische Richtung und Färbung, Gedanken und Gefühle der Gottesfurcht und religiöser Anschauung wecken. Wir geben hier, um dies zu erläutern, die Einleitung des Comrnintars einer Haphtorah, wie wir sie eben aus einem der letztgedruckten Bogen herausgreiftn, nämlich zu rra (Jecheskel 22.) „Warum, fragt man, warum sind die h. Schriften Jisrael's zum Buche der Menschheit geworden? warum ist das Wort, das an Jisrael gerichtet worden, zugleich für die ganze Menschheit gesprochen, daß es Anwendung findet auf alle Zeiten und eine Wahrheit ist für alle Verhältnisse? Weil diese Schrift und dieses Wort nichts Anderes aussprechen, als die ewigen Gesetze des Rechts und der Sittlichkeit, weil sie den Grund und das Ziel aller Dinge in der Unterdrückung alles Unrechts und aller Lasterhaftigkeit, in dem Aufblühen und Reifen der Gerechtigkeit und Liebe, der Läuterung und Heiligung finden, weil nicht die Lockungen der Gewalt, nicht die Schlangenwege der Politik von ihnen verfolgt werden, sondern allein die Pfade, die .zu Gott und der höchsten Menschencultur führen, weil sie ohne Furcht und ohne Schonung das Schwert der Verdammniß über die sittliche Entartung schwingen, ob diese in den Palästen der Großen oder in den Hütten des Volkes wohnt. Jeruschalajim war tief gesunken; Verbrechen und Laster, Greuel jeglicher Art waren in ihm heimisch, Habgier, Gewaltthätigkeit und Wollust, die drei.großen Triebfedern zu allem Bösen, beherrschten Fürsten und Volk, und diese Stadt, in welcher das Heiligthuw des Herrn, in welcher allein der Name des Allerheiligsten angernfen werden sollte, in welcher der Stamm wohnte, der zum Zeugen und Träger des Einig- Einzigen erkoren war, in welcher die Harfe David's und das Wort der Propheten ertönten, diese Stadt war ein 39*